Wirtschaft : Fluggesellschaften: Günstige Aussichten für Billig-Airlines

swi

Billig-Airlines sind im Aufwind: Experten sagen für dieses Jahr ein Passagierwachstum von 35 Prozent auf 19 Millionen Passagiere voraus. Der Umsatz soll auf 1,3 Milliarden US-Dollar steigen. Damit sind die Flugtickets zu Niedrigpreisen das am schnellsten wachsende Segment auf dem europäischen Airline-Markt. Von diesem Trend profitiert vor allem Marktführer Ryanair: "Die Aktie hat sich im Vergleich zu allen anderen Fluggesellschaften am besten entwickelt", urteilen die Analysten von Schroder Salomon Smith Barney in einer aktuellen Studie und stufen den Wert weiterhin als "Outperformer" ein.

Aber auch für die gesamte europäische Airline-Branche sind die Londoner Analysten positiv gestimmt: "Der Sektor lebt auf, die Umsatzerholung ist stärker als noch im vergangenen Jahr angenommen." In diesem Jahr erwarten die Experten einen Anstieg der operativen Einkünfte um 30 Prozent und im Jahr 2001 sogar um 50 Prozent. "Die Überkapazitäten der Jahre 1997 bis 1999 sind abgebaut. Der Atlantik-Markt ist so stark wie nie zuvor." Trotzdem gibt es einige dunkle Wolken am Himmel. Dazu gehören das Risiko eines "Hard-Landing" in den USA, der Nahostkonflikt und die Entwicklung des Ölpreises. Doch die Analysten glauben, dass diese Risiken bereits in den Kursen enthalten seien.

Für das kommende Jahr rechnen sie mit fallenden Ölpreisen. Außerdem seien Fluggesellschaften traditionell Spätzykliker, die erst mit Verzögerung vom Wirtschaftsaufschwung profitierten. "Auf lange Sicht waren Airline-Aktien nicht immer die beste Investition, aber es gab Zeiten, in denen sie für ein oder zwei Jahre den Markt übertroffen haben. Wir glauben, dass die Aktien nun am Anfang so einer Periode stehen", heißt es in der Studie.

Zum Favoriten der Analysten gehört die Lufthansa-Aktie, die als "Outperformer" bei mittlerem Risiko eingestuft wird. Das Kursziel beträgt 29 Euro. "Lufthansa ist der risikoärmste Weg, um sich in der Airline-Branche zu engagieren", heißt es. Die Gefahr werde gemindert durch die hohe Marktkapitalisierung, die Ölpreisabsicherung und die weniger schwankenden Einnahmen aus anderen Zweigen. Außerdem sei die Fluggesellschaft in vielen Bereichen Marktführer. Die Star Alliance, zu der die Lufthansa gehört, habe ihre leitende Position gefestigt und das Cargo-Geschäft profitiere von der Zusammenarbeit mit der Deutschen Post und DHL. Kritisiert wird von den Analysten allerdings die schlechte Entwicklung der Touristik-Tochter C & N.

Konkurrenz bekommen haben die etablierten Fluggesellschaften von Billig-Anbietern wie Ryanair. "Die Aktie bleibt unser Lieblingswachstumswert", sagen die Schroder-Analysten. Beflügelt worden sei der Kurs von übertroffenen Gewinnerwartungen, steigenden Margen, einer robusten Strategie und einem guten Management. Bereits jetzt würden 60 Prozent der Umsätze über das Internet gewonnen, was die Werbe- und Verkaufskosten deutlich reduziert habe. Da die Analysten auch weiterhin mit steigenden Kursen rechnen, raten sie zu einem Kauf bei kurzfristiger Schwäche durch Gewinnmitnahmen.

Als "Outperformer" werden von den Experten auch Air France und British Airways eingestuft, allerdings mit hohem Risiko. Die französische Fluggesellschaft habe sich zwar strategisch gut positioniert, aber das Gewinnwachstum sei zu langsam. Bei British Airways habe in der Vergangenheit Unsicherheit über Strategie und Management geherrscht, die nun ausgeräumt werden könnte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben