Wirtschaft : Flucht aus den Immobilienfonds

Bereits die dritte Schließung – Branche mahnt Anleger zur Ruhe

Daniel Rhee-Piening

Berlin - Die Stimmung bei den Anbietern offener Immobilienfonds könnte schlechter kaum sein als derzeit. Nach der dritten Schließung eines offenen Immobilienfonds in Deutschland macht sich unter den Anlegern Unruhe breit, die Anbieter fürchten nun den massiven Abzug von Anlagemitteln. Diese Kettenreaktion könnte eine Krise der gesamten Branche auslösen, die mancher Beobachter allerdings schon heute sieht.

Der Verband der Fondsgesellschaften, der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI), will am kommenden Dienstag einen Maßnahmenkatalog vorlegen. Ein Sprecher riet den Anlegern, „Ruhe zu bewahren“. Derzeit habe der BVI „keinerlei Anhaltspunkte für weitere Schließungen“, sagte ein BVI-Sprecher dem Tagesspiegel. „Es gibt bei den anderen Anbietern noch keine Unruhe.“

Die US-Investmentgesellschaft KanAm hat nach massiven Mittelabflüssen am Donnerstag auch ihren zweiten Immobilienfonds Grundinvest für drei Monate geschlossen. Bereits am Dienstag hatte Kan Am den wesentlich kleineren, ausschließlich in Nordamerika investierenden US-Grundbesitz geschlossen. Den Anfang hatte im Dezember die Deutsche- Bank-Tochter DB Real Estate gemacht, als sie den Rückkauf von Anteilen des Grundbesitz-Invest-Fonds für zunächst drei Monate einstellte.

Während die Deutsche Bank auf eine Neubewertung der Immobilien wartet, sah Kan Am die Schuld für die Schwierigkeiten bei einer Ratingagentur. „Die Panik in dem KanAm-Grundinvest-Fonds als Spitzenprodukt der Branche ist offenbar ausgelöst worden durch die Veröffentlichung einer überraschenden und sachlich nicht nachvollziehbaren Verkaufsempfehlung einer Ratingagentur“, teilte KanAm am Donnerstag mit. Binnen 24 Stunden hätten Anleger Anteile im Wert von rund 700 Millionen Euro zurückgeben wollen, mehr als ein Fünftel des 3,2 Milliarden Euro schweren Fonds.

Der BVI äußerte sich offensiver: „Diese Schließung ist ein äußerst bedauerlicher Fall und ist offensichtlich eine Folgewirkung der ersten Fondsschließung bei KanAm, nachdem Scope die Fonds in unverantwortlicher Weise auf Verkaufen gestellt hatte“, sagte ein Sprecher. Die Ratingagentur Scope hatte empfohlen, beide KanAm-Fonds zu verkaufen. Am Dienstag hatten die Fonds von der Ratingagentur Feri dagegen noch gute Noten erhalten.

Anlegerschützer reagierten mit Warnungen. „Wir beobachten das mit großer Sorge“, sagt Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Für den Herausgeber des „Fondstelegramm“, Stefan Loipfinger, ist die Krise bereits da. „Es wird schwer, den Flächenbrand noch zu stoppen“, sagt der Fondsanalyst. Für ihn hapert es bei vielen Produkten vor allem an der Transparenz. „Die Branche hätte von sich aus was tun müssen.“

Vor allem zahlreiche Kleinanleger konnten Anlageberater und Banken in den vergangenen Jahren für offene Immobilienfonds gewinnen. Nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes und den Kursverlusten an der Börse galten sie als regelrechtes „Allheilmittel“, um wieder an höhere Renditen zu kommen, sagt Experte Roland Aulitzky von der Stiftung Warentest. Dabei seien Immobilienmärkte für Laien nur relativ schwer zu beurteilen.

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