Wirtschaft : Flughafenprivatisierung: Hamburg Fuhlsbüttel - Hochtief und Aer Rianta erhalten Zuschlag

beu

Seit geraumer Zeit verfolgt der Essener Baukonzern Hochtief den konsequenten Ausbau seiner Flughafenaktivitäten. Mit dem Zuschlag für den neuen Flughafens bei Athen haben die Essener 1996 hier einen Durchbruch erzielt. Im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft tritt Hochtief nicht nur als Bauherr sondern auch als Betreiber in Erscheinung. An der Athens International Airport S.A. hält der griechische Staat 55 Prozent, die Essener 45 Prozent. Im Frühjahr 2001 wird der neue Flughafen planmäßig eröffnet. Auch bei der Teilprivatisierung des Düsseldorfer Flughafens kam Hochtief 1998 zum Zuge. Nach dem Brand des Flughafens war das Land in finanzielle Bedrängnis gekommen und hatte seine 50prozentige Beteiligung zum Verkauf ausgeschrieben. Die andere Hälfte hat die Landeshauptstadt behalten. Weniger Glück hatte Hochtief bekanntlich bei der Bewerbung um Bau und Betrieb des geplanten Großflughafens in Schönefeld. Nach dem vorläufigen Zuschlag wurde das Konsortium wegen Verfahrensfehler vom Vergabeverfahren ausgeschlossen. mo Das Konsortium aus der Hochtief Airport GmbH, Essen, und der Aer Rianta International, Dublin, hat das Wettbieten um die Teilprivatisierung des Hamburger Flughafens gewonnen. In Abstimmung mit dem Bund als Mitgesellschafter der Flughafen Hamburg GmbH (FHH) hat der Hamburger Senat in einem bis zuletzt offenen Bieterverfahren zwischen Hochtief und Morrison in einem ersten Schritt dem Verkauf von 36 Prozent der Anteile an das Konsortium zu Preis von 540 Millionen Mark zugestimmt.

Damit stellt sich der Wert für den Hamburger Flughafen insgesamt auf 1,5 Milliarden Mark. Darüber hinaus wurden Optionen für den Verkauf weiterer 13 Prozent der Anteile in zwei Stufen bis zum Jahr 2007 vereinbart. Die Stadt Hamburg bleibt aber in jedem Fall mit 51 Prozent Mehrheitsgesellschafterin des Flughafens.

An der FHH war Hamburg bisher mit 64 Prozent, der Bund mit 26 Prozent, Schleswig-Holstein mit zehn Prozent beteiligt. Allerdings hatte die Regierung in Kiel ihren zehnprozentigen Anteil geparkt und bereits im Vorwege 65 Millionen Mark kassiert. Nach diesem Abschluss wird der Bund 390 Millionen Mark erhalten, Schleswig-Holstein weitere 85 Millionen Mark abzüglich der entstandenen Kosten. Hamburg als Verhandlungsführer kommt spätestens 2007 mit 195 Millionen Mark zum Zuge, stellt Hamburgs Erster Bürgermeister Ortwin Runde (SPD) klar.

Im Erwerberkonsortium sind die Hochtief-Tochter Hochtief Airport GmbH mit 80 Prozent, die Aer Rianta mit 20 Prozent vertreten. Hochtief-Vorstandsvorsitzender Hans-Peter Keitel erklärt dies damit, dass Aer Rianta mit dem irischen Staat als Anteilseigner bei Investitionen nicht so flexibel arbeiten kann wie ein Industrieunternehmen. Der Kaufpreis werde vom Konsortium von außerhalb aufgebracht und den Flughafen Hamburg mit seinem 700 Millionen Mark Investitionsplan nicht tangieren. Diese Investitionen trage das Konsortium mit.

Wie Hochtief-Vorstand Wolfhard Leichnitz erläuterte, bringt das Konsortium seine Erfahrung im Flughafenbetrieb- und -management ein. So ist Hochtief beim neuen Flughafen in Athen engagiert und hält zusammen mit Aer Rianta 50 Prozent der Anteile am Düsseldorfer Flughafen. Aer Rianta ist der Flughafenbetreiber der Republik Irland mit den drei Standorten Dublin, Cork und Shannon. Darüberhinaus ist das als aggressiv eingestufte Unternehmen am britischen Flughafen Birmingham sowie an Düsseldorf beteiligt. Im Konsortium ist Aer Rianta verantwortlich für das internationale Duty-Free- und Flughafen-Management-Geschäft.

Mit dem Einstieg in Hamburg hat sich das deutsch-irische Konsortium eine Beteiligung an einem der ertragstärksten Flughäfen gesichert. Der in der Bundesrepublik mit 9,5 Millionen Passagieren auf Platz fünf stehende Hamburger Flughafen hat 1999 einen Umsatz von 371 Millionen Mark und einen Vorsteuergewinn von 95,6 Millionen Mark ausgewiesen. Als Jahresüberschuss stehen 57,9 (46,2) Millionen Mark zur Verfügung. Dies entspricht einer Nettorendite von 15,6 Prozent. 29 Prozent der Umsätze werden im Bereich "Non Aviation" , das heißt mit dem auf dem Flughafen angesiedelten Einzelhandel und der Gastronomie, getätigt. Das von der FHH-Geschäftsführung mittelfristig angestrebte Ziel von einem Drittel der Umsätze aus "Non Aviation", wird, so scheint es, von Hochtief unterstützt. So sollen sollen die Einzelhandels- und Büroraumangebote zwar weiter ausgebaut, aber "kein Einkaufszentrum mit Abflugmöglichkeit" geschaffen werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar