Wirtschaft : Fliegender Wechsel

Christoph Franz übernimmt zum 1. Januar den Vorstandsvorsitz der Lufthansa von Wolfgang Mayrhuber

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Gut Lachen. Wolfgang Mayrhuber (rechts) hat die Lufthansa gut geführt und übergibt den Vorstandsvorsitz an Christoph Franz. Foto: dpa
Gut Lachen. Wolfgang Mayrhuber (rechts) hat die Lufthansa gut geführt und übergibt den Vorstandsvorsitz an Christoph Franz. Foto:...Foto: picture alliance / dpa

Die Vielflieger der Lufthansa haben schon Bekanntschaft mit Christoph Franz gemacht. Denn in der Januar-Ausgabe des Kunden-Magazins „Exclusive“, das bereits vor Weihnachten per Post verschickt wurde, begrüßt er die wichtigste Klientel der Fluggesellschaft. Tatsächlich aber rückt der 50-Jährige offiziell erst zum 1. Januar an die Spitze von Europas führender und derzeit auch erfolgreichster Fluglinie. Und dies mit einer gewaltigen Bürde. Denn dass das Unternehmen so gut da steht, hat vor allem mit seinem Vorgänger, Wolfgang Mayrhuber, zu tun.

Der gebürtige Österreicher hat fast 41 Jahre für die Lufthansa gearbeitet, davon sieben Jahre lang als Vorstandsvorsitzender. Gut 93 000 Menschen arbeiteten bei seinem Amtsantritt 2003 für die Fluggesellschaft, heute sind es fast 117 000. Die Lufthansa gehört mittlerweile zu den rentabelsten, modernsten, effizientesten und vor allem auch am solidesten finanzierten Fluglinien weltweit. Auch der Aktienkurs steigt stetig. „Die Lufthansa besitzt die besten Wachstumschancen und das bei einer soliden Bilanz“, sagt Stefan Kick von Silvia Quandt Research.

Mayrhuber hat mit Sorgfalt das Unternehmen vergrößert. Wichtigster Schritt dabei war 2005 die Übernahme der kurz zuvor fast bankrotten Schweizer Fluggesellschaft Swiss. Mit Fingerspitzengefühl hat er die Schweizer dazu bewegen können, das Unternehmen an Deutsche zu verkaufen. Er gab der Swiss, damals unter der Führung seines heutigen Nachfolgers Franz, zwar strikte Vorgaben, die strategische Umsetzung aber überließ er den Schweizern. Heute ist die Swiss die rentabelste Tochter der Lufthansa, Zürich ist nach Frankfurt am Main und München das wichtigste Drehkreuz des Konzerns. Austrian Airlines, Brussels Airlines, die britische BMI sind weitere Übernahmen, die aber noch nicht bewältigt sind. Zum Kauf der klammen Alitalia ließ er sich hingegen nicht hinreißen.

Dem harten Wettbewerb durch die Billigflieger setzt sich die Lufthansa beharrlich zur Wehr. Das wichtige China- und Asiengeschäft wurde unter Mayrhubers Regie ausgebaut. Und auch die führende Rolle der Lufthansa im weltweit größten Luftfahrtbündnis, die Star Allianz, hat er weiter gestärkt. Die Einführung des Airbus A 380 fällt ebenfalls in seine Amtszeit.

All das sind auch Erklärungen dafür, warum die Lufthansa das Krisenjahr 2009 gut gemeistert hat. In diesem Jahr wird sie erheblich besser abschneiden als erwartet. Nach 130 Millionen im Vorjahr soll der Betriebsgewinn in diesem Jahr bei mehr als 800 Millionen Euro liegen. Allerdings läuft auch das Sparprogramm Climb 2011 weiter, mit dem die Kosten allein in der Passagiersparte um eine Milliarde Euro gedrückt werden sollen.

Für den gebürtigen Frankfurter Christoph Franz ist diese Bilanz Basis und Verpflichtung zugleich. Aber der gelernte Wirtschaftsingenieur und frühere BahnVorstand ist gerüstet. Er hat an der erfolgreichen Integration der Swiss erheblichen Anteil. Außerdem sitzt er bereits seit Mitte 2009 als zweiter Mann hinter Mayrhuber im Vorstand und verantwortet dort die Passagiersparte. Bei den Mitarbeitern machte er sich zunächst mit der Ankündigung harter Sparmaßnahmen unbeliebt. Durch die guten Geschäfte der Lufthansa hat sich die Situation aber entspannt. Und die Mitarbeiter wissen: Franz fühlt sich der Strategie und auch dem Auftreten seines Vorgängers verpflichtet. „Eine Revolution wird es ebenso wenig geben wie eine Wunderheilung“, hat er gesagt, als ihn der Aufsichtsrat im September zum Nachfolger von Mayrhuber bestimmte. Mayrhuber selbst wird die Entwicklung seines Nachfolgers mit Interesse verfolgen. Allerdings von außen. Die Regeln der Lufthansa verhindern, dass der Österreicher direkt in den Aufsichtsrat wechselt – zumindest für die nächsten beiden Jahre.

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