Wirtschaft : Fluggesellschaften: Zu viele Airlines in Europa

Daniel Rhee-Piening

Schlechte Nachrichten von den internationalen Flugesellschaften ist man seit dem 11. September gewöhnt. Drastischer Personalabbau und Flugzeuge, die am Boden bleiben, sind die Regel. Doch es sind nicht allein die Terroranschläge und die folgenden Auseinandersetzungen mit den Versicherungen, die die Airlines in Turbulenzen gebracht haben. Sie waren der Anlass, um die Unternehmen einmal gründlich zu durchforsten. Auch bei der Swissair sind die Probleme nicht neu, und sie sind zu einem großen Teil hausgemacht. Ihre Lösung ist allerdings zu lange hinausgeschoben worden, und deshalb steht nun mit der Schweizer Airline eine der renommiertesten Fluggesellschaften, die erst im vergangenen Jahr ihren 75. Geburtstag gefeiert hat, vor dem Aus. Unglückliche Beteiligungen an verschiedenen europäischen Fluggesellschaften, zum Beispiel an der belgischen Sabena, haben viel Geld gekostet. Im Übrigen wirft der Fall Swissair die Frage auf, ob wir im heutigen Europa noch diese Vielzahl von Fluggesellschaften brauchen? Leben wir in Bananenrepubliken, die unbedingt ihre Landesfarben am Himmel sehen müssen? Fluggesellschaften, ob mehrheitlich in Staatsbesitz oder privatisiert, sind in Europa offenbar immer noch eine nationale Angelegenheit. Im Zweifel lassen sie sich die Finanzminister auch Geld kosten, denn schließlich geht es ums Prestige. Dabei wären solche Subventionen allenfalls dazu angebracht, den Prozess des Gesundschrumpfens in Europa sozialverträglich abzufedern. Denn was wir in Europa wirklich brauchen, sind doch nur eine Handvoll von Carriern, gerade genug für eine gesunde Konkurrenz und den zuverlässigen Transport von A nach B.

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