Wirtschaft : Flughäfen platzen aus allen Nähten

Bis 2010 werden mindestens drei zusätzliche Startbahnen benötigt / Schließung der Berliner City-Airports vergrößert das Defizit MÜNCHEN (du-).Selbst bei moderaten Zuwachsraten werden im Jahr 2010 rund 2,2 Millionen Flugbewegungen und 178 Millionen Passagiere erwartet.Um das zu verkraften, benötigen die deutschen Flughäfen bis zu diesem Zeitpunkt mindestens drei bis vier neue Start- und Landebahnen.Um im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben, müssen die Airports außerdem rund um die Uhr in Betrieb sein.Diese Forderungen wurden auf einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion erhoben, die das Deutsche Verkehrsforum und die Deutsche Verkehrswissenschaftliche Gesellschaft am Donnerstagabend in München veranstalteten."Der Bau von Start- und Landebahnen darf in Deutschland kein Tabu mehr sein", forderte Peter Wolf vom Airport Research Center der Technischen Hochschule Aachen.Doch lediglich in Berlin-Schönefeld und Leipzig gebe es Neubauten, die jedoch nur alte Pisten ersetzen.Die geplante Schließung der vier Bahnen in Tegel und Tempelhof vergrößere das Defizit.Im Vergleich zu den globalen Allianzen der Luftverkehrsgesellschaften und der europäischen Kooperation der Luftfahrtindustrie habe die Flughafenentwicklung in Deutschland oft eher provinziellen Charakter, räumte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Norbert Lammert, ein.Dabei seien optimale Verkehrsinfrastrukturen von nationalem Interesse und die langfristige Entwicklung der Flughäfen längst überfällig.Schon heute exportiere Deutschland Passagiere ins benachbarte Ausland.Der Luftverkehr sei zusammen mit der Informationstechnologie "der Treibsatz der weltwirtschaftlichen Entwicklung".Die erwarteten Wachstumsraten wären nicht nur plausibel, sondern "ausdrücklich erwünscht".Allerdings sind die benötigten Investitionen in Höhe von über 20 Mrd.DM, so Lammert, nur durch privates Kapital aufzubringen.Der Hauptgeschäftsführer der Flughafen München GmbH (FMG), Willi Hermsen, forderte von der Politik ein verkürztes Planungsrecht ein.Die langen Genehmigungsverfahren verhinderten eine kurzfristige Bedarfsanpassungen der Kapazitäten.Flughäfen seien heute "extrem umweltfreundlich", argumentierte er, sie müßten gebaut, ausgebaut und rund um die Uhr betrieben werden.Gleichzeitig kündigte der FMG-Chef eine weitere Kooperation an: Nach dem entsprechenden Abkommen mit Stuttgart, Leipzig und München stehe nun eine internationale Partnerschaften an.Erste Gespräche mit dem Flugplatzbetreiber von Turin haben gestern stattgefunden."Ändert sich nichts, droht ein signifikanter Nachfrageüberhang und der wird dann ganz klar und logisch ins Ausland abwandern", sagte Lufthansa-Vorstandschef Jürgen Weber.Besonders gravierend ist die Situation in Frankfurt.Er betonte, die Schaffung eines integrierten Verkehrssystems Verknüpfungspunkten zwischen Auto, Bahn und Flugzeug sei eine der ganz großen Gemeinschaftsaufgaben der Zukunft.Ein Dirigismus, der durch Sondersteuern oder exzessive Fördermittel einseitig bestimmte Transportmittel begünstige, störe das Gleichgewicht und schaffe zusätzliche Kostenbelastungen.Voraussetzung eines wirklich freien Wettbewerbs sei ein Verbot jeglicher Subventionen für die Träger des Luftverkehrs.

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