Fluggesellschaft : Air Berlin ist begehrt wie nie

Vor allem Investoren aus dem Nahen Osten finden den Konzern interessant, wie der saudi-arabische Investor Kamal Abdullah S. Bahamdan.

Juliane Schäuble

Berlin - Es liegt förmlich in der Luft. 2008 werde das Jahr der Weichenstellung in der europäischen Luftfahrt, heißt es schon seit geraumer Zeit in der Branche. Nach einem durchaus erfolgreichen Jahr, das beispielsweise bei Air Berlin und dem Marktführer Lufthansa mit Rekordpassagierzahlen zu Ende ging, rechnen Experten in diesem Jahr mit Fusionen und Übernahmen. Denn der Wettbewerb wird schärfer, der Kostendruck steigt, die Konjunkturaussichten verdüstern sich. Und zahlungskräftige asiatische Fluggesellschaften stehen am Start. Ihr Ziel: Sie wollen unbedingt in Europa einen Fuß auf den Boden bekommen.

Der jüngste Anlass zur Unruhe kam am Dienstag erneut von Air Berlin. Nachdem gleich zu Jahresbeginn der südafrikanische Unternehmer Robert Hersov eine Beteiligung von 15,412 Prozent gemeldet und diese inzwischen auf knapp 18,6 Prozent aufgestockt hat, ist nun ein neuer Investor hinzugekommen. Wie Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft mitteilte, hält der saudi-arabische Investor Kamal Abdullah S. Bahamdan seit dem 11. Januar 3,1 Prozent der Aktien. Er habe diese Beteiligung über die Moab Investments erworben, ein Tochterunternehmen von Bahamdans KB Group Holdings.

Air Berlin ist der neue Investor nach eigenen Angaben noch völlig unbekannt. „Wir freuen uns über jeden Aktionär, aber über die Motive von Herrn Bahamdan können wir keine Aussage machen“, sagte Air-Berlin-Sprecher Peter Hauptvogel. Es sei auch nicht bekannt, ob Bahamdan weitere Aktien kaufen wolle. Man sehe das Engagement als Finanzbeteiligung an.

Hatte sich Air Berlin im vergangenen Jahr selbst noch bei Zukäufen hervorgetan, steht die Fluggesellschaft nun ihrerseits im Mittelpunkt des Interesses. Das Hauptmotiv der derzeitigen Aktienkäufe sehen Experten aber derzeit im günstigen Preis: Seit Wochen pendelt das Papier um den Ausgabekurs von zwölf Euro. Am Dienstag lag der Kurs bei 12,38 Euro – ein leichtes Plus von 1,9 Prozent. Wer jetzt kaufe, dürfte einen ordentlichen Gewinn damit machen, sagt LBBW-Analyst Per-Ola Hellgren. Noch im April 2007 hatte der Kurs bei rund 20 Euro gelegen.

„Dahinter könnte aber auch ein strategischer Investor stehen“, sagt Gerd Pontius, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Prologis. „Air Berlin ist gerade für Fluggesellschaften aus dem Mittleren Osten hochinteressant.“ Fluglinien wie die Emirates aus Kuwait oder Qatar Airways haben in den vergangenen Monaten kräftig in ihre Langstreckenflotten investiert. Für die vielen neuen Langstreckenflieger brauchen sie aber eine Zubringerflotte im jeweiligen Zielgebiet. Doch in Europa und den USA dürfen sie die nötigen Start- und Landerechte nicht erwerben. Ihnen bleibt, Allianzen mit europäischen Fluglinien zu schließen, sich an diesen zu beteiligen – oder sie ganz zu übernehmen. „Da ist eine Air Berlin mit ihrer hervorragenden Positionierung an den bedeutenden Flughäfen einer der interessantesten Kandidaten“, sagt der Luftfahrtexperte Pontius.

Auch einige hiesige Linienfluggesellschaften sind durchaus in der Lage, sich am Konsolidierungsprozess der Branche zu beteiligen. So könnte Air France-KLM Mittel in Höhe von drei Milliarden Euro aufbringen, heißt es, die Lufthansa mehr als fünf Milliarden Euro. Air Berlin würde zum derzeitigen Kurs gerade mal um die 900 Millionen Euro kosten. Aber da bei Air Berlin nach den schnellen Zukäufen der letzten Zeit noch erhebliche Integrationsarbeit zu leisten ist, dürften die Europäer wohl erst einmal die Finger davon lassen. Für Lufthansa käme der innerdeutsche Konkurrent schon aus kartellrechtlichen Gründen nicht infrage. Und Air France hat mit dem Versuch, Alitalia zu übernehmen, erst mal selbst genug zu tun.

Aus dem arabischen Raum werde ein Interesse an Air Berlin derzeit noch bestritten, sagt Pontius. „Aber das Dementi ist so heftig, dass es schon fast wieder auffällig ist.“

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