Fluglinie : Ryanair will billig bleiben

Die Gesellschaft Ryanair nimmt künftig größere Flughäfen in ihr Streckennetz auf - trotzdem ist kein Strategiewechsel geplant. Den neuen Berliner BBI warnt der Ryanair-Chef vor höheren Gebühren.

Stephanie Kirchner
Ryanair-Chef Michael O’Leary ist für starke Töne bekannt. Jetzt kündigte er steigende Ticketpreise und besseren Service an. Gleichzeitig hält er am Billigkonzept fest.
Ryanair-Chef Michael O’Leary ist für starke Töne bekannt. Jetzt kündigte er steigende Ticketpreise und besseren Service an....Foto: dpa

Berlin - Die Billigfluglinie Ryanair will in Zukunft auch größere Flughäfen anfliegen. Berichte vom Wochenende über einen bevorstehenden Strategiewechsel weg vom Niedrigpreis-Konzept wies Ryanair-Sprecherin Henrike Schmidt am Montag allerdings zurück. „Wir werden nicht Lufthansa werden, unser Konzept funktioniert sehr gut.“ Auslöser der Presseberichte war ein Interview, das Ryanair-Chef Michael O’Leary der Agentur Bloomberg gegeben hatte, in dem er besseren Service und steigende Ticketpreise angekündigt hatte.

Laut dem Magazin „Wirtschaftswoche“ hatte O’Leary zudem damit gedroht, den neuen Airport Berlin-Brandenburg nicht mehr anzufliegen, falls die Flughafengebühren sich von zehn auf 26 Euro erhöhen würden. Ryanair-Sprecherin Schmidt sagte dazu, man wolle sich zu laufenden Verhandlungen nicht äußern. Nur eins könne man sagen: „Wenn die Kostenstruktur so durchgesetzt wird wie geplant, dann wird das für uns Konsequenzen haben.“ Man rechne im Fall von Preissteigerungen mit sinkenden Buchungszahlen.

Am Flughafen Berlin Brandenburg reagiert man gelassen auf O’ Learys Ankündigung. Dies seien „ganz normale Drohgebärden, wie wir sie bereits kennen“, sagte BBI-Sprecher Ralf Kunkel auf Anfrage. Der Ryanair-Chef sei schon in der Vergangenheit durch deutliche Worte aufgefallen. Die Zahlen weist Kunkel als „reine Spekulation“ zurück. Man werde in den nächsten Wochen die Rahmenbedingungen für Airlines festlegen. Dabei solle es für jede Fluglinie „ein maßgeschneidertes Angebot“ geben. So sei zum Beispiel ein spezieller Terminal für Billigfluglinien geplant, der im Gegensatz zu den Hauptterminals nicht über Laufbänder oder eine Fluggastbrücke verfügen wird.

Seit September fliegt Ryanair auch die Flughäfen Madrid und Barcelona El Prat an. Dies bedeute jedoch keine Abkehr von kleineren Flughäfen, sagt Sprecherin Schmidt. Die etwa 100 Kilometer von Barcelona entfernt liegenden Flughäfen Girona und Reus sollten weiterhin angeflogen werden. Im Moment stehe man mit mehreren größeren Flughäfen in Verhandlung. Entscheidend dabei sei, ob diese mit den für Billigflieger notwendigen extrem kurzen Zeiten zwischen Landung und Abflug zurechtkämen: „Flughäfen wie Frankfurt oder Heathrow werden von uns nie angeflogen werden können, da sie unsere Turn-Around-Zeiten nicht umsetzen können“, erklärte Schmidt. Sie ist sich jedoch sicher, dass die Verhandlungen mit einigen größeren Flughäfen erfolgreich verlaufen werden. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten versuchten immer mehr größere Flughäfen, Billig-Airlines anzuwerben und seien eher bereit, den Bedürfnissen der Fluglinien entgegenzukommen.

Johannes Braun, Luftfahrtanalyst der Commerzbank, sieht in der Entscheidung der Fluglinie, größere Flughäfen in ihr Netz einzubeziehen, eine Reaktion auf die Sättigung des Marktes. „Nachfragestimulierung durch niedrige Preise funktioniert irgendwann nicht mehr.“ Zuletzt lagen die Ticketpreise bei Ryanair im Durchschnitt bei 35 Euro, das sind nach Konzernangaben 13 Prozent weniger als im Vorjahr.

Statt auf Wachstum und niedrige Preise setzt Ryanair nach Ansicht von Braun nun auf profitablere Routen. Das Wachstum der Fluggesellschaft, das im Moment im zweistelligen Bereich liege, werde sich auf einen mittleren einstelligen Prozentsatz einpendeln, prognostiziert der Analyst.

Auch die ab Januar geltende Luftverkehrsabgabe dürfte weitere Preissenkungen schwierig machen. Flüge innerhalb von Deutschland und Europa werden dann mit acht Euro pro Passagier besteuert. Diese Kosten werden laut Ryanair-Sprecherin Schmidt im Regelfall direkt auf den Kunden umgelegt.

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