Wirtschaft : Flughafen soll den Aufschwung bringen

Berliner IHK erwartet bei der Wachstumsrate eine Eins vor dem Komma / Keine zusätzlichen Arbeitsplätze

Alfons Frese

Berlin - Die Spitze der Berliner IHK hat ein „zartes Pflänzchen Aufschwung“ entdeckt. „Und der Aufschwung hat einen Namen – BBI“, hieß es am Montag bei der Vorstellung des Jahresberichts der Kammer. Die hiesige Wirtschaft „hat sich auf den Weg gemacht“, sagte Hauptgeschäftsführer Jan Eder. Zum ersten Mal seit zehn Jahren werde die Wachstumsrate in 2006 voraussichtlich eine Eins vor dem Komma haben. Kammerpräsident Eric Schweitzer betonte drei für Berlin höchst relevante Entscheidungen in jüngster Zeit. Neben dem Urteil zum Bau des Flughafens BBI seien das Votum der Politik für Berlin als Hauptsitz der Bahn und schließlich die angestrebte Übernahme von Schering durch Bayer von herausragender Bedeutung. Doch trotz der optimistischen Prognosen wird sich für die Arbeitslosen auch in diesem Jahr nicht viel ändern. „Wir erwarten keine signifikante Verbesserung“, sagte Eder. Dafür sei das Wachstum zu schwach.

Schweitzer kündigte gemeinsam mit der Handwerkskammer die Vorlage so genannter Wahlprüfsteine an, mit deren Hilfe im Vorfeld der Abgeordnetenhauswahl im September die Programmatik der Berliner Parteien gemessen werden soll. Schweitzer ließ indes durchblicken, dass er mit der Politik von Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) durchaus zufrieden ist. Beim Bürokratieabbau und bei der Konzentration der Wirtschaftsförderung unter dem Dach der Berlin Partner sei der Senat gut vorangekommen. Am Herzen liegt Schweitzer nach wie vor die Fusion der beiden Bundesländer. Eine Abstimmung darüber könnte 2009 stattfinden. Bis dahin sei „politischer Mut“ erforderlich, und mit der notwendigen Überzeugungsarbeit müsse bereits heute begonnen werden.

Zwei Drittel der in Berlin und Brandenburg ansässigen Unternehmen befürworten Schweizer zufolge den Zusammenschluss der Länder. In dem Zusammenhang begrüßte die Kammerspitze die Pläne zur Fusion der beiden Wirtschaftsförderungsgesellschaften im Jahr 2008. Auch die vier Kammern in der Region würden sich mittelfristig – Schweitzer sprach von fünf Jahren – zusammenschließen. Als ersten Schritt dahin wollen sie demnächst erstmals zeitgleich ihre Vollversammlungen wählen.

Obgleich die Wirtschaftsleistung in Berlin 2005 unter dem Niveau des Vorjahres blieb, zogen Eder und Schweizer eine positive Jahresbilanz. So erhöhte sich die Zahl der Kammermitglieder um knapp 18 000 auf 200 200. „Mit einem noch nie da gewesenen Aufwand“ hätten ferner IHK-Mitarbeiter Lehrstellen akquiriert. Dabei erhöhte sich die Zahl der Ausbildungsbetriebe (plus 200 auf 5725), aber nicht die Zahl der Ausbildungsplätze (minus 500 auf 11 500). Eder sprach von einer „ordentlichen Bilanz“. Inzwischen lasse die Nachfrage „stark“ nach, so habe es 2005 bereits zehn Prozent weniger Bewerber gegeben als 2004, dieser Trend werde sich „rasant“ fortsetzen. In absehbarer Zeit befürchte er einen Fachkräftemangel, sagte Eder, der neben den schulischen Defiziten auch über unzureichende Sekundärtugenden bei den jungen Leuten klagte.

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