Wirtschaft : Fonds setzen auf Firmenanleihen: Renditevorsprung gegenüber Staatspapieren

Thomas Hammer

Wenn kleine und mittlere Unternehmen Geld brauchen, beantragen sie einen Kredit bei der Hausbank. Wenn sich Großkonzerne Milliarden borgen wollen, emittieren sie Anleihen und borgen sich das Geld von privaten und institutionellen Anlegern. Um milliardenschwere Vorhaben wie Fusionen oder die Erschließung neuer Märkte finanzieren zu können, zapfen die Unternehmen meist direkt den Kapitalmarkt an. Dass diese Finanzierungsform immer beliebter wird, zeigen die nüchternen Zahlen: Nach einer Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) belief sich das weltweite Emissionsvolumen bei Unternehmensanleihen im zweiten Quartal dieses Jahres auf 140 Milliarden US-Dollar - gegenüber dem ersten Quartal ein Plus von 54 Prozent.

Nun haben die Investmentgesellschaften dieses attraktive Anlagesegment entdeckt. Ein Geldhaus nach dem anderen legt derzeit Fonds mit Unternehmensanleihen (Corporate Bonds) als Anlageschwerpunkt auf. "Da gibt es zurzeit eine richtige Schwemme an Neuauflagen", beobachtet Rüdiger Sälzle, Geschäftsführer bei Fonds Consult, einem bankenunabhängigen Anbieter von Fondsanalysen und Vermögensverwaltung auf Investmentfondsbasis. So baut derzeit die Deutsche-Bank-Tochter DWS eine Palette an Unternehmensanleihen-Fonds mit unterschiedlichen Anlageschwerpunkten auf. Die den Genossenschaftsbanken zugehörige Union Investment richtet zwei bestehende Fonds auf Unternehmensanleihen aus: Der bisherige UniEuroZins wird zum UniEuroRenta Corporates und konzentriert sich auf Euro-Unternehmensanleihen, der einstige UniplusRenta wird künftig als UniRenta Corporates international - auch außerhalb des Euroraums - investieren. "Solche Fonds sind derzeit zwar noch Nischenprodukte, aber der Markt wächst rasant", konstatiert Fondsexperte Sälzle.

Attraktiv sind für Privatanleger vor allem die im Vergleich zu Staatsanleihen deutlich höheren Renditen der Unternehmensanleihen. So weisen in den USA Unternehmens- gegenüber Staatsanleihen einen Renditevorsprung von bis zu zwei Prozentpunkten auf. Allerdings wird das Renditeplus mit zusätzlichen Anlagerisiken erkauft. So sind die Kursschwankungen bei Unternehmensanleihen meist deutlich stärker als bei Staatspapieren - wenn sich beispielsweise die Bonität verschlechtert, sinken die Kurse der Anleihen. Schlittert ein Unternehmen in die Pleite, können dessen Schuldverschreibungen über Nacht sogar wertlos werden - was beispielsweise beim Konkurs des Flugzeugbauers Fokker Mitte der 90er Jahre geschah.

Um solche Risiken möglichst präzise einschätzen zu können, werden die Herausgeber der Anleihen regelmäßig von Rating-Agenturen auf ihre Bonität geprüft und in verschiedene Risikoklassen eingestuft. Je risikobehafteter das Unternehmen, desto höher ist der Zins, den es für Anleihen auf dem Kapitalmarkt bezahlen muss. Je nachdem, ob die Fondsmanager auf sichere oder riskante Titel setzen, präsentieren sich die Chancen und Risiken für den Anleger. "Vor der Anlageentscheidung sollte deshalb der Fondsprospekt kritisch unter die Lupe genommen werden", rät Sälzle.

Wer auf Fonds mit einem hohen Anteil an Risiko-Anleihen setzt, hat zwar gute Renditechancen - aber er muss mit stärkeren Schwankungen rechnen. Weil innerhalb des Fonds jedoch Anleihen von verschiedenen Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen gemischt werden, wird das Risiko gestreut; ein einzelner Konkurse fällt da nicht so ins Gewicht. Die meisten Fondsmanager achten darauf, dass der Anteil einzelner Titel nicht über fünf Prozent des Gesamtvolumens steigt. Bei international investierenden Unternehmensanleihen-Fonds kommen noch die Chancen und Risiken hinzu, die sich aus schwankenden Wechselkursen ergeben. Mit guten Renditechancen bei meist moderaten Risiken schließt diese Fondsgattung die Lücke zwischen konservativen Rentenfonds und Aktienfonds.

Sälzle empfiehlt, Unternehmensanleihen-Fonds als mittelfristiges Investment zu betrachten, um kurzfristige Schwankungen aussitzen zu können. "Der Anlagehorizont sollte in etwa bei drei bis fünf Jahren liegen." Wer viel Wert auf Sicherheit legt, sollte sich Fonds zuwenden, die vorzugsweise in Euro-Anleihen von Schuldnern mit hoher Zahlungskraft investieren. Für Risikofreudige bieten sich hingegen international agierende Fonds an, die auf hochverzinste Anleihen von Unternehmen mit höherem Ausfallrisiko setzen.

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