Wirtschaft : Fonds: Die Anbieter rüsten für die Riester-Rente

Veronika Csizi

"Hier wird Riesterisch gesprochen", flachst die Hypovereinsbank neuerdings auf ihrer Homepage. In das offensive Buhlen der Versicherungsbranche um jene 20 bis 28 Millionen Deutsche, die demnächst für die von Arbeitsminister Walter Riester geförderte private Zusatzrente sparen werden, schalten sich immer mehr Fondsanbieter an. Produkte samt Musterverträgen liegen bereits in den Schubladen. Nächste Woche gehts ans Eingemachte: Die staatliche Zertifizierungsbehörde, Riesters Renten-TÜV, nimmt ihre Arbeit auf.

Eigentlich sollten die Fondsgesellschaften kein Problem haben, sich einen fetten Teil der milliardenschweren Torte einzuverleiben, beweisen Vergleichsrechnungen doch, dass die Aktie in der Vergangenheit alle anderen Sparformen abgehängt hat. Nach einer Modellrechnung der Bundesbank etwa haben Sparbücher zwischen 1979 und 1999 2,7 Prozent, Lebensversicherungen 6,5 Prozent, Rentenfonds 7,9 und Aktien 12,9 Prozent jährlich erwirtschaftet.

Die Krux für die Fonds: Das Riester-Gesetz fordert eine verbindliche Zusage darüber, dass zumindest das eingezahlte Kapital am Laufzeitende erhalten bleibt. Was Versicherer problemlos bieten können, müssen Fondsanbieter mit komplizierten Konstrukten unterlegen. Das kostet Rendite - zwei bis drei Prozent, rechnen Experten. Trotzdem haben die Fondsanbieter das Riesterische schnell erlernt. In vielen Fällen sind Mischprodukte herausgekommen: Kombinationen aus Aktien- beziehungsweise Rentenfonds und Versicherungen.

Die Hypovereinsbank-Tochter Activest etwa, sechstgrößter Anbieter im Fonds- Markt, nennt ihr Altersvorsorge-Modell "Switch": Ein Großteil des eingezahlten Geldes wird dabei in Fonds gehen, wobei der Aktienanteil zu Anfang sehr hoch ist und erst fünf Jahre vor Laufzeitende in sicherere festverzinsliche Wertpapiere "geswitcht" wird. Der Rest des Geldes geht in eine klassische Renten-Versicherung, deren Anteil abhängig ist vom Alter des Sparers. Partner ist die Victoria.

Auch Branchenprimus Deka - die Sparkassen-Fondstochter - geht auf Nummer sicher. Der Kunde schließt zunächst eine Rentenversicherung bei einem der 13 öffentlich-rechtlichen Lebensversicherer ab. Erst die Überschüsse gehen dann in Deka-Fonds, die der Kunde je nach Risikoneigung wählen kann. Da die Überschussbeteiligungen jedoch nicht garantiert sind und in den ersten Vertragsjahren zudem noch relativ gering ausfallen, hat der Anleger anfangs weniger von den Renditenvorsprüngen der Fonds.

Beide Anbieter räumen ein, dass das gesetzliche Korsett die Riester-Rente letztlich schmälern wird. Deka-Sprecher Markus Weber spricht von "einem gewissen Rendite-Handicap", sein Kollege Markus Huber von der Activest drückt es deutlicher aus: "Die gleiche Rendite wie bei normalen Aktienfonds darf niemand erwarten."

Was das unter dem Strich kosten kann, rechnet die Deutsche-Bank-Tochter DWS vor: Hätte ein 40-Jähriger 1981 begonnen, monatlich 400 Mark (das ist der maximal steuerlich geförderte Betrag ab 2008) für die Privatrente zur Seite zu legen - und zwar je zur Hälfte in Aktien- und Rentenfonds der DWS, dann wäre sein Rentenkonto am 31. 3. 2001 mit 359 709 Mark gefüllt gewesen, das entspricht einer Rendite von 11,81 Prozent pro Jahr. Dabei werde, so betont die DWS, auch die "ungünstige Börsenentwicklung der letzten Zeit" berücksichtigt. Die Rendite allein aus festverzinslichen Wertpapieren betrug im gleichen Zeitraum 6,78 Prozent, unterm Strich wären unserem Rentner nur 199 170 Mark geblieben. Selbst jene zwei Prozent Rendite, die die Kapitalzusage kosten soll, schlagen durch den Zinseszinseffekt über lange Jahre erheblich zu Buche: Wer 25 Jahre lang 300 Mark im Monat spart, hat am Ende bei acht Prozent Rendite 275 000 Mark, bei zehn Prozent jedoch fast 100 000 Mark mehr auf dem Konto.

Die DWS, die sich einen Marktanteil von "acht bis zehn Prozent" sichern will, verzichtet komplett auf ein Absicherungselement. "Wir übernehmen das Risiko selbst", sagt DWS-Sprecher Carsten Böhme. Die zuständigen Aufsichtsämter hätten dagegen bisher keine Bedenken geäußert. Dass die Branche um Einfälle nicht verlegen ist, zeigt der drittstärkste Player im Markt, die Fondstochter der Volks- und Raiffeisenbanken Union Investment. Auch sie übernimmt das Risiko selbst, verzichtet also auf ein spezielles Instrument zur Absicherung der Einzahlungen. Dafür arbeitet die Union mit der Bausparkasse Schwäbisch Hall zusammen, hat gemeinsam mit ihr das Produkt "P 4" entwickelt: Wer einen Bausparvertrag abschließt und unter gewisse Einkommensgrenzen fällt, könne "sich jetzt viermal Prämie vom Staat sichern". Union und Schwäbisch Hall wollen dabei "die umfangreichen Zulagen" aus vier Fördertöpfen des Staates umlenken. Der Riester-Teil geht dabei in die Union-Fonds UniGlobal und UniZins. Abschließen solle man "möglichst schnell", so die Information auf der Sonderhotline der Schwäbisch Hall. Man sei sicher, die Riester-Zertifizierung am Jahresende auch zu erhalten. Andere warnen jedoch vor Schnellschüssen. "Der Anleger sollte bis Jahresende warten", heißt es beim Bundesverband der Investmentgesellschaften. Erst dann sei klar, ob ein Produkt auch die "TÜV-Plakette" des Staates und damit die Förderung erhalte.

"Das Wettrennen wird nicht am Start entschieden", ist sich DWS-Sprecher Böhme sicher. Seien erst alle Produkte auf dem Markt, werde sich die Fondsbranche etwa 40 Prozent Marktanteil sichern. In den USA, wo der Rentensparer die Art der Anlage frei wählen könne und wo auch keine Kapitalgarantie vorgeschrieben sei, entschieden sich nur noch neun Prozent der Sparer für eine Lebensversicherung. Auch Deka und Activest lassen sich ein Hintertürchen offen. Sollten die Aufsichtsämter beim Thema Kapitalzusage mehr Spielraum einräumen, dann will man entsprechende Produkte nachschieben. "Wir würden sehr gerne reine Fondssparpläne anbieten", sagt Norbert Blaß, Projektleiter Zukunftsvorsorge bei der Activest. Zwei "passende Ideen" liegen bei dem Produktmanager schon in der Schublade - unter Verschluss. Auch die Deka hält "reine Fondsangebote durchaus für vorstellbar". Am Ende, da sind sich die Beteiligten einig, werde der Anleger zwischen Tausenden von Anlageideen wählen können. Wer also erfolgreich "Riesterisch" sprechen will, wird, den Markt eingehend studieren müssen.

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