Wirtschaft : Fluchthelfer für Sparer mit Angst vor dem Euro

EGON WACHTENDORF (DM)

Trotz aller Bekenntnisse zur EU-Währung halten Fondsgesellschaften längst Produkte bereit, die von einem schwachen Start profitierenEGON WACHTENDORF (DM)

Stell dir vor, der Euro kommt pünktlich, und fast alle machen mit.Dann wird die neue Einheitswährung nicht so hart wie die D-Mark."Ein Euro, wie er sich nach der Verwässerung des Stabilitätspaktes abzeichnet, kann nur ein weicher Euro sein", faßt Wilhelm Hankel die Ängste von Millionen deutschen Sparern zusammen.Der Professor für Währungs- und Entwicklungspolitik an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt (Main) befürchtet, daß in der Folge steigende Zinsen und Inflationsraten zu erheblichen Vermögensverlusten führen. Auf die Ängste hat sich auch die Investmentbranche vorbereitet.Zwar legen sich die Geschäftsführer der großen deutschen Fondsgesellschaften mächtig ins Zeug, um ihre Kunden von den Vorzügen der Währungsunion zu überzeugen.Doch sie halten längst schon Produkte bereit, die von einem schwachen Euro profitieren.Beispiel Adig: Deutschlands älteste Investmentgesellschaft legte im August gleich eine ganze Fonds-Familie zum Euro auf, die den Anleger auf dem Weg zur gemeinsamen europäischen Währung, so Adig, "marktgerecht" begleiten soll.Für Anleger, die mit vielen Teilnehmern beim Euro rechnen, empfiehlt sich der ALSA EuroStrategie 2. Neben Aktien aus potentiellen Teilnehmer-Staaten nehmen die Manager vor allem auf Dollar, Pfund, Yen und Schweizer Franken lautende Anleihen ins Depot.Mit dieser Strategie hoffen sie auf kräftige Währungsgewinne, falls sich der Euro allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz als "Weichei" (BHF-Bank-Chefvolkswirt Hermann Remsperger) entpuppt.Diese Variante hält Adig-Geschäftsführer Christian Humbert derzeit für die wahrscheinlichste.Deshalb fahren die Adig-Manager im zeitgleich plazierten Euro-Multi-Flex, den sie je nach aktueller Euro-Einschätzung nach eigenem Gutdünken managen und entsprechend umschichten, eine beinahe identische Anlagepolitik wie beim EuroStrategie 2. Auch die Sparkassen-Tochter Deka rechnet mit der Weich-Währung.So plazierte sie kürzlich mit dem DekaTeam-GlobalBond einen internationalen Rentenfonds, der sämtliche auf potentielle EU-Währungen lautenden Papiere ausschließt.Vorteil des gemeinsam mit der US-Investmentbank J.P.Morgan in Irland gemanagten Deka-Newcomers gegenüber ähnlich gestrickten Fonds: Statt eines Ausgabeaufschlags fällt nur eine etwas höhere Managementgebühr von insgesamt 1,08 Prozent pro Jahr an.Da jedoch eine mögliche Euro-Schwäche kaum ewig anhalten dürfte, empfiehlt sich das Deka-Angebot ohnehin nicht als Dauer-Investment. Die größten Hoffnungen auf Währungsgewinne verbanden Euro-Pessimisten in der Vergangenheit mit dem US-Dollar.Obwohl der Greenback kurzfristig durch die Südostasien-Krise unter Druck geriet, dürfte er mittelfristig neue Stärke zeigen.Wer deshalb als Gegengewicht zum Euro verstärkt auf Dollar-Papiere setzen will, für den kommt auch ein entsprechend ausgerichteter Fonds in Frage.Die besten Ergebnisse in dieser Kategorie erwirtschaftete in der Vergangenheit der ACM American Income der New Yorker Alliance-Gruppe.Hintergrund: Die Amerikaner kaufen für ihren Fonds nicht nur klassische US-Treasuries, sondern auch auf Dollar lautende Anleihen aus Schwellenländern wie Brasilien, Mexiko oder Argentinien.Für diese Brady-Bonds genannten Papiere zahlen die Emittenten deutliche höhere Zinsen als bei herkömmlichen Staatsanleihen. Obwohl der Alliance-Fonds vor diesem Hintergrund auch künftig überdurchschnittliche Erträge erwirtschaften dürfte, sind kurzfristig jederzeit stärkere Schwankungen möglich ­ vor allem in Phasen steigender Zinsen.Weniger spekulativ eingestellte Dollar-Liebhaber sollten deshalb lieber auf den Dollarrenta der Deutschen-Bank-Investment-Tochter DWS/DBIM zurückgreifen.Dort kommen ausschließlich Anleihen erstklassiger Bonität ins Depot. Allerdings: Bei steigenden US-Zinsen sind auch mit dem Dollarrenta Kursverluste programmiert.Angesichts der schwelenden Südostasien-Krise spricht zwar wenig für einen entsprechenden Zins-Schritt der amerikanischen Währungshüter.Wer jedoch auf Nummer Sicher gehen möchte, nimmt statt eines klassischen Dollar-Rentenfonds besser einen sogenannten Reserve-Fonds in sein Depot.Dort investieren die Manager wie bei auf D-Mark lautenden Geldmarktfonds ausschließlich in Termineinlagen und festverzinsliche Wertpapiere, die in Dollar derzeit immerhin eine Rendite von 5,5 Prozent bringen und keinerlei Kursschwankungen unterliegen.Erste Wahl in diesem Sektor: der Fleming Series II US-Dollar, für den die britische Fleming-Gruppe aus Wettbewerbsgründen derzeit nur eine jährliche Managementgebühr von 0,2 bis 0,4 Prozent berechnet.Da zudem kein Ausgabeaufschlag anfällt, dürften Anleger mit diesem mehrfach preisgekrönten Fonds unterm Strich etwas besser fahren als mit den meisten Konkurrenz-Angeboten. Aktionäre gehören zu den größten Profiteuren der Währungsunion ­ diese Aussage bleibt trotz der jüngsten Turbulenzen unverändert gültig.Doch statt wahllos in einen der in den vergangenen Monaten in großer Zahl neu plazierten Europa-Fonds zu investieren, sollten sich Anleger auf Fonds konzentrieren, deren Manager dieses Feld schon seit Jahren erfolgreich beackern.Bestes Beispiel: der Baring European Growth, der seit der Auflage im Juni 1983 ein Plus von knapp 1100 Prozent erzielte und mit diesem Ergebnis den MSCI-Europa-Index um mehr als 500 Prozentpunkte übertraf.Ebenfalls deutlich über dem Index liegt der auf kleinere Unternehmen spezialisierte Mercury European Opportunities ­ obwohl Nebenwerte in Europa den marktbreiten Blue Chips bereits seit 1989 hinterherhinken. Aktuell gemeinsam ist beiden Top-Europa-Fonds: Ihre Manager Mark Pignatelli (Baring) und Edoardo Mercadante (Mercury) setzen auf italienische Unternehmen, weil deren Kurse noch nicht so stark vom Euro profitiert haben wie die Aktien in anderen Teilnehmer-Ländern.Vor diesem Hintergrund scheint auch die Beimischung eines auf italienische Aktien spezialisierten Länderfonds wie dem Parvest Italy eine Überlegung wert.Im Vergleich zu direkten Konkurrenten sprechen gleich zwei Argumente für das Angebot der französischen Paribas-Gruppe: Zum einen hat die verantwortliche Parvest-Managerin Catherine Guinefort den Fonds sehr nah am marktbestimmenden MIB-30-Index der Mailänder Börse ausgerichtet, zum anderen bieten Discount-Broker wie die Direkt Anlage Bank den Parvest Italy ohne Ausgabeaufschlag an. Statt auf Aktien schwören viele Anleger auf Grundbesitz, um einer drohenden Weichwährung Euro zu entkommen.Seit Jahren registrierten deshalb offene Immobilienfonds starken Zulauf.Doch hohe Preise, fallende Mieten und steigende Leerstände machen es den Managern immer schwerer, mit deutschen Gewerbe-Immobilien akzeptable Renditen zu erwirtschaften.Ganz anders in den USA: Dort locken auf Gewerbe-Immobilien ausgerichtete Fonds ­ sogenannte Real Estate Investment Trusts (REITs) ­ noch mit zweistelligen Wertzuwächsen.Auf eine lange Tradition in diesem Bereich kann der amerikanische Investor Shelby Davis zurückblicken, der vor wenigen Wochen für seinen auf REITs spezialisierten Davis Real Estate Fund die deutsche Vertriebserlaubnis erhielt. Als alleiniges Flucht-Vehikel nur bedingt geeignet: der Schweizer Franken, dem die meisten Experten nur wenig Aufwertungspotential bescheinigen.Auch die im Vergleich zu anderen Ländern sehr niedrigen Zinsen sprechen gegen ein größeres Engagement in Schweizer Anleihen.Wer vor der Einführung des Euro dennoch nicht auf ein Renten-Standbein in Zürich verzichten möchte, sollte Fonds wie den DIT-SFR Kapital Plus bevorzugen, der bis zu einem Anteil von 30 Prozent auch Aktien ins Depot nehmen darf.

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