Flugsteuer : Air Berlin muss sparen

Wegen der neuen Flugsteuer will die Fluggesellschaft Air Berlin Flieger ausmustern und prüft den Abbau von Jobs.

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Loch im Budget. Air Berlin fürchtet Ausfälle von bis zu 170 Millionen Euro. Foto: dpa
Loch im Budget. Air Berlin fürchtet Ausfälle von bis zu 170 Millionen Euro. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin legt ein neues Sparprogramm auf und reagiert damit auf zu erwartende Belastungen aus der neuen Luftverkehrsabgabe, die ab Januar erhoben wird. Die Einführung der Steuer werde im kommenden Jahr einen negativen Effekt auf das Unternehmen von 160 Millionen bis 170 Millionen Euro haben, sagte Air-Berlin-Chef Joachim Hunold am Donnerstag. Daher werde seine Gesellschaft ihre Kapazitäten um rund fünf Prozent reduzieren. Das kommt der Stilllegung von sieben Maschinen gleich. Ursprünglich hatte Air Berlin 2011 seine Kapazitäten sogar aufstocken wollen.

Dieses „Effizienzprogramm“ wird intern den Namen „Accelerate 2012“ tragen, was man mit „beschleunigen“ übersetzen kann. Es soll an die bestehenden Sparaktivitäten anknüpfen und neue Initiativen bündeln, hieß es. Neben dem Verkauf von Maschinen will Air Berlin die seit 2007 betriebene Übernahme der Fluggesellschaft LTU abschließen. Da gebe es vor allem bei den Wartungsbetrieben noch Doppelstrukturen, die abgebaut werden müssten. Hunold nannte als Beispiel Air Berlins wichtigste Basis in Düsseldorf. Bis zum 1. April sollen die derzeit drei existierenden Technikbetriebe im Konzern zusammengelegt sein. Man führe derzeit gute Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern und setzte auf natürliche Fluktuation von Mitarbeitern. Den Abbau von Arbeitsplätzen in der Technik schloss Hunold aber nicht aus.

Air Berlin war im Sommer dem Luftfahrtbündnis One World beigetreten, dem Konkurrenzverbund zur Star Alliance, in dem die Lufthansa Mitglied ist. Air Berlin wird künftig also mehr Langstreckenflüge anbieten – allein oder in Kooperation mit One-World-Partnern wie American Airlines, British Airways oder Qantas. Dieses Projekt wird von den Sparmaßnahmen ausgenommen. So will das Unternehmen trotz des Verkaufs einiger Maschinen keine der 15 bestellten neuen Boeing-Flieger vom Typ 787 („Dreamliner“) zurücknehmen.

Auf unrentablen Kurzstrecken, vor allem bei Inlandsflügen, die doppelt von der neuen Luftverkehrsabgabe getroffen werden, dürfte es Einschnitte geben – bis hin zu Streckenstreichungen. Das Unternehmen versucht, die Belastungen von bis zu 170 Euro auf rentablen Strecken wieder reinzuholen. „Strecken, die am wenigsten elastisch sind, werden wir aussortieren“, sagte Hunold. Welche Strecken das betreffen könnte, sagte er indes nicht.

Das Jahr hatte für Air Berlin, wie für alle europäischen Airlines, sehr schwierig begonnen: Der Winter zog sich sehr lange hin – mit entsprechenden Ausfällen. Im Frühjahr ordneten Luftsicherheitsbehörden infolge des Ausbruchs des Vulkans unter dem isländischen Gletscher Eyjafjallajökull mehrtägige Flugverbote an. Diese Ereignisse belasteten die bisherigen Quartalsergebnisse von Air Berlin und wirkten sich auch auf das Touristikgeschäft im Sommer aus, in dem die Gesellschaft traditionell stärker ist als im Geschäftsreiseverkehr.

Im dritten Quartal aber zog das Geschäft wieder an. Air Berlin erwirtschaftete einen operativen Gewinn (Ebit) von 171,7 Millionen Euro, das waren 13,6 Prozent mehr als im dritten Quartal des Vorjahres. Der Umsatz legte innerhalb eines Jahres um fünf Prozent auf 1,241 Milliarden Euro zu. Die Ergebnisse beinhalten die Zahlen der zuletzt gekauften Fluglinien von Tuifly und Niki.

Für das Gesamtjahr 2010 rechnet die Fluggesellschaft mit einem Anstieg von Umsatz und operativem Gewinn. Dazu beitragen sollen die Einmalerträge aus dem Verkauf von Flugzeugen und die Erstkonsolidierung von Niki. Unter dem Strich wird allerdings 2010 erneut kein Plus stehen. Das negative Finanzergebnis wird nach Aussagen des Finanzvorstands Ulf Hüttmeyer zu einem Nettoverlust führen. Für das kommende Jahr bleibt die Gesellschaft trotz des günstigen Konjunkturverlaufes „vorsichtig“, wie Hunold sagte. „Nach meiner Einschätzung wird es wegen des harten Wettbewerbes auf einigen Strecken nicht möglich sein, die Luftverkehrssteuer voll an die Kunden weiterzugeben.“

Bei Analysten kamen Hunolds Pläne gut an. UniCredit zeigt sich von dem Sparprogramm angetan, wie die Nachrichtenagentur dapd berichtete. Die BHF Bank bezeichnete die Reduzierung der Flotte und die Konzentration auf die profitablen Flugverbindungen als besten Weg zur Erhöhung der Profitabilität. Der Kurs der Aktie fiel am Donnerstag in einem freundlichen Marktumfeld gleichwohl um knapp 0,7 Prozent auf 3,88 Euro.

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