Förderprogramme : Geldtöpfe für Energieeffizienz sind prall gefüllt

Kredite zu günstigen Konditionen, Zuschüsse oder Bürgschaften: Wie deutsche Mittelständler ans Geld aus Brüssel kommen.

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Sonnige Zukunft. GSG Berlin installiert auf 140 Dächern die größte Photovoltaikanlage in der Hauptstadt.
Sonnige Zukunft. GSG Berlin installiert auf 140 Dächern die größte Photovoltaikanlage in der Hauptstadt.Foto: David von Becker

137 Milliarden Euro überweisen Europas Steuerzahler jährlich nach Brüssel. Knapp zwanzig Prozent davon kommen aus Deutschland. Ein Teil dieser Summe fließt allerdings in Form von Fördermitteln an deutsche Kommunen und Unternehmen zurück. Das Geld scheint auf der Straße zu liegen. Wie kommen Mittelständler in den Genuss solcher Gelder?

Erste Ansprechpartner für Unternehmer sind die Förder- und Investitionsbanken der Bundesländer. Sie sind nicht nur wichtige Stütze der Mittelstands-Finanzierung, sondern organisieren auch Beratung und Coaching. Für Matthias von Bismarck-Osten, Generalbevollmächtigter der Investitionsbank Berlin (IBB), hat die Sicherstellung der Liquidität der Betriebe oberste Priorität. Das ist sein Auftrag, nicht die Gewinnmaximierung seiner Bank: „Das Finanzierungsvorhaben des Mittelständlers ist die Initialzündung für unsere Arbeit, es sind nicht die Förderprogramme.“

Aktuell beziffert die Bundesagentur für Arbeit die Zahl der Beschäftigten in Berlin mit insgesamt 1 238 300 Personen – 28 784 mehr als im Vorjahr. Das entspricht einer Steigerungsrate von 2,4 Prozent. Zum Vergleich Deutschland: plus 1,5 Prozent. Nach Wirtschaftsbereichen gegliedert, entfielen mehr als 90 Prozent des gesamten Beschäftigungszuwachses auf vorwiegend mittelständisch geprägte Dienstleistungsbereiche wie zum Beispiel Handel und Gastgewerbe, Information und Kommunikation, Finanz-, Versicherungs- und Unternehmensdienstleistungen, öffentliche und sonstige Dienstleistungen.

Viel Geld fließt in Sanierungsprogramme

Förderprogramme gibt es in Deutschland viele: Aus mehr als zwei Dutzend Programmen rund um Gründung, Expansion, Technologie und Forschung und Energieeffizienz – sie heißen Berlin Infra, EFRE-Bürgschaftsfonds, Pro Fit oder Zukunftsfonds Berlin – kann die IBB Förderpakete schnüren. Meist handelt es sich bei der Förderung um Kredite zu günstigen Konditionen, Zuschüsse oder Bürgschaften. 2013 hat die IBB 345 Millionen Euro an Krediten bewilligt. Das Volumen war damit deutlich größer als im Vorjahr. Beliebteste Förderprogramme der EU waren die GRW-Strukturhilfe und Pro Fit. GRW steht für die Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur. Gründer und etablierte Unternehmer sollen vor allem davon profitieren. Die Mittel werden als Zuschuss vergeben.

Pro Fit – das Programm zur Förderung von Forschung, Innovationen und Technologien wendet sich an Unternehmer, die technologische Entwicklungen voranbringen wollen. Der Vorteil für den Firmenchef: Er kann in allen Phasen des Innovationsprozesses Pro-Fit-Mittel erhalten.

Viel Geld aus Brüssel geht in Sanierungsprogramme für mehr Energieeffizienz. Das Fördervolumen im Programm IBB Energetische Gebäudesanierung, das sich an Unternehmen und Investoren aus der Immobilienbranche wendet, wurde von vierzig Millionen auf 140 Millionen Euro erhöht. Pro Wohnung können 50 000 bis 75 000 Euro finanziert werden. Zielgruppen des Programms sind Genossenschaften und private Investoren, die ihren Mehrfamilienhausbestand energetisch renovieren wollen.

Gute Adressen für Mittelständler

Nicht allein die Immobilienbranche kommt in den Genuss der teilweise zinsfreien Darlehen. „Auch Mittelständler können ihren Betrieb auf ein effizienteres Haushalten mit Energie umstellen", erklärt Matthias von Bismarck-Osten.

Ein Beispiel: Der Anbieter von Büro- und Gewebeflächen, GSG Berlin (100 Mitarbeiter), errichtet auf 140 Dächern von 32 Gewerbehöfen in acht Stadtteilen bis zum Sommer die größte Photovoltaik-Anlage der Hauptstadt. Kosten: Neun Millionen Euro, die zum Großteil über einen Kredit der IBB finanziert werden. Es werden 26 200 Solarmodule auf insgesamt 43 000 Quadratmeter Dachfläche gesetzt. Die Anlage wird jährlich 5,8 Millionen KWh Strom produzieren. Die CO2-Ersparnis liegt bei 5000 Tonnen. Ökostrom wird subventioniert. Davon profitieren auch die Mieter, vornehmlich Berliner Mittelständler, in den Gewerbehöfen.

Eine zweite gute Adresse für Mittelständler ist die Bürgschaftsbank zu Berlin Brandenburg (BBB). Diese hilft mit Bürgschaften, wenn ein Unternehmen die von der Hausbank verlangten Sicherheiten nicht hat. Die Obergrenze für Bürgschaften und Garantien ist gerade auf 1,25 Millionen Euro angehoben worden. Die Nachfrage nach dieser Hilfe ist groß, erzählt Waltraud Wolf, Geschäftsführerin der BBB: „2013 haben wir für rund 2100 Vorhaben mit einem Finanzierungsvolumen von 427 Millionen Euro gebürgt.“ Zwei Beispiele finden sich im neuen Einkaufszentrum am Zoo – „Bikini Berlin“: Für ein Restaurant und eine Boutique hat die BBB Bürgschaften bewilligt.

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