Flughafenstreik : Eine Pause zum Nachdenken

Bis zum Wochenende entscheidet sich, ob der Arbeitskampf an den Berliner Flughäfen ausgeweitet oder beendet wird.

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Streikendes Bodenpersonal steht am Mittwoch vor dem Terminal des Flughafens Schönefeld.
Streikendes Bodenpersonal steht am Mittwoch vor dem Terminal des Flughafens Schönefeld.Foto: dpa

Der Arbeitskampf an den Berliner Flughäfen kommt in eine entscheidende Phase: Entweder gibt es in den kommenden Tagen eine Annäherung, oder der Konflikt wird nächste Woche eskalieren. Bis zum Wochenende aber kann wieder geflogen werden. Verdi legt eine Streikpause ein, „um den Arbeitgebern eine weitere Nachdenkpause zu gewähren“, wie Enrico Rümker, Verhandlungsführer der Gewerkschaft am Dienstag sagte.

Verdi und die 2000 Beschäftigten der Bodenverkehrsdienste warten auf eine verbessertes Angebot. Das legten die Arbeitgeber am Dienstag nicht vor, sondern wählten den Umweg einer Schlichtung. Die Positionen seien „so extrem weit auseinander, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt eine Schlichtung als einzigen Weg sehen, eine für beide Seiten vertretbare Lösung zu finden“. Verdi fordert für die Beschäftigten eine Stundenlohnerhöhung von durchschnittlich elf auf zwölf Euro, die Arbeitgeber haben bislang 27 Cent mehr geboten.

Aufseiten der Gewerkschaft wird nun diskutiert, was von dem Schlichtungsvorschlag zu halten ist. Am Mittwochmittag befasst sich die zuständige Tarifkommission mit der aktuellen Lage. „Das ist doch eine Finte“, heißt es bei Verdi über das Ansinnen der Arbeitgeber, die damit nur Dampf aus dem Arbeitskampf nehmen wollten. Es gibt zwischen den Tarifparteien keine Schlichtungsvereinbarung, die man nun anwenden könnte, aber womöglich wäre ein Mediator hilfreich, um die Parteien zusammenzuführen.

„Der Aufruf zur Schlichtung zeigt, dass die Arbeitgeber alles tun, um weitere Arbeitskämpfe zu verhindern und die Verhandlungen wieder auf einen konstruktiven Weg zu führen“, teilte das Forum der Bodenverkehrsdienstleister Berlin-Brandenburg mit, das die fünf betroffenen Unternehmen mit der Öffentlichkeitsarbeit rund um den Tarifkonflikt beauftragt hat. Bislang haben die Arbeitgeber ein Angebot in Höhe von acht Prozent bei einer Laufzeit des neuen Tarifs von drei Jahren gemacht.

Wenn der Streit weiter eskaliert, will Verdi Streiks nicht mehr ankündigen

Verdi will ungefähr zehn Prozent für einen einjährigen Vertrag und verweist auf entsprechende Tarifabschlüsse an anderen Flughäfen. So wurde in Stuttgart am Montag ein Kompromiss erreicht: „Ab dem 1. März wird für alle Beschäftigten ein Euro mehr pro Stunde bezahlt, das bedeutet eine Steigerung um rund zehn Prozent“, teilte die Gewerkschaft mit. In Frankfurt am Main fordert Verdi für die Beschäftigten des Bodendienstleisters Acciona 1,50 Euro mehr die Stunde; auch dort droht Streik, am heutigen Mittwoch wird wieder verhandelt.

Die Acciona war bis vor Kurzem auch in Berlin tätig, wurde jedoch angeblich hier von Marktführer Wisag mit Billigangeboten vom Markt gedrängt. Die Wisag beschäftigt rund die Hälfte der in Tegel und Schönefeld tätigen Bodendienstleister und versucht offenbar den Arbeitskampf zu nutzen, um bessere Verträge mit den Airlines auszuhandeln. Die uneinheitliche Position auf Arbeitgeberseite erschwert eine Lösung des Tarifkonflikts. Die Aeroground Berlin GmbH mit rund 600 Beschäftigten und AHS mit knapp 100 Leuten sind nach Angaben von Verdi deutlich stärker an einer baldigen Lösung interessiert als die Wisag.

Wenn der Streit weiter eskaliert, will Verdi die bisherige Ankündigungspraxis aufgeben; die vergangenen drei Streiktage waren jeweils rund 18 Stunden vor Beginn mitgeteilt worden. „Wenn Streikbrecher eingesetzt werden, ist es uns nicht mehr möglich, weitere Streiks vor Beginn anzukündigen“, erklärte Verdi-Verhandlungsführer Rümker am Dienstagnachmittag. Ursächlich dafür ist Ryanair. Der irische Billigflieger hat Verdi zufolge eigenes Personal eingeflogen, das ohne die sonst übliche Sicherheitsüberprüfung mit Tagesausweisen auf dem Schönefelder Vorfeld tätig ist.

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