Wirtschaft : Flüchtige Begleiter

Jedes Jahr kommen 100 neue Düfte auf den Markt – Parfum wird zum Saisonartikel

Corinna Visser

Ein Leben lang nur einem Einzigen treu – das war einmal. Heute wechselt man das Parfum ebenso wie die Garderobe passend zum Anlass. Beliebt sind bei den Damen derzeit orientalisch-erotische Düfte – allerdings frischer und leichter als noch in den 30er und 40er Jahren, sagt Regina Spelman. Sie gibt seit acht Jahren einen Führer durch die Welt des Parfums heraus. „Auch bei den Männern herrschen nicht mehr die harmlosen Wässerchen vor“, sagt Spelman. Die Herren bevorzugen derzeit die holzigen Duftnoten. Mit den „Unisex“-Düften, die sowohl die weibliche als auch die männliche Kundschaft auflegen, ist es vorbei. „Jetzt wird wieder polarisiert“, sagt die Duftexpertin.

Die Auswahl an Düften ist groß. Jedes Jahr kommen etwa 70 bis 90 neue hinzu, schätzt Werner Hariegel, Geschäftsführer vom Bundesverband Parfümerien. Andere zählen sogar 120 bis 130 neue Düfte pro Jahr. Die meisten verschwinden so schnell wieder, wie sie gekommen sind. Nur drei bis fünf Prozent der Neuheiten werden nach zwei Jahren noch aktiv beworben. Parfums, die nie aus der Mode kommen wie das bereits 1921 kreierte „Chanel No.5“, seien die Ausnahme, sagt Hariegel. Viele Parfums werden inzwischen ganz bewusst als Saison-Düfte entwickelt. Während früher nur zu besonderen Anlässen Parfum aufgelegt wurde, ist der Duft heute zum ständigen Begleiter geworden. „Und da wünschen die Verbraucher einfach einen schnelleren Wechsel“, sagt Hariegel.

Allein die Parfümerie-Kette Douglas hat aktuell 1038 Düfte im Sortiment – 659 für Damen und 379 für Herren. Jeden Monat stellt Douglas eine aktuelle Hitliste auf: Im November war „Sensi“ von Giorgio Armani, eine Neuheit 2002, bei den Damen der meistverkaufte Duft: Die Herznote Jasmin und die Basisnote Palisanderholz und Vanille bestimmen den blumig-orientalischen Duft. Bei den Herren war „Le Male“ von Gaultier, ein Klassiker aus dem Jahr 1995, der Favorit. Der Kopf von Bergamotte und Kardamom, das Herz von Lavendel und Orange auf einer Basis aus Moschus und Amber.

Bei Parma-Aurel, einer Kooperation von 200 mittelständischen Parfümerie-Unternehmern, stehen dagegen die großen Klassiker ganz oben auf der Verkaufsliste. Im November war „Chanel No.5“ die Nummer eins bei den Damen. Die Kopfnote bilden Neroli und Ylang-Ylang, das Herz Jasmin und den Fond warmes Sandelholz und süße Vanille. Auf Platz zwei „Trésor“ von Lancôme, eine Kreation aus dem Jahr 1990, blumig-frisch mit einer Basis aus Ambra und Sandelholz. „Sensi“ hat es auf Platz drei geschafft. Bei den Herren-Düften ein ähnliches Bild: Der Klassiker „Cool Water“ von Davidoff – im Kopf Bergamotte und im Herzen Sandelholz – aus dem Jahr 1988 liegt vor „Le Male“ von Gaultier. Auf Platz drei das frisch-würzige „Baldessarini“ von Boss.

Bei den meisten Frauen, sagt Spelman, besteht die „Duftgarderobe“ heute aus einer Auswahl von fünf bis acht Düften. Und trotzdem freuen sie sich noch über einen neuen Duft. „Ein Parfum ist das beste Geschenk“, sagt Spelman, „weil es emotional ist.“

Parfums – Edition 2003 von Uschi Rollar und Regina Spelman, Ebner Verlag, 9,90 Euro.

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