Fluggesellschaften : Air Berlin startet Notprogramm

Die hohen Kerosinkosten belasten die Fluglinie Air Berlin. Nun werden Jets ausgemustert und Flüge gestrichen. Auch Arbeitsplätze werden abgebaut. Marktbeobachter bezweifeln jedoch, dass diese Maßnahmen ausreichen.

Juliane Schäuble
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Zu wenig Schub. Air Berlin kann nicht mehr die Turbinen aller Maschinen speisen. -Foto: ddp

Berlin - Es schien wie eine Blitz-Reaktion, doch der Schritt war länger geplant: Kurz nachdem die US-Investmentbank Morgan Stanley ihr Kursziel für Air Berlin von 4,00 auf 2,01 Euro halbierte und damit einen Kurssturz auslöste, veröffentlichte die Fluggesellschaft ihr bereits angekündigtes „Effizienzprogramm“. Wegen der hohen Treibstoffkosten will die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Maschinen ausmustern und Strecken streichen. Mit Beginn des Winterflugplans ab 1. November sollen 14 Kurz- und Mittelstreckenjets weniger eingesetzt werden als bisher geplant, wie das Unternehmen am Mittwoch in Berlin mitteilte. Den Markt überzeugten die Ankündigungen nicht: Die Aktie schloss mit mehr als acht Prozent im Minus bei 4,98 Euro, nachdem sie zwischenzeitlich um knapp 13 Prozent abgestürzt war. So niedrig hatte das im S-Dax kleinerer Werte geführte Papier noch nie zuvor notiert.

Insgesamt will Air Berlin die Kapazität um zehn Prozent kürzen, bei Langstrecken sogar um 30 Prozent. Dafür werden Verbindungen eingestellt, wie die erst im Mai aufgenommenen Flüge von Düsseldorf nach Peking und Schanghai. Die Strecke von Düsseldorf nach New York fällt ebenfalls weg. Dort hatte Lufthansa dem ehemaligen Billigflieger massiv Konkurrenz gemacht. Auch das übrige Langstreckenprogramm wird zusammengestrichen. Zudem soll die Verwaltung der 2006 übernommenen Billigtochter Dba in München aufgelöst werden. Für die verbliebenen 52 Beschäftigten werde ein Sozialplan erstellt, hieß es.

Mit dem Sparpaket solle ein Teil der Belastungen durch die stark gestiegenen Kerosinkosten aufgefangen werden. Da höhere Auslastungen das Ziel seien, bedeute dies nicht unbedingt, dass nun mit weniger Passagieren gerechnet werde, betonte Air-Berlin-Chef Joachim Hunold. Die Höhe der erwarteten Einsparungen wurde nicht beziffert. Die Kerosinzuschläge, die Kunden zum Ticketpreis zahlen müssen, hatte Air Berlin bereits für Buchungen seit Wochenbeginn angehoben – zum zweiten Mal in einem Monat.

Nach Angaben von Ende Mai rechnet Air Berlin für 2008 damit, dass die Treibstoffrechnung rund 80 Millionen Euro höher ausfallen dürfte als noch im März veranschlagt. Doch auch seit Ende Mai ist der Ölpreis, von dem der Kerosinpreis abhängt, nochmal gestiegen. Am Mittwoch kostete ein Fass (159 Liter) Öl in New York gut 132 Dollar.

Konkret sollen nun nur noch 120 Flugzeuge eingesetzt werden. Ausgemustert würden vor allem alte, spritfressende Jets. Reduziert werden Frequenzen etwa nach Kapstadt und Bangkok. Häufiger ansteuern will Air Berlin dagegen touristische Ziele und Strecken, die Geschäftsreisende nutzen, wie Florida oder Mexiko.

Marktbeobachter bezweifeln jedoch, dass das reicht. „Das hätte vielleicht in einem normalen Umfeld ausgereicht“, sagte Per-Ola Hellgren von der Landesbank Baden-Württemberg. Aber bei dem Rekordölpreis sei es zu wenig. Auch NordLB-Analystin Martina Noß zeigte sich skeptisch: „Die Pläne sind sinnvoll und notwendig.“ Doch für die derzeitige dramatische Lage reichten sie womöglich nicht aus. „Wir werden wohl noch weitere Sparmaßnahmen sehen.“ Fraglich sei zudem, ob Air Berlin wie geplant den Ferienflieger Condor kaufen könne.

Im Februar 2009 soll Air Berlin zunächst 75,1 Prozent der Condor-Anteile von Thomas Cook übernehmen, 2010 dann den Rest von Lufthansa. Dafür erhält der mehrheitlich zum Handelskonzern Arcandor gehörende Reiseveranstalter bis zu 29,9 Prozent Air-Berlin-Anteile. Ob dem der aktuelle Kurssturz gefällt, ist fraglich. Offiziell betonte Thomas-Cook-Sprecher Mathias Brandes, den Kauf, der derzeit vom Kartellamt geprüft wird, weiter voranzutreiben. „Wir verfolgen das weiterhin mit aller Kraft, denn wir sehen darin immer noch die beste Möglichkeit für Condor“, sagte er dem Tagesspiegel.

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