Wirtschaft : Flughäfen sind zum begehrten Beteiligungsobjekt geworden

MARTINA OHM

BERLIN .Die Szenarien sind beeindruckend.Einschlägigen Prognosen zufolge wird sich das Passagieraufkommen in den nächsten 20 Jahren weltweit auf 2,6 Milliarden Fluggäste verdoppeln.In Deutschland soll das keine zwölf bis 15 Jahre dauern.Nicht weniger eindrucksvoll sind die Hochrechnungen für das Frachtgeschäft.Weltweit wird hier innerhalb von zehn Jahren mit einer Zunahme um 50 Prozent gerechnet.Für Deutschland erwartet man bis zum Jahr 2010 eine Verdoppelung.

Weltweit sind dafür Investitionen von bis zu 350 Mrd.Dollar erforderlich, schreibt etwa die Münchner Beratungsfirma Mercer Management Consulting unter Hinweis auf Analysen der Internationalen Luftverkehrsorganisation ICAO (International Civil Aviation Organization).

In Deutschland beträgt das erwartete Investitionsvolumen für die nationalen Flughäfen nach Schätzungen der Stuttgarter Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) etwa 25 Mrd.DM - und die Ausbaupläne für Berlin sind in dieser Rechnung noch gar nicht enthalten.Ob Madrid oder Zürich, ob Dresden oder Leipzig - überall wird ausgebaut.Kein Wunder, daß Flughäfen zum begehrten Beteiligungsobjekt geworden sind.Dabei wirkt das private Airport-Business wie ein Konjunkturprogramm: Es wirft gutes Geld ab und sorgt nicht zuletzt für neue Stellen.

Pro zusätzlicher Million Passagiere geht die Branche von etwa 1000 neuen Arbeitsplätzen aus, die unmittelbar geschaffen werden.Hinzu kommen noch die Stellen, die auf indirektem Wege geschaffen werden.Je nach Bedeutung des Standortes verdoppelt oder vervierfacht sich der Arbeitsbeschaffungseffekt.Für den neuen Berliner Großflughafen, der einmal einen Umsteigeanteil von etwa 30 Prozent erreichen soll, wird mit dem Zweieinhalbfachen - also mit weiteren 2500 indirekten Stellen gerechnet.Im übrigen dürfte ein Passagieraufkommen von 25 Millionen Flluggästen jährlich der Region Berlin/Brandenburg nach einschlägigen Berechnungen eine zusätzliche Kaufkraft von etwa zwei bis drei Mrd.DM bescheren.

Zwar gehören die meisten deutschen Flughäfen noch der öffentlichen Hand, doch glaubt Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann, daß bereits in wenigen Jahren kaum noch nennenswerte Mehrheitsbeteiligungen an Flughäfen in den Händen von Bund, Ländern und Gemeinden sein werden.Der Bund - insgesamt bei fünf der 16 internationalen Flughäfen beteiligt - ist fest entschlossen, sich von seinen Anteilen in Frankfurt, München, Hamburg und Köln/Bonn zu verabschieden.Bereits Anfang des Jahres wurde der Düsseldorfer Flughafen - nach der Brandkatastrophe auch in finanzieller Bedrängnis - teilprivatisiert.Zusammen mit dem irischen Partner Aer Rianta übernahm die Frankfurter Hochtief AG 50 Prozent (vgl.Tabelle Flughafenbeteiligungen).Den Rest behielt die Stadt Düsseldorf.Die privaten Investoren hoffen, mit ihrem Engagement noch so manche Ressource zu heben.Fachleute haben ausgerechnet, daß in privater Regie bei den Betriebskosten etwa 25 Prozent eingespart werden können.Ihre Renditeerwartungen liegen, zumindest langfristig, im Schnitt zwischen 15 und 20 Prozent - zum Teil auch darüber.

Zu den namhaften privaten Betreibern von Flughäfen zählen neben der British Airports Authority (BAA) die aus dem Lockheed-Konzern hervorgegangene US-Airport Group International.In Deutschland wird neben dem Baukonzern Hochtief, der mit einer eigenen Firma für das Flughafen-Betreibergeschäft in Erscheinung tritt, auch der Flughafen Frankfurt Main AG (FAG) als gewichtiger Mitspieler im Poker um die begehrte Betreiberrolle gehandelt.

Eine Rolle, die durch und durch entwicklungsfähig ist."Das, was Nike für Sportschuhe, Ikea für die Möbelindustrie und Federal Express für die Kurierdienste getan hat, leistet der Gewinner im Airport-Geschäft für die Flughäfen," heißt es in einer Studie von Mercer zum Global Airport Management.

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