Flughafenmesse : Sparsam auf der Startbahn

An den Flughäfen könnte die Luft bald sauberer werden. Ferngesteuerte Maschinen sollen künftig Jets über das Rollfeld ziehen.

Rainer W. During

München - Künftig sollen Flugzeuge nicht mehr mit eigener Triebwerkskraft zwischen Terminal und Startbahn rollen, sondern von einem Schlepper gezogen werden, den die Piloten aus dem Cockpit steuern. Mit dieser Methode, so die Initiatoren, ließen sich weltweit jährlich 6,3 Milliarden Dollar an Spritkosten und 16 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Emissionen einsparen.

Auf der Flughafenmesse Inter-Airport in München wurde das Projekt jetzt vorgestellt. Es stammt von Israel Aerospace Industries (IAE). Die Lufthansa-Sparte Engineering and Operational Services (LEOS) brachte ihr Know-how und einen Flugzeugschlepper ein, der zum Taxibot-Demonstrator umgebaut wurde. Der Name ist eine Abkürzung für Taxiing Roboter. Als Taxiing bezeichnet man das Rollen von Flugzeugen am Boden.

Gerade an den überlasteten Großflughäfen wird die Zeit zwischen dem Abrollen vom Gate und dem Start immer länger. Rund 37 Minuten sind es am New Yorker Kennedy-Airport, in Frankfurt am Main kam die Lufthansa 2008 immerhin auf 12,3 Minuten. Während eines durchschnittlichen Rollvorgangs verbraucht ein Jet laut IAE 1000 Liter Kerosin, verpestet die Luft und belästigt die Flughafenanwohner mit Lärm.

„Der Gedanke, die Flugzeuge daher mit den durch Fahrer gesteuerten Schleppfahrzeugen nicht nur vom Standplatz aufs Vorfeld zu schieben, sondern dann bis zur Startbahn zu ziehen, entstand bereits vor Jahrzehnten“, sagt LEOS-Geschäftsführer Andreas Rösler. Bisher scheiterte die Idee an zwei Problemen. Der Flugkapitän, der für Insassen und Jet verantwortlich ist, kann in den Schleppvorgang nicht eingreifen. Und wenn der Schlepper bremsen muss, wirkt die gesamte Masse des bis zu 560 Tonnen schweren Jets (A380) auf das Bugrad und kann es beschädigen.

Beide Knackpunkte wurden durch Taxibot gelöst. Der Fahrer sitzt nur noch für die Rückfahrt nach dem Abkoppeln des Flugzeugs im Fahrzeug. Bis dahin wird der Schlepper vom Piloten mit der Flugzeugsteuerung gelenkt und mit den Bremsen am Hauptfahrwerk gestoppt. Die Belastung des Bugfahrwerks bleibt minimal. Möglich wird das durch eine neue, von den Israelis erdachte Aufnahmeeinrichtung für das Bugfahrwerk am Schlepper.

Derzeit wird das Taxibot-Prinzip im britischen Dunsfold getestet. Anfang 2010 folgen Versuche mit einem A340 in Toulouse. Binnen zweier Jahre will man einen Prototypen bauen. Ende 2011 soll Taxibot in Serie gehen. Der Preis dürfte beim Drei- bis Vierfachen eines konventionellen, 500 000 Euro teuren Schleppers liegen, soll sich aber schnell amortisieren. Zu den ersten Flughäfen, die Interesse bekundet haben, gehört Leipzig/Halle. „Die Reduzierung von Kosten und Emissionen an den Flughäfen hat eine Schlüsselrolle bei der Steigerung der Öko-Effizienz unserer Branche“, sagt Christian Scherer, Airbus-Vizepräsident für Strategien und zukünftige Programme. Rainer W. During

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