Wirtschaft : Flugzeugbauer Boeing kommt ins Trudeln

NEW YORK (AFP).Boeing, der weltgrößte Flugzeughersteller und zweitgrößte US-Rüstungskonzern, kommt nicht zur Ruhe.Im vergangenen Jahr erlitt das Unternehmen mit 178 Mill.Dollar (rund 320 Mill.DM) den ersten Verlust seit einem halben Jahrhundert.Der Aktienkurs liegt mit 37,20 Dollar um 37 Prozent unter dem Höchststand der vergangenen zwölf Monate.Die Ergebnisse für das erste Halbjahr 1998 und die Gewinnprognose von einer Mrd.Dollar für das Gesamtjahr haben die Wall Street sehr enttäuscht.Vor einer Woche erst mußte Boeing Gerüchte dementierten, daß Konzernchef Phil Condit zurücktreten könnte.Nun plant der US-Flugzeughersteller eine umfassende Umstrukturierung seiner Produktion.Das in Seattle/Washington ansässige Unternehmen kündigte bis Ende dieses Jahres die Schließung von Werken und den Abbau von 18 000 bis 28 000 Arbeitsplätzen an.Das entspräche immerhin etwa jeder zehnten Stelle bei Boeing.Von den Stellen-Streichungen sind vor allem Werke in den Bundesstaaten Washington, Kalifornien und Missouri betroffen.Mit dem Abbau der Arbeitsplätze reagiert Boeing nach eigenen Angaben auf die dringende Notwendigkeit, Kosten zu reduzieren.

Die Boeing-Malaise hat viele Gründe.Einige sind hausgemacht, andere sind aber auch auf externe Faktoren zurückzuführen.Preiskämpfe mit dem einzigen verbliebenen Rivalen Airbus haben die Gewinnmargen für die meisten Boeing-Modelle gedrückt.Der Branchenführer wollte seinen mehr als 60prozentigen Weltmarktanteil mit Niedrigstpreisen gegen den europäischen Rivalen verteidigen.Airbus hat Boeing aber viele Großaufträge weggeschnappt und gleichzeitig auch die Preise verdorben.

Dagegen konnte Boeing von der höher als erwarteten Nachfrage nach seinen Kurzstreckenmodellen 737 nicht profitieren.Im Gegenteil: Produktionsprobleme, die in der Vergangenheit Sonderkosten in Milliardenhöhe verursacht haben, sind noch immer nicht vollständig gelöst.

Die lukrativsten Boeing-Passagierflugzeuge, die 747-Jumbos, sind von der Asienkrise am schlimmsten betroffen.Das langsamere Wachstum des Luftverkehrs in der Region habe einige Gesellschaften dazu gezwungen, die Bestellungen von Jumbo-Jets, die 1999 ausgeliefert werden sollten, zu verschieben oder auf kleinere Maschinen umzusteigen.Einige Fluggesellschaften haben Aufträge auch ganz gestrichen.Insgesamt mußte dadurch die Fertigung der Jumbos reduziert werden.Dies schlägt sich unmittelbar nieder in den Gewinnen.Die Entwicklungskosten sind längst abgeschrieben, so daß diese Maschinen hohe Gewinnmargen haben.Außerdem ist Boeing mit den Jumbos bisher noch allein auf dem Markt.Boeing hat aus all diesen Gründen auch im ersten Halbjahr 1998 bei seinen Verkehrsflugzeugen rote Zahlen geschrieben.

Zudem hat Boeing die Eingliederung des 1997 für 16,3 Mrd.Dollar gekauften Verkehrsflugzeugherstellers und Rüstungskonzerns McDonnell Douglas hat Boeing noch nicht vollständig verkraftet.Boeing wird so auch die Fertigung von drei der vier McDonnell Douglas-Modelle fallen lassen.

Dies wiederum hat zu Problemen mit der Gewerkschaft geführt.Das Unternehmen hat jetzt durch eine teilweise Verlagerung der Fertigung der neuesten 737-Modelle in das ehemalige McDonnell Douglas-Werk in Long Beach in Kalifornien ein Friedensangebot unterbreitet und will gleichzeitig die Produktionsengpässe für diese Modelle beseitigen.Mit der Schließung zahlreicher Werke und Betriebe sowie der Streichung von bis zu 28 000 Stellen bis Ende nächsten Jahres will Condit nun Kosten senken und sich auf die veränderte Lage im Verkehrsflugzeug- und im Rüstungssektor einstellen.Die Entlassungen sollen im Jahr 2000 weitergehen.Boeing beschäftigt zur Zeit insgesamt 238 000 Mitarbeiter.

Bereits bei der Bekanntgabe des zweiten Quartals 1998 (30.6.) hatte der größte Flugzeughersteller der Welt die Investoren enttäuschen müssen.In den drei Monaten hatte der Luftfahrtgigant nur noch einen Gewinn von 258 Mill.Dollar oder 26 Cent pro Aktie erwirtschaften können, während im Vergleichsraum des Vorjahres noch 476 Mill.Dollar (48 Cent pro Aktie) verbucht wurden.Das enttäuschende Ergebnis ließ die Boeing-Aktie um 6,56 Dollar auf 41,19 Dollar einbrechen, was einem Kursrückgang um 13,7 Prozent entsprach.Der negative Eindruck war verstärkt worden, als Boeing-Chairman Condit für die zweite Hälfte des laufenden Jahres erneut ein geringes Wachstum in Aussicht gestellt hatte.

Für 1998 rechnet das Unternehmen mit Auslieferungen von 550 Verkehrsflugzeugen.Der Umsatz dürfte 56 Mrd.Dollar erreichen.

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