• Fonds wollen Schrempp Entlastung verweigern Großinvestoren von Daimler-Chrysler kritisieren: die Probleme des Konzerns habe das Management zu verantworten

Wirtschaft : Fonds wollen Schrempp Entlastung verweigern Großinvestoren von Daimler-Chrysler kritisieren: die Probleme des Konzerns habe das Management zu verantworten

Carsten Herz (HB)

Frankfurt am Main - Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp muss sich auf der Hauptversammlung am kommenden Mittwoch auf neue Attacken einrichten. Mehrere institutionelle Investoren wollen auf der in Berlin stattfindenden Aktionärsversammlung des Unternehmens auf Konfrontationskurs zum Top-Manager gehen. Nach Handelsblatt-Informationen planen die Fondsgesellschaft SEB und die Fondsgesellschaft der Genossenschaften Union Investment, dem Vorstand die Entlastung zu verweigern. Schrempp muss sich damit abermals auf einen Denkzettel der Anleger einstellen, denn beide Fonds halten zusammen rund 16,5 Millionen Daimler-Aktien.

Bereits im vergangenen Jahr hatten nur 88,49 Prozent des anwesenden Kapitals dem Management die Entlastung erteilt, nach mehr als 99 Prozent noch ein Jahr zuvor. Analysten hatten damals von einer „kräftigen Ohrfeige“ für den Vorstand gesprochen.

Grund zur Kritik gibt es genug: Die Mercedes Car Group mit den Marken Mercedes-Benz, Maybach und Smart erlitt im vergangenen Jahr einen Gewinneinbruch. Am vergangenen Donnerstag startete Daimler wegen Qualitätsproblemen den größten Rückruf in der Konzerngeschichte für Mercedes-Benz. Schrempp sagte dazu im „Spiegel“ nur: „Es war falsch, sich voll und ganz auf die Systemlieferanten zu verlassen.“ Am Freitag kündigte der Konzern dann ein umfassendes Restrukturierungsprogramm im Volumen von 1,2 Milliarden Euro für die defizitäre Kleinstwagen-Tochter Smart an. Und bei Mercedes soll künftig der Chef der US-Lkw-Tochter, Rainer Schmückle, die Bereiche Produktion, Einkauf und Informationstechnik betreuen, teilte Daimler-Chrysler am Sonnabend mit. Den Posten des Chief Operating Officers gab es bisher bei Mercedes nicht.

Auch die größte deutsche Fondsgesellschaft, DWS, trägt sich zumindest mit dem Gedanken, dem Management die Gefolgschaft zu verweigern. „Wir werden erst nach den Antworten des Vorstands entscheiden, wie wir auf der Hauptversammlung abstimmen werden“, sagte DWS-Sprecher Thomas Richter. Der oberste Aktienstratege des Fonds, Klaus Kaldemorgen, wird allerdings in Berlin gegenüber Unternehmenschef Jürgen Schrempp nicht mit Kritik sparen.

Dass sein Votum auch gegen Schrempp ausfallen könnte, bewies die Gesellschaft bereits im vergangenen Jahr: Nach Informationen aus Branchenkreisen stimmte DWS bereits auf dem letzten Aktionärstreffen nicht für eine Entlastung. Das Pikante daran: Die DWS ist eine Tochter des Daimler-Großaktionärs Deutsche Bank, deren ehemaliger Vorstandssprecher Hilmar Kopper bis heute den Aufsichtsrat des Autobauers anführt.

Die Fondsgesellschaft der Sparkassen, Deka, die im vergangenen Jahr noch zu den Rebellen gehörte und deren Fondsdirektor Michael Schneider gegen eine Entlastung stimmte, wird dagegen voraussichtlich bei der Hauptversammlung gar nicht präsent sein. Die in schweren Turbulenzen steckende Gesellschaft habe intern auch noch keine Entscheidung über ihr Abstimmungsverhalten, hieß es.

Die harsche Kritik der Investoren entzündet sich vor allem an den Qualitätsproblemen der Marke Mercedes-Benz. So will Union-Investment-Fondsmanager Thomas Meier dem Vorstand in Berlin schwere Managementfehler vorhalten. Die Qualitätsmängel von Mercedes würden auch auf längere Sicht einen Schatten auf den Wert der Marke werfen, heißt es in einem internen Papier der Gesellschaft. Hervorzuheben sei, dass die Probleme der „Sorte Eigenbau“ seien und damit die Verantwortung allein beim Management liege. Auch SEB-Fondsmanager Thomas Körfgen, der sich ebenfalls in Berlin zu Wort melden will, sieht die Schuld für die Pannen und den Sanierungsbedarf bei Mercedes-Benz vor allem in mangelhaften Leistungen des Managements.

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