Fluggesellschaft : Air Berlin steht zum Verkauf

Air Berlin wollte zu Lufthansa aufschließen, sogar überholen. Nun ist das Unternehmen angeschlagen. Fluggesellschaften aus Abu Dhabi und China als Investoren im Gespräch. Der Aktienkurs bricht trotzdem ein.

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Was steckt dahinter? Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft kommt finanziell nicht vom Fleck. Gerüchte über einen Verkauf scheinen plausibel.Foto: dapd
Was steckt dahinter? Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft kommt finanziell nicht vom Fleck. Gerüchte über einen Verkauf...Foto: dapd

Klar ist nur, dass Air-Berlin-Chef Mehdorn handeln muss. Mehr als 20 Euro kostete eine Air- Berlin-Aktie noch vor gut vier Jahren. Seither ist der Preis fast stetig gefallen. Heute ist das Unternehmen an der Börse nur noch 245 Millionen Euro wert. Anfang November begab die Gesellschaft eine Anleihe über 100 Millionen Euro und musste den Investoren 11,5 Prozent Zinsen zahlen – ein Indiz, dass die Lage sehr ernst ist.

Am Freitag berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ ohne Angabe von Quellen, dass Mehdorn Investorengespräche mit Etihad Airways aus Abu Dhabi und Hainan Airlines aus China führt. Bis zum Abend gab es von Air Berlin weder eine Bestätigung noch ein Dementi. Es blieb zunächst also nur ein Gerücht, mit dessen Bewertung Anleger sich schwertaten: Der Kurs pendelte am Freitag extrem stark, brach zeitweise um fast zehn Prozent ein. Kurz vor Börsenschluss notierte das Papier noch gut sechs Prozent leichter bei 2,48 Euro.

Auch Etihad und Hainan wollten sich am Freitag nicht äußern, eine Partnerschaft mit Air Berlin würde aber für beide Fluggesellschaften Sinn machen. Hainan bedient bereits seit 2008 die Route zwischen Berlin und Peking und kooperiert seit 2009 mit Air Berlin im Rahmen eines sogenannten Codeshare- Abkommens. Das heißt, die Flüge tragen auch eine Air-Berlin-Flugnummer, sind über die Website der deutschen Gesellschaft zu buchen und werden auf das Top-Bonus-Vielfliegerprogramm angerechnet. Umgekehrt bietet Air Berlin der chinesischen Gesellschaft Anschlüsse zu anderen deutschen Flughäfen sowie Wien und Zürich.

Derzeit wird die China-Route mit großem Erfolg dreimal wöchentlich bedient. Zunehmend jüngere Chinesen nutzen die Flüge für Europa-Besuche. Dem Vernehmen nach ist im Sommer 2012 spätestens mit der Eröffnung des neuen Flughafens BER Berlin-Brandenburg mindestens eine vierte Frequenz geplant. Hainan wolle das Engagement in Berlin ebenso wie die Kooperation mit Air Berlin ausbauen, hieß es. Eine Beteiligung wäre allerdings nicht Sache der Fluggesellschaft, sondern des Mutterkonzerns HNA Group mit Sitz in der südchinesischen Stadt Haikou. HNA gehören in China insgesamt sechs Fluggesellschaften, zwölf Flughäfen, Reiseveranstalter und Autovermietungen.

Hainan, kürzlich als Fünf-Sterne-Fluggesellschaft ausgezeichnet, könnte auch für das Airline- Bündnis Oneworld von Interesse sein, dem Air Berlin im kommenden Jahr beitreten wird. Zu One World gehören zwar die in Hongkong ansässige, überwiegend international tätige Cathay Pacific und deren Tochter Dragonair, doch bisher kein Mitglied mit einem dichten Streckennetz in China selbst. Die Star Alliance, zu der die größte deutsche Fluggesellschaft Lufthansa gehört, zählt Air China und demnächst auch Shenzhen Airlines zu ihren Mitgliedern, bei SkyTeam sind China Eastern und China Southern dabei.

Etihad nimmt nach Frankfurt am Main und München am 16. Dezember Düsseldorf ins Streckennetz auf. Ein Codeshare- Abkommen so wie Hainan hat man mit Air Berlin bisher nicht geschlossen. Aber die Metropole am Rhein ist das zweite deutsche Drehkreuz von Air Berlin, und schon deshalb könnte eine Zusammenarbeit Sinn machen. Eine Kooperation mit der Lufthansa erscheint ausgeschlossen, da man dort ein klares Feindbild von den Konkurrenten aus der Golfregion hat und versucht, deren Expansion in Deutschland zu bremsen.

Mehdorn war dem Vernehmen nach seit Übernahme des Chefpostens bei Air Berlin vor knapp drei Monaten weder in China noch in Abu Dhabi, hat aber kürzlich die Luftfahrtschau im benachbarten Dubai besucht, wo mit Emirates eine weitere finanzstarke Fluggesellschaft ansässig ist, sich aber auch sonst die Großen der Branche trafen. Aus seiner Zeit als Bahn-Chef hat er überdies exzellente Kontakte in die Region.

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