Flugschau : ILA droht Abflug aus der Region

Mit der Eröffnung des Großflughafens BBI im Herbst 2011 ist an dem Standort kein Platz mehr für die alle zwei Jahre stattfindende Luftfahrtmesse, die vor 82 Jahren erstmals in Berlin eröffnet wurde. Das Problem ist nur: Es gibt keinen neuen Standort.

Berlin - Sicher ist: Wenn am 13. Juni der letzte Besucher der diesjährigen Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA das Gelände am südlichen Teil des Flughafens Schönefeld verlässt, wird es ein Abschied für immer sein. Mit der Eröffnung des Großflughafens im Herbst 2011 ist an dem Standort kein Platz mehr für die alle zwei Jahre stattfindende Luftfahrtmesse, die vor 82 Jahren erstmals in Berlin eröffnet wurde. Das Problem ist nur: Es gibt keinen neuen Standort.

Der Veranstalter, der Bundesverband der Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), lancierte jetzt, dass er bereits außerhalb der Hauptstadtregion sucht – er habe mit den Messestädten Leipzig, Frankfurt am Main, Hannover und Köln Kontakt aufgenommen, berichtete der „Spiegel“. Die Messe- und Flughafenbetreiber in Köln seien die Favoriten. Der Bericht könnte ein Bluff des BDLI sein, um den Druck auf Berlin und Brandenburg zu erhöhen. Das zumindest ist gelungen: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD) wollen sich Ende dieser Woche persönlich treffen, um über die ILA 2012 zu beraten.

Die beiden haben ein Gelände der Ortschaft Selchow westlich von Schönefeld im Blick. Dort sind aber noch eigentumsrechtliche Fragen offen. Zudem müssten die Länder Schätzungen zufolge rund 60 Millionen Euro für die Erschließung auftreiben. Brandenburgs Wirtschaftssenator Ralf Christoffers (Linke) sagte gestern in Berlin: „Wir werden alles tun, die ILA hier zu halten.“ Er machte klar, dass eine Entscheidung noch innerhalb dieses Monats fallen muss. Zugleich bezweifelte er aber, dass eine andere Region so viel Geld in die Hand nehmen werde, um die ILA in die Region zu locken.

Auch für die rund 60 regionalen Unternehmen der Luft- und Raumfahrtbranche ist die ILA an diesem Standort von großer Bedeutung. Ein Branchenkenner wies gegenüber dem Tagesspiegel darauf hin, dass ein großer Teil des Luftfahrtgeschäftes militärischer Natur sei. Um dieses zu entwickeln, brauche man den Zugang zur Politik. Der sei in der deutschen Hauptstadt natürlich besonders leicht zu bekommen, auch international.

Die Berliner Flughafengesellschaft hält die Messe für einen wichtigen Werbeträger und ein bedeutendes Schaufenster der regionalen Wirtschaft. Deshalb würde man an einer konstruktiven Lösung mitarbeiten, erklärte deren Sprecher Ralf Kunkel. apz/kph/mho

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