Wirtschaft : Flughäfen erheben Terror-Zuschlag

Passagiere müssen ab 2006 in Berlin „Sicherheitseuro“ zahlen / Neue Strecken nach Doha und Hongkong

Flora Wisdorff

Berlin - Der Geschäftsführer der Berliner Flughäfen, Dieter Johannsen-Roth, plant, ab Anfang kommenden Jahres einen „Sicherheitseuro“ für Flüge ab Berlin einzuführen. Denn ab Januar müssten die deutschen Flughäfen verschärfte Sicherheitsmaßnahmen gewährleisten – und dafür selber bezahlen, sagte er. In den Sicherheitsbereichen müssten dann nicht mehr nur die Passagiere, sondern auch die Mitarbeiter kontrolliert werden.

Hintergrund dafür sind Sicherheitsgesetze aus Brüssel. Sie schreiben auch vor, dass ab 2008 Passagiere, die von außerhalb der EU einreisen, den Passagieren aus der EU nicht mehr direkt begegnen dürfen. Deshalb müssen vor allem die Flughäfen mit Drehkreuz-Funktion ihre Terminals umbauen.

Die neuen Sicherheitsschleusen für die Mitarbeiter müsse die Flughafengesellschaft selbst bezahlen, argumentiert Johannsen-Roth. Und auch das Überwachungspersonal müsse ausgebildet und finanziert werden, sagte Johannsen-Roth. Diese Kosten hatte bisher das Innenministerium übernommen.

Andere Flughäfen wie Nürnberg und Köln/Bonn kündigten gegenüber dem Tagesspiegel ähnliche Maßnahmen an. In Frankfurt will man die Kosten an die Fluglinien weiterreichen, der Stuttgarter Flughafen erhebt bereits eine Gebühr von 97 Cent – die dba gibt sie dann an die Passagiere weiter. Berlin will den „Sicherheitseuro“ lieber direkt vom Passagier kassieren und getrennt auf dem Ticket ausweisen, anstatt die Kosten an die Fluggesellschaften weiterzugeben. „Der Passagier muss wissen, dass er einen höheren Preis für seine Sicherheit zahlt - dann sind auch die Chancen für die Akzeptanz höher.“

Die jüngsten Terroranschläge hätten sich bisher noch nicht auf das Passagierverhalten ausgewirkt, sagte Johannsen-Roth. „Bisher sind selbst unsere zahlreichen Flüge nach London weiter gut ausgelastet.“

Der Flughafenchef kündigte zudem neue Fernstrecken ab Berlin an. „Wir sind sehr guter Hoffnung, dass ab dem nächsten Jahr die Fluggesellschaft Oasis von Berlin nach Hongkong fliegen wird“, sagte Johannsen-Roth. Auch nach China, etwa nach Peking, werde es ab Mitte 2006 neue Verbindungen geben. In Gesprächen darüber sei man unter anderen mit Air China. Kurz vor einem Abschluss sei die Flughafengesellschaft mit Qatar Airways über einen Flug nach Doha. Auch über neue Strecken nach Indien führe man „intensive Gespräche". Die USA seien mit den beiden Direktverbindungen nach New York zurzeit genügend abgedeckt. „Das ist das, was wir uns im Augenblick idealerweise vorstellen können.“ Die Verbindungen seien im Schnitt zu 90 Prozent ausgelastet.

Die Billigflieger sieht Johannsen-Roth nur noch in den kommenden zwei Jahren als größten Wachstumsfaktor für die Berliner Flughäfen. „In den nächsten zwei Jahren kommt das meiste Wachstum für die Berliner Flughäfen noch von den Billigfliegern, aber im Vergleich zu den vergangenen Jahren in deutlich abgeschwächter Form“, sagte Johannsen-Roth.

In diesem Jahr rechnet er noch mit einem 40-prozentigen Wachstum im Low-Cost-Bereich, im kommenden Jahr dann nur noch mit einem Zuwachs von zwölf bis 15 Prozent. Im ersten Halbjahr sind 3,5 Millionen Passagiere Low-Cost geflogen, insgesamt gab es 7,9 Millionen Passagiere. Bis Ende des Jahres würden die Billigflieger die Hälfte des Geschäfts an den Flughäfen in Berlin ausmachen - dabei werde es dann auch 2006 bleiben.

Auch wegen der Billigflieger werde der Flughafen Schönefeld Ende 2007 die Gewinnschwelle erreichen, kündigte Johannsen-Roth an. „Wir sind auf erstaunlich gutem Wege dahin.“ Johannsen-Roth sieht die Berliner Flughäfen auch im Jahr 2006 als Jobmaschine für Berlin. „Im nächsten Jahr werden wir, wie auch in diesem Jahr, 1000 neue Jobs schaffen.“ Die Berliner Wirtschaft profitiere zudem von den neuen Verbindungen der Billigflieger erheblich, sagte der Flughafenchef.

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