Flugzeughersteller : Dollar-Verfall: Werden deutsche Airbus-Werke nicht verkauft?

Für Airbus wird der geplante Verkauf von drei deutschen Werken angesichts des sinkenden Dollar-Kurses immer schwieriger. Einem Medienbericht zufolge prüft der Konzern inzwischen, diese Fabriken selbst weiter zu betreiben.

Airbus
Hoffen, bangen, protestieren. Airbus-Mitarbeiter im Werk Varel. -Foto: ddp

HamburgDer geplante Verkauf von insgesamt sechs Airbus-Werken ist Teil des laufenden Sanierungsprogramms für das Unternehmen. In Deutschland sind davon die Standorte Varel, Nordenham und Laupheim betroffen. In Frankreich und Großbritannien sollen ebenfalls drei Werke abgestoßen werden. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" erwägt Airbus den geplanten Verkauf der Werke vorerst zu stoppen. Das Unternehmen produziert im Euro-Raum, verkauft seine Maschinen aber zu Dollar-Preisen. Angesichts der schwachen US-Devise sei den Interessenten die Übernahme der Fabriken zu riskant. Stattdessen prüfe Airbus, die zum Verkauf stehenden Standorte in eine neue Tochtergesellschaft auszulagern, berichtete das Blatt unter Berufung auf Branchenkreise.

Im Streit um die harten Saniertungspläne für den Konzern schließt die Gewerkschaft IG Metall Proteste nicht aus. "Wenn wir der Auffassung sind, dass wir uns bewegen müssen, werden wir das tun", sagte die Bezirksleiterin Küste, Jutta Blankau, dem "Hamburger Abendblatt". Die Gewerkschaft prüfe bereits, ob sie Tarifforderungen wie langfristige Beschäftigungs- und Standortgarantien für alle Werke aufstellen solle. Die Einschätzung von Airbus-Chef Thomas Enders, wonach sich das Unternehmen wegen des Dollar-Kursverfalls in einer "lebensbedrohlichen" Lage befindet, stößt bei Konzernbetriebsrat und IG Metall auf Widerspruch.

"Vorhandene Probleme abarbeiten"

"Das Management soll nicht ständig neue Schlagzeilen produzieren, sondern die vorhandenen Probleme bei den Passagiermaschinen A 380 und A 350 sowie beim Transportflugzeug A 400M abarbeiten", sagte der Chef des Airbus-Konzernbetriebsrats, Rüdiger Lütjen, der "Berliner Zeitung". Anstatt über die Verlagerung von Produktionskapazitäten in den Dollar-Raum nachzudenken, sollten die Manager über die Preise für die Flugzeuge nachdenken und nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten suchen.

IG-Metall-Sprecher Daniel Friedrich bezweifelte im Gespräch mit der Zeitung, dass weitere Sparmaßnahmen oder Produktionsverlagerungen die Probleme von Airbus lösen. "Wir haben einen hohen Auftragsbestand. Das Management hat bisher noch keine Wirtschaftlichkeitsberechnungen vorgelegt, was ein Verkauf von Werken bringen soll", sagte er. "Wir glauben nicht, dass man die Produktion einfach in den Dollar-Raum verschieben kann in einem Unternehmen, das mit Hilfe der europäischen Steuerzahler aufgebaut wurde", fügte er hinzu.

Enders: "Drastische Einschnitte"

Der Airbus-Vorstandsvorsitzende Enders, ehemaliger Co-Chef des Mutterkonzerns EADS, hatte in seiner Rede vor den Betriebsräten zusätzlich zum jetzt schon geltenden Sparprogramme Power8 weitere drastische Einschnitte angekündigt. Das im Frühjahr wegen der verspäteten Auslieferung des Großraumflugzeuges A 380 beschlossene Programm sieht den Abbau von 10.000 Arbeitsplätzen sowie Werksverkäufe vor. (feh/AFP)

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