Flugunternehmen : Noch ein Großinvestor für Air Berlin

Das türkische Familienunternehmen Esas übernimmt 15 Prozent der Anteile an der Fluglinie. Erst am Freitag hatte Air Berlin mit der Londoner Tui-Reisetochter Tui Travel einen weiteren neuen Großaktionär an Bord geholt.

Maren Peters

Berlin - Air Berlin bekommt einen weiteren neuen Großaktionär. Die türkische Esas Holding, die unter anderem die Fluglinie Pegasus betreibt, werde etwa 15 Prozent der stimmberechtigten Anteile an Air Berlin übernehmen, teilte die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft am Sonntagnachmittag mit. Die Anteile hat Esas von der Schweizer Großbank UBS übernommen. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Einstieg“, sagte Air-Berlin-Sprecher Hans-Christoph Noack am Sonntag auf Anfrage. Das türkische Unternehmen sei hoch seriös.

Erst am Freitag hatte Air Berlin einen weiteren neuen Großaktionär an Bord geholt. Die Londoner Tui-Reisetochter Tui Travel wird bis zu 20 Prozent an den Berlinern übernehmen. Im Gegenzug übernimmt Air Berlin die Städteverbindungen des Ferienfliegers Tuifly und beteiligt sich ebenfalls mit bis zu 20 Prozent an der Tui-Tochter, wie beide Unternehmen am Samstag bekannt gegeben hatten. Air-Berlin-Chef Joachim Hunold erklärte, sein Unternehmen gewinne durch die Allianz den Zugang zu wirtschaftlich interessanten Märkten und baue sein europäisches und innerdeutsches Streckennetz aus.

Einen weiteren Ausbau zusammen mit dem neuen türkischen Großaktionär Esas schloss Air Berlin nicht aus. „Bei den Strecken in die Türkei und von der Türkei ist noch Luft“, sagte Unternehmenssprecher Noack. In absehbarer Zeit gebe es allerdings keine strategischen Änderungen.

Esas ist nach Angaben von Air Berlin einer der großen Industrie- und Finanzgruppen der Türkei. Die Holding setzte im vergangenen Jahr umgerechnet 496 Millionen Euro um und beschäftigt 3300 Mitarbeiter. „Eine Art türkischer Dr. Oetker“, sagte Noack. Ein Blick auf die Homepage zeigt die vielfältigen Verzweigungen des Familienunternehmens: Abgesehen von Flügen macht die Familie Sabanci unter anderem Geschäfte mit Banken, Elektrogeräten und Lebensmitteln.

Seit etwa eineinhalb Jahren habe es bereits „lose Kontakte“ zu dem Unternehmen gegeben, heißt es bei Air Berlin, der Einstieg sei aber überraschend gekommen. Über die UBS haben die Türken indirekt fast alle Anteile des russischstämmigen US-Milliardärs Leonhard Blawatnik übernommen. Der Besitzer des Chemiekonzerns Lyondell Basell hatte im Januar seinen Air-Berlin-Anteil von 18,94 Prozent verkauft.

Die Esas-Gruppe wird nach Angaben von Air Berlin künftig einen Vertreter in den Aufsichtsrat des Berliner Unternehmens entsenden – vorausgesetzt, das Kartellamt hat keine Einwände gegen den neuen Miteigentümer. Air Berlin erwartet diesbezüglich „keine relevanten Probleme“, wie Unternehmenssprecher Noack sagte. Er rechnet in einigen Wochen mit der Entscheidung. Auch der Kooperation mit Tuifly müssen die Wettbewerbshüter noch zustimmen.

Air Berlin hat in den vergangenen zwölf Monaten mehr als die Hälfte seines Börsenwertes verloren und wurde am Freitag in Frankfurt mit 3,08 Euro gehandelt. An die Börse gekommen waren die Aktien im Jahr 2006 noch zum Emissionspreis von zwölf Euro. Maren Peters

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