Fluggesellschaften : Air-France-KLM auf Expansionskurs

Trotz Dollarverfall und hoher Treibstoffpreise: Air France-KLM hat seine Rentabilität spürbar gesteigert. Jetzt soll fleißig zugekauft werden, möglicher Übernahmekandidat ist der italienische Flieger Alitalia - an dem auch die Lufthansa interessiert ist.

ParisDie Fluggesellschaft Air-France-KLM will die sprudelnden Gewinne nutzen, um ihre Flotte zu erneuern und Konkurrenten zu übernehmen. Für Angebote für Alitalia oder die spanische Iberia sei es noch zu früh, sagte Konzernchef Jean-Cyril Spinetta. Die Dossiers würden "weiter bewertet". Angesichts der Fusionen in Nordamerika und des aggressiven Wachstums der Fluggesellschaften der arabischen Golfstaaten sei "Konsolidierung eine Vorbereitung auf die Zukunft". Bis zum 15. Dezember will Italien den Kandidaten für die Alitalia-Übernahme benennen. Im Rennen ist auch die Lufthansa.

Den harten weltweiten Wettbewerb mit den Billigfliegern will Air France-KLM mit dem Einsatz spritsparender Flugzeuge bestehen. Bis 2012 wird der Konzern 112 Flugzeuge beziehen, darunter zwölf Airbus A380 und 19 Boeing 777, sagte Spinetta. "Der hohe Ölpreis bestimmt die Investition: Es geht vor allem um die Erneuerung der Flotte."

Schub für Aktienkurs

Im ersten Halbjahr des Finanzjahres 2007/08 steigerte der französische Luftfahrtkonzern den Überschuss um 86,2 Prozent auf 1,15 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis nahm um 16,4 Prozent auf 1,14 Milliarden Euro zu. Damit übertraf der Konzern die Markterwartung deutlich. Entsprechend optimistisch reagierte die Börse: Der Aktienkurs stieg zunächst um 8,6 Prozent und lag später mit 23,28 Euro noch bei 5,3 Prozent im Plus.

Der Halbjahresumsatz stieg trotz der Dollarschwäche um 4,2 Prozent auf 12,43 Milliarden Euro. Der hohe Gewinn ermöglichte den weiteren Abbau der Schulden um fast eine halbe Milliarde auf 3,11 Milliarden Euro und den Aufbau des Eigenkapitals um 1,2 auf 9,6 Milliarden Euro. Im zweiten Quartal beschleunigte sich der Aufwärtstrend und der Überschuss verdoppelte sich auf 736 Millionen Euro.

Abschied von der New Yorker Börse

Im Gesamtjahr will Air France-KLM die Kapitalrendite vor Steuern von 6,5 auf sieben Prozent steigern - trotz Streikkosten von 60 Millionen Euro. Die Rentabilität werde in den kommenden Jahren weiter zunehmen, sagte Spinetta. Der Markt wachse im Langstreckenbereich, und die Finanzmarktkrise hinterlasse keine Spuren bei den Buchungen. Im rasant expandierenden Asienverkehr stieg der Marktanteil des Konzerns in den vergangenen fünf Jahren von 29,3 auf 30 Prozent, während Lufthansa von 28,3 auf 25 Prozent und British Airways von 19 auf 18 Prozent abrutschten. In den kommenden drei Jahren will Air France-KLM die Asienkapazitäten weiter um acht Prozent ausbauen.

Den richtigen Riecher hatte Air France-KLM bei der Absicherung der Wechselkurse. Während die Ölpreise von 1999 bis 2007 von zehn auf knapp 100 Dollar je Fass zulegten, stiegen für den Konzern die Kosten nach Absicherung nur auf 40. Die Treibstoffaufschläge auf die Flugtickets orientieren sich aber am Marktpreis. "Das Hedging ist nur eine Versicherung", sagte Spinetta.

Wie andere europäische Konzerne will sich Air France-KLM von der New Yorker Börse NYSE zurückziehen. Die Entscheidung werde im Januar 2008 wirksam, sagte Spinetta. (mit dpa)

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