Fonds : Rettungsaktion auf dem US-Immobilienmarkt

Die US-Bank Bear Stearns hat mit einem Milliardenkredit zwei angeschlagene Immobilienfonds gestützt und damit möglicherweise eine Kettenreaktion verhindert.

Walter Pfaeffle

New York - Die US-Bank Bear Stearns hat am Wochenende mit Milliardenkrediten zwei seiner Hedgefonds vor dem Kollaps bewahrt und damit möglicherweise eine Kettenreaktion im Markt für Hypotheken verhindert. Es war die größte Rettungsaktion seit der Krise beim Hedgefonds Long-Term Capital Management, der 1998 fast zusammengebrochen wäre. Damals hatten mehr als ein halbes Dutzend Kreditgeber für die Rettungsaktion 3,6 Milliarden Dollar (2,7 Milliarden Euro) bereitgestellt.

Am Freitag hatten die Probleme bei den beiden Fonds noch den Aktienmarkt verunsichert. Investoren verkauften vor allem Papiere von Investmentfirmen und Geschäftsbanken und kauften stattdessen Anleihen. Der Dow-Jones-Index sank um 1,4 Prozent. Seit dem Frühjahr sorgt der US-Immobilienmarkt immer wieder an den Börsen für Unruhe. Die Krise der Hypothekenbank New Century etwa drohte, auf die gesamte amerikanische Wirtschaft auszustrahlen. Zuletzt waren aber die Sorgen geringer geworden.

Die aktuelle Feuerwehraktion von Bear Stearns galt nun dem High Grade Fund, dem die Bank eine Kreditlinie von 3,2 Milliarden Dollar zur Verfügung stellte. Beim noch stärker verschuldeten Bear Stearns Leveraged Fund gehen die Verhandlungen mit Kreditgebern und Gegenparteien weiter. Die Krise steht in direktem Zusammenhang mit dem schwachen Hausmarkt in den USA und den Folgen allzu leichtsinniger Kreditvergaben seitens der Banken an Schuldner mit geringer Kreditwürdigkeit. Da dieser sogenannte Subprime-Markt äußerst lukrative Gewinne bietet, sind namhafte Finanzkonzerne wie Merrill Lynch und die Deutsche Bank an dem Geschäft beteiligt.

Doch die Bear-Fonds hatten sich bei Papieren (CDOs) verspekuliert, die Schuldforderungen verschiedenster Art bündeln. Darunter sind auch riskante Hypothekenkredite finanzschwacher Schuldner. Die Papiere werden dann gestückelt und an Investoren weiterverkauft. Die Verzinsung variiert je nach Risiko, das Risiko des Kreditausfalls muss der Käufer übernehmen. Voriges Jahr hatte der CDO-Markt nach Schätzung des Branchenverbands der Wertpapierhändler ein Volumen von mehr als 317 Milliarden Dollar, 77 Prozent mehr als im Vorjahr.

Dieses Mal konnte Bear Stearns noch rechtzeitig eingreifen. Sollten die Kreditausfälle und Pleiten am Subprime-Markt aber steigen, könnten Wall-Street-Firmen, Hedgefonds und Pensionskassen auf Anleihen und Wertpapieren sitzen bleiben, die mit Krediten abgesichert sind, die rapide an Wert verlieren.

Bear Stearns gründete 2004 zuerst den High-Grade-Fonds, der es in 41 aufeinanderfolgenden Monaten auf Renditen zwischen einem bis 1,5 Prozent pro Monat brachte. Vielen Investoren war dies noch zu wenig. Höhere Renditen bedeuten jedoch höhere Risiken. Im Sommer 2006 gründete Bear Stearns für seine risikobereiten Kunden den Leveraged Fund. Einen ungünstigeren Zeitpunkt hätte die Bank kaum wählen können. Gegen Ende vergangenen Jahres begannen die Hauspreise in vielen Teilen des Landes einzuknicken. Wegen der wieder ansteigenden Zinsen kommen Schuldner, die von Festzinshypotheken auf Kredite mit variablen Zinsen umgestiegen waren, mit ihren monatlichen Raten in Verzug. Viele geben ihre an Wert verlierenden Häuser oder Wohnungen an die Bank zurück. Etliche Kreditgeber mussten Konkurs anmelden. Walter Pfaeffle

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