Wirtschaft : Fliegen wird teurer

Rekord-Ölpreis treibt die Preise von Flugtickets – auch Germanwings und Pauschalreise-Anbieter erheben Kerosinzuschläge

Heike Jahberg

Berlin - Angesichts immer neuer Rekorde bei den Ölpreisen heben erste Fluggesellschaften ihre Kerosinzuschläge erneut an. British Airways kündigte am Freitag in London an, ab Montag für Langstrecken den Aufschlag von 48 auf 72 Euro (Hin- und Rückflug) zu erhöhen. Allerdings betrifft die Verteuerung zunächst nur Tickets, die in Großbritannien ausgestellt sind, über die Lage auf anderen Märkten wird noch beraten.

Bei Air Berlin sind die Beratungen abgeschlossen. Der Berliner Ferienflieger erhöht seinen Treibstoffzuschlag von zehn auf 14 Euro pro Strecke. Die neuen Gebühren gelten ab sofort, aber nur für Neubuchungen. Konkurrent Germanwings wird Ende Juni erstmals einen Zuschlag von drei Euro pro Passagier einführen, sagte Sprecher Heinz-Joachim Schöttes dem Tagesspiegel. Konkurrent Hapag-Lloyd-Express (HLX) denkt zwar „noch nicht konkret“ über eine Erhöhung nach, dafür soll aber der Anteil der Tickets in der günstigsten Preiskategorie (19,99 Euro) zurückgefahren werden. Der Ferienflieger Condor lässt zwar in den Sommermonaten die Preise noch unverändert, für Flüge nach dem 1. November sind Erhöhungen aber bereits beschlossen: Während die Condor-Preise bislang Treibstoffzuschläge von fünf Euro für Kurz- und 15 Euro für Langstrecken beinhalten, sind es ab November zwölf Euro für Kurz-, 18 Euro für Mittel- und 30 Euro für Fernstrecken. Die hohen Kerosinpreise haben Condor in diesem Jahr bereits Mehrkosten von 45 Millionen Euro eingebrockt, sagte Thomas-Cook-Sprecher Boris Ogursky.

Andere Fluggesellschaften wollen erst einmal abwarten. Zwar seien die Kerosinkosten derzeit doppelt so hoch wie im letzten Jahr, betont dba-Sprecher Matthias Andreesen, dennoch plane man derzeit noch keine Erhöhung. Die dba verlangt einen Zuschlag von sieben Euro pro Flug. Allerdings beobachte man die weitere Entwicklung „sehr genau“.

So lange sich die Preiserhöhungen auf Neubuchungen beschränken, können Verbraucher nichts dagegen ausrichten, sagte Gabriele Francke von der Verbraucherzentrale Berlin: „Die Airlines sind in ihrer Preisgestaltung frei.“

Trotz der hohen Kosten wollen einige Fluggesellschaften ihre Preise stabil halten. Die Billigflieger Ryanair und Easyjet bekräftigten ihre Politik, keine Aufschläge nehmen zu wollen. Auch Air France plant keine Verteuerungen, allerdings kostet der Kerosinzuschlag bei den Franzosen auf Langstrecken bereits heute 68 Euro für Hin- und Rückflug und liegt damit deutlich über dem, was Lufthansa-Kunden zahlen müssen. Die Lufthansa verlangt seit April sieben Euro auf innerdeutschen und -europäischen Strecken und 27 Euro auf Langstrecken. „Wir planen keine Veränderung“, sagte ein Sprecher. Dagegen wird die Frachttochter Lufthansa Cargo am Montag ihre Preise wahrscheinlich erhöhen.

Auch die Reiseveranstalter leiden unter den höheren Flugkosten. Dennoch will Thomas Cook (Neckermann, Bucher, Aldiana) den Zuschlag nicht erhöhen. Derzeit verlangt der Konzern für Kurz- und Mittelstrecken elf Euro (Hin- und Rückflug) sowie 24 Euro für Langstreckenziele. Dagegen verteuert Branchenprimus Tui seinen Zuschlag für Reisen nach dem 1. November von zehn auf 14 Euro. Verbraucherschützerin Francke rät Pauschaltouristen, in ihre Verträge zu schauen. Erhöhungen seien nur zulässig, wenn das Kleingedruckte eine entsprechende Klausel enthält. „Zudem müssen zwischen Reisebestätigung und Abflug mehr als vier Monate liegen“, so Francke.

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