Wirtschaft : Fluthilfe via Satellit

Neue Hightech-Geräte erleichtern Einsatzmannschaften die Arbeit – oft sind sie billiger als die Vorgänger

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Von Rebecca Buckman Die Hilfsorganisation Save the Children schickte vor wenigen Tagen ihren Mitarbeiter Rui Lopes mit wichtigen Gütern nach Indonesien: Vier InternetTelefone, ein Router von Cisco und Zubehör für ein Mobilfunknetz für rund 50 Menschen.

Diese Nothilfe hat nichts mit Reis, Decken und trinkbarem Wasser zu tun. Bei der Katastrophenhilfe geht der Trend zu Hightech. Hilfsorganisationen wie die von Rui Lopes sind in ihrer Arbeit immer stärker auf moderne Technik wie Hochgeschwindigkeits-Internetzugang und Satellitenkommunikation angewiesen. Das gilt vor allem für weitläufige und schwer zugängliche Notgebiete wie bei der Flutkatastrophe in Südasien.

Dank Satellitentelefonen können Hilfsorganisationen in entlegenen Regionen von Sri Lanka und Indonesien täglich über die Lage berichten und Fotos schicken. Einige Hilfswerke verwenden winzige GPS-Satellitenortungssysteme, um Flüchtlingslager ausfindig zu machen. Andere überlegen, wie sich mit RFID-Funkchips der Weg der Hilfsgüter-Transporte verfolgen lässt und führen Telefongespräche über das so genannte Voice over Internet Protocol (VOIP), um Geld zu sparen. Und die französische Hilfsorganisation „Télécoms sans Frontières“ hat Telefonstationen in einigen der am härtesten getroffenen Regionen eingerichtet, damit die Katastrophenopfer ihre Angehörigen benachrichtigen können.

Man vergleiche das mit der Situation vor zehn Jahren in Ruanda. Karitative Organisationen, die den Opfern des Völkermordes helfen wollten, mussten damals mit altmodischen Telex-Maschinen vorlieb nehmen. In der südasiatischen Krisenregion hat dagegen „wahrscheinlich jeder mit Laptop einen Internetzugang“, sagt Dick van der Tak, der das Büro von „Médecins Sans Frontières“ in Hongkong leitet. Die rasche Kommunikation über das Internet ist in Südasien umso wichtiger, als einige Hilfsorganisationen unter großem Zeitdruck die Nothilfe verschiedener Länder koordinieren und Gütertransporte in bestimmte Gebiete organisieren müssen.

Die Telefon-Internet-Box von Lopez’ ist ein anderes Beispiel dafür, wie moderne Technik die Katastrophenhilfe erleichtert. Die robuste Metallbox mit eigener Antenne und Abluftventilator soll innerhalb weniger Stunden von „einer Person ohne weitere technische Kenntnisse“ ausgepackt und aufgebaut werden können, sagt Dipak Basu, Geschäftsführer der US-Nonprofit-Organisation NetHope. Net-Hope hat das so genannte „Net-Relief-Kit“ (auf deutsch: „Netz-Nothilfe-Ausrüstung“) entwickelt und „Save the Children“ gespendet. Die einer kleinen Klimaanlage ähnelnde Box ist so klein, dass sie leicht im Flugzeug als Handgepäck mitreisen kann.

Ist Net-Relief-Kit einmal installiert, können die freiwilligen Helfer in ihren Gebäuden oder Zelten nahe des Unglücksortes über ein drahtloses Funknetz kommunizieren. Wenn der Akku alle ist, lässt sich die Box mit einer Autobatterie wieder aufladen. Diese Form der Kommunikation sei sehr viel preiswerter und weniger mühselig als der Internetzugang über Satellitentelefone, sagt Basu. Der gesamte Apparat – zu dem vier Internet-Telefone, ein Festnetztelefon und das Netzwerk gehören – kostet rund 5000 Dollar und ist damit preiswerter als die Kommunikation via Satellitentelefone. Das Net-Relief-Kit in Indonesien ist nur ein Prototyp. Ursprünglich sollte die Technik noch einige Testversuche durchlaufen, bevor sie erstmals eingesetzt wird.

Trotz ihrer vielen Vorteile kann auch die moderne Technik einige der grundsätzlichen Probleme der Katastrophenhilfe nicht lösen. Das sind neben versperrten Straßen, die den Transport von Lebensmitteln und Wasser erschweren, auch die trägen Bürokratien einiger asiatischer Staaten, welche die Hilfsmaßnahmen verzögern.

Außerdem funktionierten die mehrere tausend Dollar teuren modernen Satellitentelefone nicht immer, sagt Art Pesigan vom philippinischen Büro der Weltgesundheitsorganisation. Die Telefone müssten sehr genau auf einen Satelliten ausgerichtet werden. Das funktioniert manchmal nur mithilfe eines Kompasses und häufig nur draußen. Nichtsdestotrotz sind die Telefone manchmal das einzige Kommunikationsmittel in Regionen, in denen es keine anderen Telefonverbindungen gibt.

Die Technik macht derweil Fortschritte. Die Kosten von Hightech wie Satellitentelefonen sänken und die Geräte würden kleiner, sagt Greg Campbell, ein IT-Experte der australischen Hilfsorganisation World Vision International. Das erlaubt humanitären Hilfswerken, die häufig wenig Geld haben, mehr Technik zu kaufen.

Texte übersetzt und gekürzt von Tina Specht (Luxusski), Karen Wientgen (Flut), Matthias Petermann (Rumänien), Svenja Weidenfeld (USA) und Christian Frobenius (Russland)

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