Wirtschaft : Flipper, Ballerspiele und Münzgeräte sind out

DANIEL WETZEL

Spielhallen-Trend geht zu kommunikativen Sport-AutomatenVON DANIEL WETZEL

BERLIN.In den deutschen Spielhallen ebbt der Schlachtenlärm ab.Rumballerei an Computergeräten ist out: Stattdessen wird an elektronischen Skat-Tischen gereizt, geramscht und gestochen."Der Trend geht zu anspruchsvollen Unterhaltungsspielen auf hohem Niveau", sagt Wilhelm Lösch von der Gauselmann Gruppe, Europas größtem Automatenkonzern.Während das Geschäft mit den Geldautomaten stagniert, erleben die neuen Hightech-Spielgeräte in Gaststätten und Spielhallen einen Boom.Niederleitungsleiter Lösch präsentierte am Donnerstag in Berlin die neue Gerätegeneration.Die Software mußte selbst stammtischerfahrene Skat-Zocker beeindrucken: Am Computer sind inzwischen selbst finessenreiche Spielvarianten wie Bierramsch, Schieberramsch oder "400 und Datum" möglich. Um Geld geht es dabei nicht: Spiele wie Skat, Poker, Mensch-ärgere-Dich-nicht bis hin zu den Fahrsimulatoren werden nur um Punkte gespielt.Die Münzautomaten - früher Sorgenkind der Kommunalpolitiker und Mittelpunkt mancher Spielsucht-Debatte - sind umsatzmäßig ausgereizt."Das Geschäft mit Geldspielautomaten stagniert", bestätigt Robert Hess, Sprecher der westfälischen Gauselmann-Gruppe."Der reale fünfprozentige Kaufkraftverlust in der Bevölkerung wirkt sich aus." Geldspielgeräte seien zwar noch immer das Hauptstandbein, Sport- und Unterhaltungsspiele ohne Gewinnmöglichkeit holten jedoch "mit Riesenschritten auf".Das Pfeilspiel "Dart", Billiard, Snooker, sowie Karten- und Würfelspiele für mehrere Mitspieler an Touchscreen-Bildschirmen werden immer beliebter. "Unser Sorgenkind ist der Flipperautomat", sagt Wilhelm Lösch.Das traditionsreiche Gaststättengerät wird kaum noch nachgefragt.Dabei kann, wer in den 80er Jahren an Klassikern wie Firepower oder Quicksilver groß geworden ist, an den neuen Geräten viel neue Spielphantasie entdecken: Bei "Medieval Madness" läßt die Flipperkugel über eine komplizierte Mikro-Hydraulik eine ganze Ritterburg zusammenstürzen, beim Gerät "NBA Fastbreak" können zwei Spieler gleichzeitig um die höhere Punktzahl flippern.Doch Flipper - früher wie die Musicbox aus keiner Kneipe wegzudenken - werden kaum noch benutzt.Die Zahl der bundesweit aufgestellten Geräte sank innerhalb eines Jahres von 47 000 auf 42 000.Thomas Matzak, Sprecher des traditionsreichen Berliner Automatenherstellers Wulff Automaten GmbH, weiß auch warum: "Die Kästen passen nicht mehr so recht in das Ambiente moderner Szenekneipen." Doch die kreative Spielebranche hat schon Ersatz parat.Statt Flipperkästen sollen künftig "Internet-Münz-Terminals" in die Szenekneipe.Der Computer mit Münzeinwurf ist dabei so solide verpackt, daß er selbst eine handfeste Bierzelt-Randale überstehen würde: Die Tastatur des stoßsicheren Stahlgehäuses ist gegen Cola- und Bierspritzer abgedichtet. Bundesweit machen in der deutschen Automatenwirtschaft rund 80 000 Beschäftigte einen Jahresumsatz von 21,6 Mrd.DM.Allein im Bereich Musik- und Unterhaltungsautomaten arbeiten rund 37 000 Menschen.Auf dem deutschen Geldgewinn-Spielmarkt werden jährlich rund 40 Mrd.DM umgesetzt.Zwei Drittel davon wurden von öffentlichen Trägern (Lottoblock: 30 Prozent, Spielbanken 33 Prozent) eingenommen.Rund 26 Prozent wurden an Geldgewinnautomaten umgesetzt, gefolgt von Klassenlotterien (6 Prozent) und Pferdewetten (2 Prozent).

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