Fluggesellschaft : Zeit für Begehrlichkeiten

Verdi will die Mitarbeiter am Rekordergebnis der Lufthansa beteiligen

J. Schäuble,R. Obertreis

Lufthansa hat die Forderung der Gewerkschaft Verdi nach Lohnerhöhungen um fast zehn Prozent als "völlig überzogen" bezeichnet. "Ein ordentliches Ergebnis rechtfertigt keine solch außerordentliche Forderung", sagte Personalvorstand Stefan Lauer am Freitag in Frankfurt am Main. Die Verdi-Tarifkommission für die größte deutsche Fluggesellschaft hatte am Vorabend eine Tarifforderung von 9,8 Prozent für 60 000 Beschäftigte beim Kabinenpersonal, den Bodendiensten sowie in der Verwaltung und den Sparten IT-Systems, Technik und Catering beschlossen. Angesichts des Rekordergebnisses im Vorjahr und guter Zahlen im ersten Quartal 2008 sei eine solche Entgeltsteigerung berechtigt.

Die Lufthansa argumentiert dagegen, ein Zehn-Prozent-Aufschlag passe weder in das diesjährige Tarifgeschehen in Deutschland, noch stehe sie in einem vertretbaren Verhältnis zum Ergebnis. So wären die Erfolge der vergangenen Jahre bei der Kostenreduzierung im Lufthansa-Konzern wieder gefährdet, sagte ein Sprecher. Angesichts des unverändert harten Wettbewerbs in der Luftfahrt und unsicherer Konjunkturaussichten würde eine zu hohe Tarifsteigerung die Lage einzelner Geschäftsfelder wie etwa der Catering-Sparte verschärfen.

Das Lufthansa-Betriebsergebnis stieg im ersten Quartal auf den Rekordwert von 188 Millionen Euro, nach nur 36 Millionen Euro ein Jahr zuvor. „Der Start ins Jahr 2008 ist uns hervorragend gelungen“, sagte Konzernchef Wolfgang Mayrhuber am Freitag. Für das gesamte Jahr peilt er mindestens das 2007er Rekordergebnis von rund 1,4 Milliarden Euro an. Die guten Zahlen überraschten, nachdem in den Tagen zuvor nicht nur US-Fluglinien, sondern auch europäische Gesellschaften über deutliche Verluste berichtet hatten. Die Aktie des Konzerns kletterte zeitweise um mehr als fünf Prozent.

Gestärkt von den guten Zahlen zu Beginn des Jahres erklärte Lufthansa, die Mehrheit an der britischen Fluggesellschaft British Midland (BMI) übernehmen zu wollen. Man sei „entschlossen“, die Option zum Erwerb der Mehrheitsanteile von BMI-Chef Michael Bishop auszuüben, sagte Finanzvorstand Stephan Gemkow. Der Konzern verfüge über Optionen, die ihm erlaubten, in absehbarer Zeit die Mehrheit an BMI zu erhalten. Die Fluggesellschaft gilt als besonders interessant, da sie über einen großen Teil der verfügbaren Landerechte auf dem Londoner Flughafen Heathrow verfügt. Lufthansa hält derzeit 30 Prozent minus eine Aktie an BMI. 50 Prozent plus eine Aktie gehören Bishop. Den Rest hält die skandinavische SAS. BMI, mit einer Flotte von rund 50 Flugzeugen und knapp 4900 Beschäftigten, ist Mitglied des von Lufthansa geführten Bündnisses Star Alliance.

Für Lufthansa zahlt sich die in der Branche beste Strategie zur Absicherung gegen steigende Kerosinpreise aus. Finanzvorstand Gemkow zufolge liegt der Konzern 20 Dollar pro Fass Öl besser als Wettbewerber, die sich gegen den Ölpreisanstieg nicht geschützt haben. Und davon gebe es sehr viele. Für das Gesamtjahr hat die Lufthansa mehr als 80 Prozent ihres Treibstoffbedarfes abgesichert, für 2009 bereits 35 Prozent. Im ersten Quartal lag der Aufwand für Kerosin dadurch um 131 Millionen Euro niedriger. Gleichwohl sind die Treibstoffausgaben deutlich von 752 Millionen auf 1,07 Milliarden Euro gestiegen.

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