Fluggesellschaft : Ryanair will nicht mehr um jeden Preis wachsen

Europas größte Billigfluggesellschaft Ryanair denkt um: Das irische Unternehmen will sich künftig nicht mehr um jeden Preis Marktanteile erkaufen, sondern höhere Passagierzahlen in Gewinn ummünzen.

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ddp

Frankfurt am Main/London - Demzufolge hob das Unternehmen am Montag das Gewinnziel für das laufende Geschäftsjahr auf 275 Millionen Euro an. Zuvor hatte Ryanair prognostiziert, das Plus werde am unteren Ende der Spanne von 200 bis 300 Millionen Euro liegen. Parallel meldete das Unternehmen für das abgelaufene Quartal einen Verlust von knapp elf Millionen Euro. Im Vorjahresquartal hatte dieser noch bei fast 102 Millionen Euro gelegen.

Und noch eine Änderung steht an: Künftig will Ryanair Geld an seine Aktionäre ausschütten. Bisher investierte die Airline ihre Gewinne in weiteres Wachstum. Der Billiganbieter bekräftigte am Montag, dass er bis zum Ende des Geschäftsjahres 2013 rund eine Milliarde Euro Barmittel erwirtschaften will, die den Aktionären zugute kommen sollen. Das Unternehmen verzichtet auch auf den geplanten Kauf von 200 Airbus-Maschinen.

Die Kehrtwende der Fluggesellschaft zeigt, dass die Billigairlines mit ihrem Geschäftsmodell des starken Wachstums durch fallende Preise an ihre Grenzen stoßen. Um die Profitabilität zu halten beziehungsweise zu steigern, sind selbst Preiserhöhungen kein Tabuthema mehr – etwas, das Passagiere bis dato vor allem von den etablierten Linienfluggesellschaften kannten. Das Passagierwachstum werde künftig moderater ausfallen, und statt Tarife zu senken, werde man wohl eher als erwartet höhere Tarife erleben, sagte Michael Cawley, stellvertretender Chef der Fluggesellschaft.

Andererseits greifen die Linienfluggesellschaften angesichts der bislang schwersten Krise der Luftfahrtindustrie auf Elemente aus dem Geschäftsmodell der Billigairlines zurück. So haben erste Airlines in den USA und mit der Deutschen Lufthansa auch in Europa damit begonnen, auf einzelnen Strecken Zusatzgebühren für ein zweites Gepäckstück zu verlangen. „Die beiden Geschäftsmodelle nähern sich zunehmend an. Das gilt vor allem für die Wahrnehmung seitens der Kunden. Auf der Kostenseite unterscheiden sich die Netzwerkanbieter und die Billigairlines dagegen nach wie vor sehr stark“, sagt Nathan Zielke, Leiter Aviation Competence Center der Beratungsgesellschaft Arthur D. Little.

Für die Anbieter beider Seiten birgt der Kurswechsel Risiken. Billigflieger wie Ryanair büßen bei Preiserhöhungen ihren Wettbewerbsvorteil gegenüber den großen Linienfluggesellschaften ein. Die wiederum laufen Gefahr, dass die Passagiere auf die Barrikaden gehen, weil sie plötzlich für Dinge zahlen müssen, die bisher im Preis inbegriffen waren. Mittelfristig wird den Airlines jedoch nichts andere übrig bleiben, glauben Analysten. Der Preisdruck ist einfach zu groß. HB

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