Flugzeugbau : Voith will Airbus-Werke nicht mehr

Der Anlagenbauer Voith hat sich überraschend aus dem Bieterverfahren für die deutschen Airbus-Werke zurückgezogen. Eine deutsche Lösung rückt so in die Ferne.

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Airbus-Produktion in Augsburg. Das Werk mit rund 2000 Festangestellten und 700 Leiharbeitskräften soll verkauft werden. -Foto: dpa

Düsseldorf - Das Familienunternehmen sieht „keine Möglichkeit, ein tragfähiges Konzept zu entwickeln, das den Vorstellungen beider Seiten gerecht wird“, sagte Voith-Chef Hermut Kormann. Kormann machte kein Hehl daraus, dass Voith sich gerne mit den Airbus- Werken Kompetenz bei Kohlefaserverbund-Werkstoffen eingekauft und damit ein neues Geschäftsfeld eröffnet hätte. Aber nach Kormanns Darstellungen lagen die Vorstellungen über den Zeitplan der Werksübernahme auf beiden Seiten weit auseinander.

Voith hätte sich gern schrittweise herangetastet und die Airbus-Werke nach und nach übernommen. Airbus hingegen will sehr schnell aus der Verantwortung heraus und die eigene Kapitalbindung reduzieren. „Da beißen sich die Denkmodelle von börsennotierten Unternehmen und Familienunternehmen“, sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person.

Der Ausstieg kommt dennoch überraschend. Hatte sich doch der Voith-Familienvertreter, der frühere BDI-Präsident Michael Rogowski, erst vergangene Woche aus dem Verwaltungsrat der Airbus- Mutter EADS zurückgezogen. Ihm waren als gleichzeitigem Vorsitzenden des Aufsichtsrates und des Gesellschafterausschusses von Voith mögliche Interessenskollisionen vorgehalten worden. „Daraus habe ich die Konsequenzen gezogen, obwohl ich selbst keine Interessenkonflikte sehe“, sagte er.

Branchenkreisen zufolge war Voith an den Airbus-Werken Varel und Nordenham (beide Niedersachsen) interessiert sowie dem EADS-Standort Augsburg, der vor allem Airbus zuliefert. EADS will sich von sechs der 16 Airbus-Werke sowie dem Standort Augsburg trennen.

Die verbliebenen Bieter sind das US-Unternehmen Spirit sowie GKN (Großbritannien), Latécoère (Frankreich) und MT Aerospace, das zum OHB-Konzern in Bremen gehört.

Mit dem Rückzugs Voiths bleibt damit nur noch OHB als deutscher Kandidat im Rennen. Der parlamentarische Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Peter Hintze, bekräftigte gegenüber dem Handelsblatt den Wunsch der Regierung, dass die deutschen Standorte möglichst in deutscher Hand bleiben sollten. „Auf jeden Fall hat die Qualität der Entscheidung absoluten Vorrang vor Schnelligkeit“, sagte Hintze. In Regierungskreisen wird nun offenbar versucht, die Entscheidung über den Werksverkauf hinauszuzögern, um möglicherweise noch einen anderen deutschen Investor für die Werke zu finden.

Offenbar gibt es auch in Regierungskreisen Zweifel darüber, ob die familiengeführte OHB den Kauf der Airbus- Werke stemmen kann. Voith galt als Favorit der Bundesregierung. Aus EADS- Kreisen verlautete dagegen, dass es bei den Werksverkäufen auf keinen Fall eine politische Lösung geben werde, die „industriell nicht tragfähig“ sei. Schließlich werde Airbus stark von den Zulieferern abhängen, die die Werke kaufen.

„Ich traue OHB die Werkskäufe zu“, meinte Nicolas von Stackelberg, Analyst bei Sal. Oppenheim. Das Unternehmen habe mit der Übernahme der heutigen MT Aerospace (damals MAN Technologie) bewiesen, dass es auch große Käufe mit Hilfe eines Finanzpartners meistern kann. Damals finanzierte einen Großteil des Kaufpreises der Fonds Apollo Capital Partners. OHB selbst wollte zu seiner Kandidatur keinen Kommentar abgeben.

Allerdings hatte die übernommene MAN Technologie nur einen Umsatz von rund 100 Millionen Euro. Die Werke Varel, Nordenham und Augsburg kämen zusammen auf einen Umsatz von über einer Milliarde Euro. Zum Vergleich: OHB erwartet für dieses Jahr rund 200 Millionen Euro Umsatz.

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