Fluggesellschaften : Vom Kurs abgekommen

Der hohe Ölpreis belastet auch die Fluggesellschaften. Die Aktie von Air Berlin befindet sich auf einem Allzeittief. Bei Austrian Airlines gibt es eine Gewinnwarnung.

Juliane Schäuble
Air_Berlin
Beliebt bei Passagieren, aber nicht mehr am Markt: Air Berlin. -Foto: vario-images

BerlinDer hohe Ölpreis setzt die Fluggesellschaften immer stärker unter Druck. Am Dienstag fiel die Air-Berlin-Aktie um fast sieben Prozent auf ihr Allzeittief von 6,27 Euro. Vor einem Jahr stand das Papier noch bei 17 Euro. Rekordölpreise von fast 140 Dollar pro Fass hatten die Fluggesellschaft zuletzt am Freitag stark unter Druck gesetzt. Jüngster Auslöser des Kursrutsches war nun eine Gewinnwarnung der angeschlagenen Austrian Airlines (AUA). Für 2008 werde mit einem Nettoverlust von 70 bis 90 Millionen Euro gerechnet, teilte die österreichische Fluglinie am Montagabend mit. Die Mehrkosten durch die hohen Kerosinpreise summierten sich im laufenden Jahr auf 130 Millionen Euro.

Die Schwierigkeiten der Österreicher seien nur der letzte Beweis dafür, wie sehr die Branche unter Druck sei, sagte Per-Ola Hellgren von der Landesbank Baden-Württemberg. „Bis vor einem Monat spielte der Ölpreis bei den Aktienkursen nur eine geringe Rolle. Aber jetzt sind die Preise auf einem Niveau, wo viele Fluggesellschaften aufgeben müssen.“ Das befürchte der Markt inzwischen auch bei Air Berlin. Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler sieht das Unternehmen im Abwärtstrend. „Auch Air Berlin ist ein Kandidat für Gewinnwarnungen.“ Das Ziel eines positiven Jahresergebnisses werde immer unwahrscheinlicher.

Die Probleme der AUA könnten indes der Lufthansa nutzen. Für die Deutschen ist besonders das Streckennetz nach Osteuropa interessant. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber hat bereits Interesse signalisiert. Am Dienstag bekräftigte Sprecherin Stefanie Stotz auf Anfrage, die Lufthansa sei bereit, sich die AUA anzuschauen. Dazu müsste diese aber auf die Lufthansa zukommen. „Bisher haben wir kein Angebot abgegeben“, betonte sie.

Bis vor kurzem wollte AUA-Vorstandschef Alfred Ötsch die nach Lufthansa und Air Berlin drittgrößte Fluglinie im deutschsprachigen Raum noch im Alleingang sanieren. Doch angesichts der aktuellen Lage schließt er nun einen Mehrheitsverkauf nicht mehr aus. Auch Österreichs Finanzminister Wilhelm Molterer nannte am Dienstag eine Stand-alone-Lösung für die AUA „eher unwahrscheinlich“. Der österreichische Staat hält knapp 43 Prozent an der Fluglinie, die 2007 fast 2,4 Milliarden Euro Umsatz und einen Gewinn von 3,3 Millionen Euro erwirtschaftete.

Dabei gilt die Lufthansa als wahrscheinlichster strategischer Käufer einer privatisierten AUA. Der deutsche Marktführer hat mit Swiss vorgemacht, wie eine angeschlagene Fluggesellschaft übernommen und erfolgreich saniert werden kann. Lufthansa und AUA kooperieren bereits im Rahmen des von der Lufthansa geführten Bündnisses „Star Alliance“.

Aber auch die russische Fluglinie Aeroflot hatte sich zuvor offen für Gespräche über einen Einstieg bei der Österreichern gezeigt. Daneben gilt Air France-KLM als ein weiterer potenzieller Interessent. Bei einer Lösung mit einem Wechsel des Luftfahrtbündnisses drohen AUA jedoch laut Branchenkreisen Kosten im dreistelligen Millionenbereich.

Der Vorstand der AUA wird nun zusammen mit dem Beratungsunternehmen Boston Consulting Group mögliche strategische Partnerschaften untersuchen. Erste Ergebnisse sollen bis Ende Juli vorliegen. Die österreichische „Kronen Zeitung“ berichtete am Dienstag, die Regierung werde nach Verhandlungen mit den geeignetsten Bündnispartnern „einen Privatisierungsauftrag beschließen“. Wahrscheinlich werde der Staat seinen Anteil auf 25 Prozent reduzieren. Eine AUA-Sprecherin wollte das auf Anfrage nicht kommentieren. Fraglich ist allerdings, ob sich die Lufthansa mit einer Minderheitsbeteiligung zufrieden gäbe.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben