Wirtschaft : Fonds: Lassen Sie Profis für sich arbeiten

Wolfgang Büser

Mindestens fünf verschiedene Aktien sollte man in seinem Depot haben, lautet eine Börsenregel. Denn um das Anlagerisiko mit Aktien zu begrenzen, muss das Kapital gestreut werden. Dazu setzt man "auf mehrere Pferde" und kauft zum Beispiel Aktien aus verschiedenen Ländern oder Branchen. Doch wer hat so viel Geld übrig, um sich für jeweils mehrere Tausender mit solchen Aktien einzudecken?

Es gibt ja Aktienfonds. Die einfache Idee: Statt sich selbst um die profitable Anlage seines Vermögens zu kümmern, werden Profis einer Investmentgesellschaft beauftragt. Die bilden aus den Geldern vieler Anleger Fonds, die nach bestimmten Regeln komponiert sind.

Aktienfonds ermöglichen den Anlegern mit kleinen Beträgen eine Anlage in verschiedene Aktien nach dem Prinzip der Risikomischung. Mit den Fonds erwerben Sie Anteile an einem Vermögen (Fonds), das überwiegend in Aktien angelegt ist. Fondsmanager verwalten das Geld nach feststehenden Anlagegrundsätzen und Zielen. In der Regel gibt es keine Mindestbeteiligung. Man kann entweder einen festen Einmalbetrag anlegen oder wie bei einem Sparvertrag jeden Monat eine feste Summe einzahlen. Die Anteile können zum aktuellen "Rücknahmepreis" wieder verkauft werden.

Die aktuellen Preise von Fondsanteilen werden täglich in Wirtschaftszeitungen veröffentlicht. Der eigentliche Preis setzt sich aus dem Tageswert und einem Ausgabeaufschlag zusammen, der bis zu etwa sechs Prozent erreichen kann. Je nach Fonds werden die Gewinne entweder ausgeschüttet - der Anleger bekommt sie also ausgezahlt - oder sie werden einbehalten ("thesauriert") und für den Fondsteilnehmer neu angelegt. Aktienfonds sind vor allem etwas für (relativ) mutige Anleger, die über längere Zeiträume mit begrenztem Risiko an den besonderen Wachstumschancen des Aktienmarktes teilhaben möchten.

Für die private Altersvorsorge gewinnen Aktienfonds zunehmend an Bedeutung. Gute Aktienfonds, die ausschließlich in deutsche Aktien angelegt haben, erwirtschafteten in den vergangenen 15 Jahren einen jährlichen Ertrag von durchschnittlich rund zwölf Prozent. Über noch längere Zeiträume hinweg gesehen beeinträchtigen schwächere Jahre zwar ein wenig die Erfolgsstory der Aktienfonds - auf zehn Prozent brachten sie es aber im Durchschnitt allemal.

Bei der Anlage in Aktienfonds hat der Anleger die Auswahl zwischen Fonds, die ausnahmslos in deutsche Aktien investieren, und solchen, die auch in anderen Ländern anlegen (Europa, Asien, USA oder weltweit). Sie müssen sich also entscheiden, ob Sie in puncto Rendite künftig "deutsch", "europäisch" oder "global" denken wollen.

Fonds auch für erfahrene Anleger

Für den erfahrenen Anleger geeignet sind Länderfonds, die der Spekulation auf eine positive Entwicklung in einem bestimmten Land dienen. Außerdem stehen etliche "Spezialitäten"-Fonds zur Auswahl: etwa Branchenfonds, mit denen man auf hohe Gewinne in bestimmten Branchen setzt.

Spezielle Fonds sind auch die "AS-Fonds". Sie sind speziell für die Altersvorsorge eingerichtete Fonds, und der Gesetzgeber hat bestimmte Vorgaben erlassen. Die Altersvorsorge-Sondervermögen (AS) investieren in eine Mischung aus Aktien, Anleihen und offenen Immobilienfonds. Der Anteil an Aktien- und Immobilieninvestments am Fondsvermögen muss zusammen mindestens 51 Prozent ausmachen. Der Aktienanteil darf aber 75 Prozent nicht übersteigen. AS-Fonds haben theoretisch eine Mindestlaufzeit von 18 Jahren beziehungsweise bis zum 60. Lebensjahr. Doch kann mit dreimonatiger Frist jederzeit gekündigt werden. Das heißt: Niemand ist gezwungen, sich an die Mindestlaufzeit zu halten.

Zwei kleine Vorteile haben die AS-Fonds: Die bei Aktienfonds üblichen Ausgabeaufschläge sind etwas reduziert oder entfallen sogar ganz und die Umschichtung nach drei Vierteln der Laufzeit zum Beispiel in Rentenfonds oder Geldmarktfonds der Fondsgesellschaft ist kostenlos.

Einige "Regeln" sollte Sie jedoch immer beachten. Kaufen Sie sich nicht mit einem größeren Betrag in einen Fonds ein, wenn die Börse gerade "überhitzt" ist, sonst laufen Sie Ihrem Einstandspreis womöglich schon kurze Zeit später erst einmal hinterher. Im Idealfall sollten Sie dann einsteigen, wenn die Kurse der Aktien, in die der Fonds investiert, vergleichsweise niedrig sind.

Ganz anders sieht die Sache aus, wenn statt einer Einmalanlage regelmäßig ein fester Betrag investiert wird: Durch den Kauf von Fondsanteilen für eine gleichbleibende Summe kaufen Sie bei niedrigen Preisen relativ viele und bei hohen Preisen relativ wenige Fondsanteile. In der Fachsprache heißt dies Cost-Average-Effekt.

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