Wirtschaft : Fonds verfügen am Neuen Markt nur über wenige Instrumente

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Anleger brauchen in diesen Tagen starke Nerven - vor allem, wenn sie in die Wachstumswerte vom Neuen Markt investieren. Der Monat April zeigte sich bei den Kursverläufen so launisch wie sonst nur beim Wetter, und die Wellenbewegungen gehen weiter. Von diesen Kurskapriolen sind auch die Manager von Aktienfonds für Wachstumswerte betroffen. Um das Risiko von Verlusten zu begrenzen und den Preis des Fondsanteils nicht zu stark schwanken zu lassen, vertrauen sie vor allem auf eine Strategie: "Das einzige, was bei der Risikobegrenzung wirklich nützt, ist bei der Titelwahl auf Qualität zu achten", sagt Karl Fickel, Manager des Invesco Neue Märkte. Vom Derivate-Einsatz zur Absicherung von Neuer-Markt-Titeln oder einer erhöhten Barmittelquote hält er nicht viel.

Beispiel Barmittelbestand: Ideal wäre es natürlich, vor einem sich abzeichnenden Marktabschwung Werte zu verkaufen, die Gewinne zu sichern, um später mit den so gewonnen Barmitteln günstig einzusteigen. Doch Fickel hält davon nichts. "Dieses Timing klappt nicht", meint Fickel. Er hält höchstens ein bis drei Prozent Kasse, in "absoluten Ausnahmefällen" können es kurzfristig auch mal vier bis fünf Prozent sein.

Gerade Fonds, die am Neuen Markt engagiert sind, können gar nicht so einfach Positionen abbauen. "Wenn ein Manager eine Aktie mit nennenswertem Volumen verkauft, kann das erst recht einen Kursrutsch auslösen", gibt Ralf Walter zu bedenken, der bei der Fondsgesellschaft Adig die Fondsmanager unterstützt. Stockpicking, also die gezielte Auswahl von chancenreichen Aktien, ist bei der Risikobegrenzung das oberste Gebot. "Qualitätstitel wie Intershop setzen sich langfristig durch", sagt Wassili Papas, der bei Union Investment den Uni Neue Märkte managt. Da er aber für die Entwicklung des Neuen Marktes skeptisch ist, hat er seine Barmittelquote auf acht Prozent erhöht.

Bei der Auswahl verlassen sich Fickel wie Papas vor allem auf ihre Erkenntnisse aus Unternehmensbesuchen. "Die daraus später resultierende Branchenstruktur des Depots ergibt sich eher zufällig", räumt Fickel ein. Um das Depot abzusichern, eignen sich normalerweise derivative Produkte, wie Optionen und Futures. Doch diese Instrumente stehen für Neue-Markt-Fonds faktisch nicht zur Verfügung. "Futures auf Neue-Markt-Indizes gibt es nicht und Aktienoptionen sind nicht liquide genug", erklärt Adig-Analyst Walter.

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