Wirtschaft : Fonds bemängeln Schering-Gehälter

DWS ist gegen geltende Vergütungsregeln für Aufsichtsräte / Hauptversammlung an diesem Donnerstag

Maren Peters

Berlin - Die neue Vergütungsregelung für Schering-Aufsichtsräte, die die Bezüge an den Aktienkurs bindet, stößt bei Fondsgesellschaften auf Kritik. Im Prinzip spreche zwar nichts gegen eine Orientierung der Vergütung an Ertragskennziffern oder auch dem Aktienkurs, sagte Christian Strenger, Aufsichtsratsmitglied der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS und Mitglied in der Corporate-Governance-Kommission, dem Tagesspiegel. Aber: „Ich bin gegen eine kurzfristige Honorierung.“

Über die Neuregelung der Aufsichtsratsvergütung soll die Hauptversammlung des Berliner Pharmakonzerns an diesem Donnerstag entscheiden. Die umstrittene Koppelung von Vergütung und Aktienkurs war bereits im vergangenen Jahr eingeführt worden und wurde schon damals von Aktionärsschützern heftig kritisiert. Schering kündigte jetzt zwar an, die Gesamthöhe der Aufsichtsratsvergütung zu senken, behält die Koppelung aber bei.

Auch Kai Weigert von der Schutzgemeinschahaft der Kapitalanleger (SdK) sagte, er sei grundsätzlich gegen eine erfolgsabhängige Vergütung von Aufsichtsräten. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat ausgerechnet, dass der Schering-Aufsichtsratsvorsitzende Giuseppe Vita im vergangenen Jahr 370000 Euro erhielt, insgesamt kam der 20-köpfige Aufsichtsrat auf 2,8 Millionen Euro.

Strenger sagte, der Aufsichtsrat solle das Unternehmen unter anderem auch konzeptionell und strategisch begleiten. Die Vergütung dürfe sich daher nicht an einem Ein-Jahres-Erfolg der Aktie ausrichten, sondern an einer längeren Perspektive von mindestens drei Jahren.

Der Schering-Aufsichtsratsvorsitzende Giuseppe Vita hatte im vergangenen Jahr nach der Kritik der Aktionäre eine „ergebnisoffene Prüfung“ der neuen Regelung zugesagt. Die Kritiker konnte er damit aber nicht überzeugen: „Ich bin enttäuscht über das Ergebnis dieser Prüfung“, sagte DWS-Vertreter Strenger. Der Konzern habe nicht wie angekündigt mit Investoren über die umstrittene Anbindung gesprochen, sondern führe sie einfach in der bisherigen Form weiter.

Auch die Höhe der Aufsichtsratsvergütung, die in der Vergangenheit deutlich höher war als die anderer Dax-Aufsichtsräte, hält Strenger noch immer für „recht hoch“. Gemessen am erzielten Nettogewinn entspreche sie immer noch dem Mehrfachen anderer europäischer Pharmakonzerne, kritisiert er. Während ein Aufsichtsratsmitglied von Schering 0,03 Prozent des Nettogewinns als Vergütung erhalte, lägen die anderen im Durchschnitt bei 0,005 Prozent, hat der Fondsvertreter ausgerechnet. Beim Aufsichtsratschef sei die Differenz sogar noch sehr viel größer.

Schering selbst gibt in der Einladung zur Hauptversammlung an, die fixe Vergütung für Aufsichtsräte solle von bisher 50000 auf 35000 Euro pro Jahr sinken. Die Bezahlung für den Unternehmenserfolg soll erst ab einem Ergebnis je Aktie von 1,20 Euro gelten, bislang waren es 60 Cent. Für jeden Cent über dieser Schwelle erhält der Aufsichtsrat 250 Euro. Außerdem bekommt der Aufsichtsratsvorsitzende künftig nicht mehr das 2,5-fache des einfachen Mitglieds, sondern nur das 2,25-fache.

Das Schering-Argument, die Bezüge würden insgesamt sinken, weist Strenger zurück. „Die Summe wird insgesamt nicht weniger“, sagte er. Wenn man bei dem jetzigen Vorschlag des Konzerns das erwartete Ergebnis von 2005 zugrunde lege, „läuft das auf eine Beibehaltung der Bezüge hinaus, nicht auf eine Absenkung“. Immerhin habe Schering verstanden, dass man jetzt in diese Größenordnung hineinwachsen müsse. Und dennoch: „Wenn man kleiner ist, sollte man nicht so viel nehmen“, sagte Strenger.

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