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Flugverkehr : Air Berlin macht Bestellung von 33 Boeing-Flugzeugen rückgängig

Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin hat die Bestellung von 33 Flugzeugen beim US-Flugzeugbauer Boeing rückgängig gemacht. Der Finanzchef sagt, er wolle Kapitalkosten senken.

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Flotten-Anpassung in kleinerem Umfang: Air Berlin will deutlich weniger neue Flugzeuge. Foto: Reuters
Flotten-Anpassung in kleinerem Umfang: Air Berlin will deutlich weniger neue Flugzeuge.Foto: Reuters

Air Berlin hat eine milliardenschwere Bestellung beim US-Flugzeugbauer Boeing rückgängig gemacht. Die Lieferverträge für 33 Flugzeuge zu einem Listenpreis von rund fünf Milliarden Dollar (3,9 Milliarden Euro) würden aufgehoben, teilte Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft am Freitag kurz vor Börsenschluss mit. Der tatsächlich vereinbarte Kaufpreis dürfte allerdings deutlich niedriger liegen. Die Aufhebungsvereinbarung sehe keine Ausgleichzahlungen von Air Berlin an Boeing vor, hieß es.

„Der Verzicht auf die Anschaffung der bestellten 33 Flugzeuge wird den künftigen Kapitalaufwand von Air Berlin erheblich reduzieren und unsere Bilanzstruktur verbessern“, sagte Finanzchef Ulf Hüttmeyer. Die Zusammenarbeit mit Boeing werde auch nach der Abbestellung „hervorragend“ bleiben. Anleger reagierten erfreut auf die Mitteilung: Der Aktienkurs schoss binnen Minuten um knapp 7,5 Prozent hoch und ging bei 1,37 Euro ins Wochenende.

Anleger folgten also der Deutung Hüttmeyers, wonach die Stornierung vor allem eine Entlastung ist. Die 18 nun abbestellten Maschinen vom Typ 737 für die Kurz- und Mittelstrecke und die 15 vom Typ 787 „Dreamliner“ für die Langstrecke waren aber vor Jahren als wichtige Zukunftsinvestition getätigt worden – die nun offenbar nicht mehr nötig ist. Heute verfügt Air Berlin im Vergleich mit den europäischen Wettbewerbern – auch mit der Lufthansa – über eine der jüngsten und sparsamsten Flotten. Und künftig?

Vor gut drei Jahren hatte Etihad Airways, die Staatsfluglinie der Vereinigen Arabischen Emirate, gut 29 Prozent der Anteile von Air Berlin gekauft. Die Scheichs pumpten seither insgesamt rund 800 Millionen Euro in das Berliner Unternehmen. Sie investierten auch in die Kabine, damit Air Berlin zu dem höheren Standard der arabischen Partnerairline aufschließen kann. Zugleich musste Air Berlin aber die Langstrecken nach Fernost streichen und befördert seine Gäste nun nur noch bis zum Etihad-Drehkreuz nach Abu Dhabi. Derzeit prüft das Bundeswirtschaftsministerium, ob das Berliner Management tatsächlich noch das Sagen bei Air Berlin hat – oder das in Abu Dhabi.

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