Fluggesellschaft : Verkauf der Austrian Airlines chaotisch

Am kommenden Montag soll der künftige Besitzer der österreichischen Fluggesellschaft Austrian Airlines fest stehen. Von den ehemals drei Bewerbern hat nur die Lufthansa rechtzeitig ein Übernahmeangebot gestellt.

WienDer Verkauf der österreichischen Fluggesellschaft Austrian Airlines droht für die Verantwortlichen in Wien zu einem "Fiasko" zu werden. Schon warnen Experten vor dem Aus für die rot-weiß-rote Fluglinie. Austrian, so warnte der Luftfahrtexperte Kurt Hofmann am Mittwoch im ORF-Rundfunk, könne den Flugbetrieb nur noch bis Mitte 2009 aufrechterhalten, falls die Gesellschaft nicht von einer großen Airline - wie etwa der Deutschen Lufthansa - übernommen werde. Kurz darauf stürzte der Kurs der AUA-Aktie an der Wiener Börse um rund ein Drittel ab. Die vollständige Privatisierung der in Turbulenzen geratenen Fluggesellschaft werde von einem "Chaos" begleitet, berichteten Österreichs Medien.

Anlass für die Panik an der Börse: Für den Verkauf der Staatsanteile von 42,75 Prozent an der Airline, die sich seit Monaten im finanziellen Sinkflug befindet, gibt es angeblich keinen ernsthaften Interessenten. Von drei Fluggesellschaften, die bei der Ausschreibung in die engste Auswahl kamen, gab am Dienstag nur die Lufthansa ein Übernahmeangebot ab. Und selbst dieses, so die Medien, sei nicht vollständig gewesen. "So attraktiv, wie die Perle AUA immer gehandelt wird, ist sie offenbar doch nicht", befand Luftfahrt-Analyst Hofmann.

Montag soll es eine Entscheidung geben

Während die Kassandra-Rufe der Medien am Mittwoch immer lauter wurden, hüllte sich die für den Verkauf der AUA-Staatsanteile zuständige Staatsholding ÖIAG in Schweigen. Man werde den vor Monaten mit Zustimmung der Regierung in Wien beschlossenen Zeitplan durchziehen, hieß es lediglich in einer Fünf-Zeilen-Mitteilung. Am kommenden Montag solle über den künftigen Besitzer der hoch verschuldeten Airline entschieden werden. Anderenfalls, so versicherte der zuständige Verkehrsminister und mögliche künftige Kanzler, Werner Faymann, müsse man vonseiten der Regierung notfalls halt auch eine Kapitalerhöhung erwägen, um die 100 Maschinen der Gesellschaft in der Luft zu halten.

Die vollständige Privatisierung der AUA, die in den vergangenen Jahren einen Schuldenberg von rund 900 Millionen Euro aufgetürmt hat, stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Denn zunächst wehrten sich vor allem die in Wien regierenden Sozialdemokraten gegen den vollständigen Verkauf der noch vorhandenen staatlichen AUA-Anteile. "Die AUA muss in Österreich bleiben", hieß die Devise. Die daraufhin geplante Beteiligung des saudischen Geschäftsmannes Mohammed al Jaber, der dem defizitären Unternehmen 150 Millionen Euro zuschießen sollte, scheiterte jedoch kläglich. 

Lufthansa wird favorisiert

Daraufhin ergriff die ÖIAG, die die Staatsanteile an der 50 Jahre alten Fluglinie verwaltet, die Initiative. Sie warnte vor dem finanziellen Absturz der AUA, falls diese kurzfristig keinen strategischen Partner finde. Und die Führung der AUA und der ÖIAG machten auch keinen Hehl daraus, wen sie für den geeignetsten Partner hielten: Die Deutsche Lufthansa, in der Star Alliance mit den Österreichern verbandelt ist, soll die Rettung bringen. Doch die Kranich-Airline hielt sich in den vergangenen Monaten zumindest öffentlich äußerst bedeckt. Der österreichische LH-Chef Wolfgang Mayrhofer machte immerhin deutlich, dass er den riesigen Schuldenberg der AUA nicht übernehmen wolle.

Da am Dienstag die Mitbewerber Air France/KLM und die sibirische "S7" das Handtuch warfen, bleibt zunächst die Lufthansa als einziger Übernahmekandidat im Rennen. Doch auch diese Tatsache dürfte der ÖIAG die Entscheidung über den Verkauf nicht erleichtern. Denn schon nimmt der politische Druck auf die Führung der Staatsholding zu. "Derzeit wird keine Fluglinie in Europa attraktiver", warnte Gewerkschaftsboss Rudolf Hundstorfer am Mittwoch, "aber herschenken kann man die AUA auch nicht". Hundstorfer forderte stattdessen eine Verschiebung der Privatisierung. Andere Politiker forderten dagegen notfalls einen weiteren Alleingang der AUA. Der aber, so warnen Experten, sei nur möglich, wenn die Fluglinie auf die Hälfte ihrer bisherigen Größe schrumpft. Und das würde tausende der insgesamt 8000 Arbeitsplätze kosten. (kk/dpa)

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