Wirtschaft : Fluggesellschaften: Börse belohnt British Airways

Die gescheiterten Fusionsverhandlungen mit British Airways haben der niederländischen Fluggesellschaft KLM einen schwarzen Freitag an der Börse beschert. Die KLM-Aktie brach im Tagesverlauf in Amsterdam mehr als 20 Prozent ein und war zwischenzeitlich nur noch rund 20 Euro (39,12 Mark) wert. Analysten äußerten sich enttäuscht über das Fusionsdebakel, das KLM in seinem Bemühen um einen starken Partner zurückwerfe. British Airways wurde an den Finanzmärkten hingegen belohnt: Die Aktien der Fluggesellschaft, die im Laufe der Fusionsverhandlungen rund ein Fünftel an Wert eingebüßt hatten, legten um zunächst fast sechs Prozent zu und pendelten sich dann bei einem Plus von knapp drei Prozent bei gut 300 Pence (9,77 Mark) ein.

Britische Analysten hatten Sorge, British Airways könnte im Zuge einer Fusion zu harten kartellrechtlichen Auflagen gezwungen werden und seinem niederländischen Wunschpartner zu weitreichende Zugeständnisse machen. Auch die nach einem Zusammenschluss erwartete Umstrukturierung zur Realisierung der angestrebten Einspareffekte wurde zwiespältig gesehen. An der Amsterdamer Börse herrschte am Freitag Pessimismus vor: "Der Markt ist furchtbar enttäuscht, weil es für KLM und deren Aktionäre eine gute Fusion gewesen wäre", sagte ein Analyst von SNS Securities. Die Anleger hätten auf ein British-Airways-Gebot von rund 40 Euro für ihre Aktien gehofft. "Diese Träume sind jetzt geplatzt."

Die Vorstände von British Airways und KLM hatten das Scheitern ihrer Fusionsverhandlungen am Donnerstagabend publik gemacht. In wichtigen Bereichen habe keine Übereinstimmung erzielt werden können. Beide Fluggesellschaften erklärten, sie wollten sich zur Festigung ihrer Marktposition nun weiter nach Partnern in Europa umsehen. British Airways und KLM hatten im Juni ihre mögliche Fusion zur größten europäischen Fluggesellschaft bekannt gegeben, nachdem eine erste Annäherung 1992 erfolglos geblieben war. "Für uns ist nicht alles aus, wir sind nur zurück am Start", erläuterte KLM-Chef Leo van Wijk. KLM werde "selbstverständlich einen anderen europäischen Partner finden, aber wohl kaum morgen". Van Wijk kündigte eine Entscheidung "in den nächsten zwei Jahren" an. Namen potenzieller Partner wollte er nicht nennen. Im niederländischen Fernsehen sagte van Wijk am Abend, KLM habe "keine Chance, als unabhängige Fluggesellschaft zu überleben", dies gelte aber auch für Lufthansa, Air France und British Airways.

0 Kommentare

Neuester Kommentar