Wirtschaft : Flut und Trockenheit rauben Bauern die Ernte

Gewinn bricht dramatisch ein Regierung stellt Agrarbericht vor

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Berlin (pet). Erst hat die Jahrhundertflut die Äcker in Sümpfe verwandelt, dann hat die Trockenheit sie ausgedörrt: Die deutschen Landwirte haben zwei schwierige Jahre hinter sich. Ihr Gewinn ging im Wirtschaftsjahr 2002/2003 – die Landwirte rechnen von Saison zu Saison – um fast ein Fünftel auf durchschnittlich 26 957 Euro je Betrieb zurück. Neben der Witterung hätten auch die niedrigen Handelspreise für Getreide, Milch und Schweine zum schwachen Ergebnis beigetragen, sagte Verbraucherministerin Renate Künast (Bündnis 90/Grüne) am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung des Agrarberichts 2004. Der Deutsche Bauernverband forderte die Bundesregierung auf, Maßnahmen gegen den Preisverfall einzuleiten.

Auch für dieses Jahr machte Künast den Bauern nur wenig Hoffnung. „Die wirtschaftliche Lage der Betriebe wird sich voraussichtlich auch im laufenden Wirtschaftsjahr verschlechtern“, sagte sie. Grund seien weiter rückläufige Erzeugerpreise vor allem für Milch und steigende Einkaufspreise für Saatgut, Dünge und Futtermittel. Für die Haupterwerbsbetriebe würden die Einkommen im Wirtschaftsjahr 2003/2004 daher voraussichtlich um drei bis acht Prozent zurückgehen, sagte Künast.

Angesichts der schlechten wirtschaftlichen Lage, der Agrarreform und der EU-Osterweiterung ab dem 1. Mai riet die Verbraucherministerin den Bauern, sich stärker am Markt zu orientieren. Vor allem die EU-Osterweiterung biete mit 75 Millioen zusätzlichen Konsumenten viele Chancen. „Die Agrarindustrie ist gut beraten, sich den Markt rechtzeitig zu sichern.“ Wenn durch die EU-Agrarreform die Direktzuschüsse aus Brüssel an die deutschen Bauern sänken, müssten sie sich neue Einkommensquellen sichern. „Die Lage der Landwirtschaft erfordert Innovationen“, sagte die Ministerin, wohl auch in Anspielung auf das vom Kanzler ausgerufene Innovationsjahr – und empfahl Biomassekraftwerke. „Das rechnet sich als zusätzliche Einkommensquelle.“

Künast verteidigt Agrarreform

Künast verteidigte erneut ihre Agrarreform. „Die Strategie, auf nachwachsende Rohstoffe, auf Lebensmittelqualität oder auf Ökolandbau zu setzen, ist auch im großen Europa und mit Blick auf den Weltmarkt sinnvoll.“ Allerdings kämpften die Alternativbauern mit den gleichen Problemen wie die konventionellen Landwirte. Die Konsumenten wollten immer weniger Geld für Lebensmittel ausgeben. Die Discounter übten einen „ungeheuren Preisdruck“ aus, so dass sich die Produktion oft nicht mehr lohne. In der Agrarbilanz schneiden die Ökobetriebe aber besser ab als die konventionell arbeitenden Kollegen. Die niedrigen Schweinepreise haben sich im Ökolandbau kaum ausgewirkt.

Der Anteil der Biobetriebe beträgt derzeit 3,6 Prozent. Zu den Wachstumsperspektiven machte Künast keine Angaben. Nach der BSE-Krise vor drei Jahren hatte sie das Ziel ausgegeben, den Anteil der Ökolandwirtschaft bis 2010 auf 20 Prozent zu steigern.

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