Wirtschaft : Förderprogramm fürIndustrieforschung Ost

Bund stellt 1,5 Mrd.DM bereit

Berlin (chi).Für die Förderung der Forschungsaktivitäten der ostdeutschen Industrie will das Bundeswirtschaftsministerium im Zeitraum 1998 bis 2001 rund 1,5 Mrd.DM zur Verfügung stellen.Das Programm, in dem die bisherigen Ansätze gebündelt und auf die aktuellen Erfordernisse abgestimmt werden, soll noch vor der Sommerpause den Bundestag passieren, kündigte Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt am Dienstag an.Durch diese frühzeitige Weichenstellung soll den Betrieben Planungs- und Kalkulationssicherheit gegeben werden. Laut einer Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und des Instituts für sozialökonomische Strukturanalysen, die Rexrodt am Dienstag vorstellte, spiegelt das geringe Niveau der Forschungsaktivitäten in Ostdeutschland auch den Rückgang der Industrieaktivitäten insgesamt wider.Im Zeitraum 1990 bis 1995 sackte die Zahl der im Bereich Forschung und Entwicklung (F + E) tätigen Personen von 86 000 auf 16 000.Bezogen auf den Anteil des F + E-Personals an der Gesamtbevölkerung erreicht die "Forschungsintensität" in Ostdeutschland nur ein Drittel der westdeutschen, im Westen Deutschlands wird zudem - pro Kopf der Bevölkerung - acht Mal soviel für F + E ausgegeben.Vor diesem Hintergrund, so DIW-Experte Kurt Hornschild, "sind Tendenzen eines weiteren Abbaus der Industrieforschung besonders kritisch zu sehen". Die bisherigen Anstrengungen zeigten noch nicht immer den gewünschten Erfolg.Nach wie vor seien ostdeutsche Unternehmen zu stark auf den heimischen Markt konzentriert und profitierten kaum von der Auslandsnachfrage.Dennoch wiesen jene Unternehmen, die in F + E investierten, in der Regel eine bessere Ertragslage, eine höhere Exportquote und eine deutlich unter dem Durchschnitt liegende Insolvenzrate auf."Die schwierigste Aufgabe steht noch bevor: Die ostdeutsche Industrie in die Weltwirtschaft zu integrieren", sagte Hornschild.Die geringe Auslandsorientierung sei mit ein Grund, daß das Wirtschaftswachstum in Ostdeutschland nun erlahme. Die Gutachter forderten die Bundesregierung auf, die Innovationsförderung mindestens auf dem bisherigen Niveau fortzuführen, längerfristig anzulegen und nötigenfalls Umschichtungen in der Wirtschaftsförderung vorzunehmen.Bundeswirtschafts- und -forschungsministerium hätten seit der Wende rund 4 Mrd.DM für die Industrieforschung bereitgestellt, das entsprach einem Anteil von 0,8 Prozent an der Wirtschaftsförderung insgesamt.Dennoch räumte Hornschild ein, daß der Bereich ohne staatliche Unterstützung vollständig zusammengebrochen wäre. Rexrodt betonte, daß die Förderung zumindest eine Basis gesichert habe.Staatliche Hilfe könne aber "nur eine Facette der Hilfe zur Selbsthilfe" sein.Er "appelliere an die Wirtschaft, das Industrieforschungspotential der neuen Länder vermehrt zu nutzen".

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