Flugreisen : Das Handgepäck soll kleiner werden

Flug-Passagiere sollen künftig noch weniger Gepäck mit an Bord nehmen dürfen, fordert der Airline-Verband IATA. Experten fürchten, die Airlines wollen so ihre Einnahmen steigern.

Das Gepäck, das Passagiere mit ins Flugzeug nehmen dürfen, wird kleiner.
Das Gepäck, das Passagiere mit ins Flugzeug nehmen dürfen, wird kleiner.Foto: dpa-tmn

Ärger ums Handgepäck gehört zum Fliegen wie schmale Sitze und Tomatensaft. Kleinliches Nachmessen, übervolle Gepäckfächer oder Streit um zerknitterte Jacken kennt wohl fast jeder Passagier. Und jetzt hat der internationale Airline-Verband IATA noch einen draufgesetzt und seine Größen-Empfehlung für das in der Kabine erlaubte Handgepäck drastisch reduziert. Fast 40 Prozent weniger als bislang passt in die neuen Koffer mit dem Label „IATA Cabin OK“, die in dieser Woche auf der IATA-Weltjahrestagung in Miami vorgestellt wurden.

Obwohl die Vorgaben für die Airlines nicht verbindlich sind, werden sich die Passagiere wohl über kurz oder lang beim Handgepäck einschränken müssen. Große internationale Gesellschaften wie Lufthansa, Emirates und Qatar sollen laut IATA schon signalisiert haben, das neue Level zu akzeptieren. Als Grund für die kleineren Koffer nennt der Verband zunehmende Schwierigkeiten, sämtliches Handgepäck aller Passagiere in der Kabine unterzubringen. Mit den neuen Vorgaben könne das Boarding schneller werden. In den kommenden Wochen werden viele weitere Airlines folgen, berichtet der IATA-Offizielle Tom Windmuller. Lufthansa und Air Berlin haben nach Angaben ihrer Pressestellen allerdings noch nicht definitiv entschieden, ob sie die neuen Höchstmaße von 55x35x20 Zentimeter anwenden.

Wollen die Fluggesellschaft zusätzliche Einnahmen generieren?

„Grundsätzlich machen solche Standards ja schon Sinn, aber der Zeitpunkt macht einen stutzig“, sagt Reiserechtler Ronald Schmid, Sprecher des Fluggastportals FairPlane. Er vermutet kommerzielle Interessen hinter den Beschränkungen, die für die Fluggesellschaften zu zusätzlichen Einnahmen etwa für aufgegebenes Gepäck führen sollen. Die einstmals angebotene Dienstleistung eines Fluges werde entkernt und jedes Extra wird mit Zusatzgebühren belegt.


Tatsächlich bieten immer mehr Airlines Tarife an, die kein Freigepäck mehr beinhalten. Air Berlin verkauft seit Mai solche Tickets und die Lufthansa will ihren entsprechenden Light-Tarif in diesem Oktober einführen. Das billigste Ticket beinhaltet nicht mehr wie gewohnt das Recht, einen 20-Kilo-Koffer aufzugeben. Der sparsame Ferienflieger wird in der Folge wie heute schon der eilige Geschäftsmann versuchen, möglichst sein gesamtes Gepäck mit in die Kabine zu nehmen. Die Koffer-Hersteller können sich dagegen auf eine kleine Sonderkonjunktur freuen. „Wenn es so weit ist, werden wir sicher reagieren“, sagt etwa die Sprecherin des Kölner Herstellers Rimowa. dpa

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