Wirtschaft : Flugzeugbauer sucht sicheren Finanzier für neue Regionalflieger

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Der US-Flugzeughersteller Fairchild Aerospace und seine deutsche Tochter Dornier Luftfahrt GmbH, Oberpfaffenhofen bei München, stehen offenbar kurz vor einer einschneidenden Veränderung in ihrer Eigentümerstruktur. Am Regionalflugzeugbauer wollen sich die Münchner Allianz AG und die US-Investmentgesellschaft Clayton, Dublier & Rice als Investoren beteiligen. Ein Allianz-Sprecher in München bestätigte auf Anfrage entsprechende Verhandlungen.

Hintergrund des dem Vernehmen nach unmittelbar bevorstehenden Einstiegs der neuen Finanzpartner ist die gut 2,3 Milliarden Mark teuere Entwicklung einer kompletten Regionalflugzeugfamilie von 55 bis 90 Sitzen bei Dornier. Etwa ein Drittel dieser Summe sollen Zulieferer und Partnerfirmen aufbringen. Für rund 680 Millionen Mark hat sich Dornier vor kurzem eine Bürgschaft von Bund und Freistaat Bayern gesichert. Für den verbleibenden Rest reichen die Dornier-Eigenmittel nicht aus, weshalb Fairchild und dessen Mehrheitseigner Carl Albert seit Monaten mit neuen Partnern verhandeln.

Zuletzt war von einem fehlenden Finanzierungsvolumen von gut einer halben Milliarde Mark die Rede. Für eine entsprechende Finanzspritze ist Albert offenbar bereit, seine 56-prozentigen Anteile fast vollständig aus der Hand zu geben und ins zweite Glied zurück zu treten. Er werde in den Aufsichtsrat wechseln und der bisherigen Nummer zwei bei Fairchild, Jim Robinson, das Cockpit überlassen, will die "Süddeutsche Zeitung" erfahren haben.

In Oberpfaffenhofen, wo bis zehnten Januar Betriebsruhe herrscht, konnte niemand zu den Perspektiven und laufenden Gesprächen Stellung nehmen. Früheren Angaben zufolge wäre mit dem Bau der Flugzeugfamilie bis 2005 eine Personalverdoppelung auf gut 4 000 Mitarbeiter verbunden. Vorerst völlig offen bleibt, wie die Verteilung der Anteile zwischen der Allianz und dem US-Investmenthaus als neuen Mehrheitseignern bei Fairchild aussehen könnten. Auch zu den Beweggründen eines möglichen Einstiegs beim Flugzeugbauer wollte der Versicherer nichts sagen. Fairchild hatte zuletzt vergeblich versucht, eine US-Anleihe zu platzieren, um den Bau der Flugzeugfamilie zu finanzieren. Auch Kooperationsgespräche mit dem italienisch-französischen Regionaljetkonsortium ATR waren an der Führungsfrage gescheitert. Fairchild hält vier Fünftel an Dornier Luft, den Rest der frühere Mehrheitseigner Daimler-Chrysler Aerospace (Dasa) AG.

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