Fonds : Wenn Anlagen zu viel kosten

Versteckte Gebühren können den Gewinn von Fondssparern kräftig schmälern. Worauf Anleger achten sollten.

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Genau hinschauen. Manche Fonds kassieren fünf Prozent für die Verwaltung. Foto: Imago Foto: IMAGO
Genau hinschauen. Manche Fonds kassieren fünf Prozent für die Verwaltung. Foto: ImagoFoto: IMAGO

Frau F. hat eine kleine Erbschaft gemacht und will 50 000 Euro anlegen. Sie sucht sich einen Fonds aus, den sie 20 Jahre lang in ihrem Depot lässt. Im Schnitt wirft das Papier pro Jahr sechs Prozent Ertrag ab. Am Ende hat sie 109 139 Euro auf dem Konto, den Einsatz also mehr als verdoppelt. Frau F. freut sich sehr. Zu Unrecht. Denn nach 20 Jahren hätte sie problemlos auch 45 900 Euro mehr im Depot haben können, mit dem gleichen Risiko und der gleichen nominalen Jahresrendite.

Das Zauberwort heißt: Gebühren. Im ersten Fall hätte die Anlegerin einen durchschnittlichen Fonds gewählt, der jedes Jahr 1,7 Prozent „Verwaltungsgebühren“ aus dem Fondsvermögen abzwackt, was dem Anleger meist gar nicht auffällt. Zusätzlich hätte sie beim Kauf einen Ausgabeaufschlag von fünf Prozent bezahlt. Fast alle Geschäftsbanken, Sparkassen und Fondsgesellschaften verlangen diesen Aufschlag, der direkt vom Anlagebetrag abgezogen wird und meist voll als Provision an den Vertrieb geht. In Wahrheit hat Frau F. also nicht 50 000, sondern nur 47 500 Euro angelegt. Jedes Jahr wären von der Rendite 1,7 Prozentpunkte für die Verwaltung und das Management des Fonds abgezogen worden – Geld, das dann bei der Mehrung des Vermögens fehlt. Im zweiten Fall hätte sie ein Papier gewählt, bei dem kein Ausgabeaufschlag fällig wird und bei dem die laufenden Gebühren mit 0,17 Prozent deutlich niedriger sind. Dies sind reine Rechenbeispiele, die zeigen sollen, wie wichtig schlanke Kostenstrukturen bei der Geldanlage sind. Manche Fondsanbieter langen sogar noch kräftiger zu und verlangen Verwaltungskosten von zwei, drei oder gar fünf Prozent pro Jahr.

Ablesbar sind diese Gebühren an der sogenannten TER, was für Total Expense Ratio steht. Jeder deutsche Fonds muss eine TER ausweisen. Sie umfasst zwar alle laufenden Verwaltungsgebühren, berücksichtigt aber nicht jene Kosten, die dem Fondsmanager selbst beim Kauf seiner Aktien entstehen. Vor allem diese Kosten aber zehren oft gewaltig an der Rendite des Anlegers.

Und damit nicht genug: Im Zuge der Finanzkrise haben manche Fondsgesellschaften eine zusätzliche Gebühr installiert, die vordergründig nicht direkt auszumachen ist: Die sogenannte Performance Fee, also eine Gebühr, die nur dann fällig wird, wenn der Fondsmanager eine bestimmte Wertentwicklung schafft oder einen zuvor ausgewählten Vergleichsindex toppt, wenn er also erfolgreicher arbeitet als der Gesamtmarkt. Was auf den ersten Blick wie ein fairer Deal aussieht, entpuppt sich nach einer Finanztest-Untersuchung als erheblicher Nachteil. Die Fondsgesellschaften verteidigen die Erfolgsgebühr als Ansporn für den Fondsmanager, doch Finanztest fand keinen Hinweis darauf, dass sich Fonds mit einer solchen Gebühr besser entwickeln als andere Papiere. Die Anlegerschützer kritisieren zudem, dass etwa die Hälfte der untersuchten Fonds die Erfolgsgebühr kassiere, umgekehrt aber der Anleger eine schwache Leistung des Managements voll tragen müsse. Hinzu kommt: Bei manchen Fonds kann selbst dann eine „Performance Fee“ fällig werden, wenn der Fonds auf ein Jahr mit Verlusten zurückblicke. Das liegt daran, dass sich der Fonds an einem Index misst, der eben noch schlechter abgeschnitten hatte. Für andere Papiere liegt die Latte sehr tief: Als Erfolgsmaßstab setzen manche Fondsmanager hier bereits eine Wertentwicklung von null Prozent an.

Wer den Ausgabeaufschlag, also die Kaufgebühren umgehen will, hat ein leichtes Spiel: Die meisten Direktbanken bieten eine breite Palette zu stark reduzierten Ausgabekosten an. Noch günstiger sind Fondsvermittler und Fondssupermärkte im Internet: Hier findet der Anleger oft mehrere tausend Fonds ohne jeden Ausgabeaufschlag. Einer der größten Anbieter ist AVL Finanzdienstleistung, der mit mehreren Banken zusammenarbeitet und mehr als 18 000 Fonds vermittelt. Wie andere Vermittler finanziert sich AVL über eine Beteiligung an den Verwaltungskosten der Fonds.

Wer bei den Verwaltungsgebühren sparen möchte, muss auf einen Fonds mit möglichst niedriger TER achten oder auf einen ETF (Exchange Traded Fund) ausweichen, ein börsengehandelter Fonds, der einfach nur einen Index abbildet und deshalb ohne hohe Managementkosten auskommt. Sehr günstig beispielsweise sind reine Dax-ETF mit Kosten von jährlich 0,05 bis 0,2 Prozent. Doch Vorsicht: Hier wird zwar kein Ausgabeaufschlag fällig, dafür aber fallen Kaufkosten der Bank und der Börse an. In der Regel verlangen Direktbanken Provisionen von mindestens 0,25 Prozent vom Kurswert, hinzu kommen die Gebühren der Börsen, die zwischen 1,50 Euro pro Transaktion auf der deutschen Handelsplattform Xetra und rund 30 Euro für ausländische Börsen liegen können. Manche Anbieter arbeiten auch mit Pauschalgebühren.

Vorsicht ist auch bei Sparverträgen mit ETF geboten. So verlangt etwa die Comdirect pauschal 2,50 Euro plus 0,4 Prozent des Ordervolumens. Bei kleinen Sparsummen kommen da leicht Gebühren von über zehn Prozent zusammen. Um den Vorteil der ETF nicht zu verlieren, empfehlen Verbraucherschützer, die Sparraten lieber ein paar Monate in bar anzusammeln und beispielsweise viermal im Jahr zu kaufen. Damit verbilligen sich die Gebühren.

Wer Aktien kauft, hat neben den Depotgebühren und den normalen Kaufprovisionen keine weiteren versteckten Gebühren zu tragen. Allerdings werden Aktien, die keinem der großen Indizes wie dem Dax oder dem europäischen EuroStoxx50 angehören, bisweilen mit einem höheren „Spread“ gehandelt. Der Spread ist nichts anderes als die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs einer Aktie. Bei ausländischen Werten oder bei kleineren Papieren aus dem S-DAX liegt er meist zwischen 0,5 und einem Prozent.

Auch viele Fonds kann der Anleger inzwischen an der Börse kaufen – mit sehr geringem Spread. Er zahlt dann keinen Ausgabeaufschlag, sondern nur die Kaufgebühren seines Brokers oder die Handelsgebühren der Börse. Übrigens: Mit einem Stopp-Loss-Verkaufsauftrag kann man auch Fonds problemlos gegen Kursverluste absichern.

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