Fördergelder : Subventions-Tricksereien von Nokia?

"Lückenhaft" und "schöngerrechnet": Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin erhebt schwere Vorwürfe gegen Nokia. Der finnische Handy-Hersteller müsse Subventionen in Millionenhöhe zurückzahlen. Nokia schwärmt indes von den Löhnen in Rumänien.

Nokia
Das Werk in Bochum von Nokia soll geschlossen werden. -Foto: ddp

München/HamburgNordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) wirft dem finnischen Handy-Hersteller Nokia Tricksereien im Umgang mit den seit 1985 erhaltenen fast 100 Millionen Euro Subventionen vor. Die Berichte über die Zuschussverwendung seien "lückenhaft, und die Zahl der Arbeitsplätze sei "schön gerechnet" worden, sagte Thoben dem Nachrichtenmagazin "Focus". Thoben drohte Nokia für den Fall der Schließung des Bochumer Handy-Werks an, der Konzern müsse Subventionen in Höhe von bis zu 41 Millionen Euro zurückzahlen. Beim Spitzengespräch in Berlin habe sie gestern das Nokia-Management deutlich vor "einem gewaltigen Imageschaden wie bei Siemens" nach der Schließung des BenQ-Werkes im Kamp-Lintfort gewarnt.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung will nach "Focus"-Informationen nun bis 2013 eine Milliarde Euro an Subventionen für die wirtschaftliche Entwicklung ins Ruhrgebiet pumpen. Nokia-Personalchef Juha Äkräs begründete das Vorgehen des Konzerns mit dem "starken Druck, die Kosten zu senken". Der Standort Rumänien biete enorme Vorteile. "Dort arbeiten die Menschen für ein Zehntel der deutschen Entgelte," so Äkräs. "Selbst wenn sich die Löhne in den kommenden Jahren verdoppeln oder verdreifachen, lohnt sich das."

Experten rechnen mit steigenden Löhnen in Rumänien

Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) rechnet damit, dass auch in Rumänien die Löhne in den kommenden zehn Jahren deutlich steigen werden. IWH-Präsident Ulrich Blum sagte der "Bild"-Zeitung, insbesondere in Technologie-Branchen sei mit einem hohen Lohnplus zu rechnen. "In den nächsten zehn Jahren ist ein Anstieg auf 50 bis 60 Prozent des deutschen Niveaus zu erwarten", sagte Blum dem Blatt. Ähnliche Entwicklungen habe es beispielsweise in Tschechien nach der Wende gegeben. Blum erklärte, mit dem deutlichen Anstieg werde ein Teil der Lohnkostenvorteile für Rumänien verschwinden.

In dem Zeitungsbericht heißt es unter Berufung auf Regierungs- und Kommissionskreise weiter, dass die Beschäftigten des Bochumer Nokia-Werkes vorerst nicht auf Hilfe aus EU-Kassen hoffen können. Zwar habe die EU eigens einen Fonds aufgelegt, aus dem Folgen der Globalisierung an betroffenen Standorten abgemildert werden sollen. Aber die Bundesregierung könne kein Geld aus diesem Fonds beantragen, weil die Werksverlagerung von Nokia innerhalb der EU, nach Rumänien, erfolge. (jam/AFP)

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