Flugzeugbau : Airbus wird seine Werke nicht los

Der Verkauf der deutschen Standorte an OHB ist gescheitert. Andere Interessenten sind nicht in Sicht.

Juliane Schäuble
Airbus Foto: ddp
Viel Arbeit. Die Auftragsbücher des europäischen Flugzeugbauers, der auch in Hamburg-Finkenwerder produziert, sind voll. -Foto: ddp

Berlin - Die Zukunft der deutschen Airbus- und EADS-Werke und ihrer 6800 Beschäftigten ist wieder offen. Die Verhandlungen mit dem Bremer Raumfahrtkonzern OHB und dem Finanzinvestor Cerberus über den Verkauf der Standorte Varel, Nordenham und Augsburg seien beendet worden, heißt es in einem Schreiben von Airbus-Chef Thomas Enders an seine Mitarbeiter vom Donnerstag, das dem Tagesspiegel vorliegt. „Trotz intensiver Diskussionen während der letzten drei Monate bis gestern Abend war es nicht möglich, eine industriell und finanziell akzeptable Lösung zu finden.“ Gleichzeitig bekräftigte der Chef des Flugzeugbauers, grundsätzlich an den Verkaufsplänen festzuhalten: „Unsere Entscheidung ist nicht umkehrbar.“ Während die Bundesregierung das Scheitern bedauerte, sprach sich die Gewerkschaft IG Metall gegen die Fortführung der Verhandlungen aus.

Der Flugzeugbau- und Rüstungskonzern EADS hatte sich im Dezember 2007 – auch auf Druck aus Berlin – für eine deutsche Lösung für die zum Verkauf stehenden Werke entschieden. OHB erhielt den Zuschlag, ein Abschluss sollte bis zum Sommer erzielt werden. Die Finanzmarktkrise und der im Verhältnis zum Euro schwache Dollar hätten aber die Verhandlungen belastet, sagte Airbus-Sprecher Stefan Schaffrath dieser Zeitung. „Zum Start des Verkaufsprozesses lag der Dollarkurs bei 1,35.“ Als OHB zum bevorzugten Bieter ausgewählt wurde, habe er bei 1,50 gelegen. „Jetzt steht er bei 1,60 Dollar. Die rasante Entwicklung war ausschlaggebend.“ Flugzeuge werden in Dollar verkauft, Airbus produziert aber vorwiegend im Euro-Raum. EADS muss daher und wegen Verzögerungen beim Superjumbo A 380 Milliarden einsparen.

Die Gespräche über einen Teilverkauf des britischen Werkes Filton, sowie die Partnersuche für Meaulte und St. Nazaire in Frankreich und Laupheim in Baden- Württemberg gehen laut Airbus weiter. Eine Entscheidung soll im April fallen.

Trotz Enders Beteuerungen: Für die Airbus-Standorte Varel und Nordenham sowie das Augsburger EADS-Werk fehlen offenbar andere Interessenten. Zu hohe Kosten, notwendige Investitionen, das Dollarrisiko sowie unsichere Renditen seien für Finanzinvestoren derzeit unattraktiv, hieß es in Industriekreisen. EADS werde in den kommenden Jahren aber weiter versuchen, einen Investor für eine Beteiligung zu gewinnen. Airbus werde die Werke nun in einem ausgegliederten Unternehmen unter dem EADS-Konzerndach bündeln und die Investitionen vor allem für die Entwicklung des neuen Langstreckenjets A 350 selbst leisten. mit dpa

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