Wirtschaft : Fonds auf der Jagd nach Neuemissionen - Experten warnen davor

Holger Alich

Die Zeichnungsfrist läuft noch, aber Anleger zittern bereits: Werde ich beim Börsenstart von T-Online ein paar Papiere abbekommen? Noch sitzt bei vielen Investoren der Infineon-Frust tief. Denn als Mitte März die Chiptochter von Siemens an die Börse kam, gab es bei privaten Anlegern lange Gesichter. Nur jedem sechsten wurden Stücke zugelost.

Diese Lücke will die Fondsbranche geschickt für sich nutzen. In jüngster Zeit gehen einige neue Aktienfonds in Deutschland an den Start, die damit werben, dass sie gezielt in Neuemissionen investieren wollen. Beispiele: Der UBS (Lux) Equity Fund - New Markets und der BfG Concept Tele-Tech. Das Argument: Mit solch einem Fonds kommen Investoren einfach und stressfrei an die begehrten Neuemissionen. Schließlich kommen institutionelle Investoren wie Fondsmanager bei Börsenneuzugängen eher zum Zuge als das gemeine Volk.

Experten warnen aber: Anleger sollten sich nicht vom Versprechen blenden lassen, über das Fondsvehikel an Neuemissionen zu kommen. "Das ist ein gutes Marketinginstrument", urteilt Wulf-Dietrich Spöring, Leiter der Vermögensverwaltung der Commerzbank. "Schließlich will jeder Anleger die Emissionen haben, die gut gelaufen sind." Er empfiehlt Anlegern, auf Fonds zu setzen, die neben Neuemissionen vor allem aussichtsreiche ältere Werte im Depot haben und die somit breit gestreut sind. Will ein Anleger in Wachstumswerte mit einem Fonds investieren, sollte er darauf achten, dass der Fonds eine überdurchschnittliche Wertentwicklung erzielt hat und nicht zu stark schwankt. "Vielversprechende Neuemissionen bezieht heute fast jeder Fondsmanager ohnehin in sein Anlagekalkül mit ein", meint Spöring. "Die reine IPO-Jagd widerspricht dem Gedanken, das Risiko bei der Anlage zu streuen."

Für Spörings Meinung gibt es einen Beleg. Schon einmal wollte ein Fonds die IPO-Euphorie von Anlegern nutzen (IPO: Initial Public Offering, sprich: Börsengang): Der Gontard-IPO-Fonds UI, den Universal Investment aufgelegt hat, ist seit März 1998 auf Jagd nach Börsenbabys. Die Gontard & Metallbank berät Universal dabei. Doch statt wie beworben, Anleger "von den besonderen Chancen und Vorteilen attraktiver Neuemissionen" profitieren zu lassen, fiel der Fonds durch eine unbefriedigende Wertentwicklung auf. 1999 stieg der Anteilspreis vom Gontard IPO Fonds nur um 32,91 Prozent. Der Sektor "Aktien Nebenwerte Deutschland" schaffte im selben Zeitraum ein Plus von 122,83 Prozent.

Der Grund für die bescheidene Performance: "Das Management hat nicht alle die Börsenneulinge zugeteilt bekommen, die es haben wollte", erklärt Michael Wolf, Leiter Marketing bei Universal Investment. Darüber hinaus habe der Fonds nicht nur in Nebenwerte, sondern auch in Standardwerte investiert, die weniger stark gestiegen seien.

Statt solcher IPO-Jäger empfiehlt auch Markus Karl, Geschäftsführer von Focus Asset Management, Fonds mit breiter Streuung. Sein Tipp: der Invesco Neue Märkte, der im vergangenen Jahr 228,42 Prozent Performance erzielte. Auch den DAC Kontrast Universal hält er für empfehlenswert.

"IPOs sind natürlich ein Riesenthema für Anleger", sagt Karl Fickel, der den Neue Märkte Fonds von Invesco managt. Aber der Experte investiert "längst nicht" in jeden Neuling. "Bei einigen verstehe ich das Produkt nicht." Ist er aber einmal von einer Unternehmensstory überzeugt und steigt ein, verkauft Fickel den Wert aber nicht am Tag der Erstnotiz - im Gegenteil: "Wenn viele Private Anleger ihre Kursgewinne realisieren, kaufe ich nach", sagt der Fondsmanager. Der Grund: Fickel geht bei Neuemissionen zwar nicht leer aus, aber er kommt oft zu kurz. "Um eine echte Position im Portfolio aufzubauen, muss ich nachkaufen."

Auch Fondsmanager Thor Udenaes versteht sich nicht als IPO-Jäger. Udenaes managt den für Deutschland neu aufgelegten BfG Concept Tele-Tech, der an den SEB Technologiefonds angelehnt ist. "Wir investieren international in aussichtsreiche Technologietitel. Dabei sind wir bei wichtigen Börsengängen wie T-Online definitiv dabei, aber IPOs bilden auf keinen Fall den Schwerpunkt bei den Investmententscheidungen", sagt Udenaes. Seine Leistung kann sich sehen lassen: 1999 schaffte er einen Zuwachs von 121 Prozent.

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