Wirtschaft : Fondsmanager am Neuen Markt noch vorsichtig

Susanne Schmitt

Am Neuen Markt geht es wieder aufwärts. Doch die Anlageprofis der Fondsgesellschaften sind noch skeptisch, ob der Aufschwung am Segment für Wachstumswerte von Dauer ist. Den Spezialfonds ist der Einbruch der Kurse schlecht bekommen. Glück hatten die Anleger, die sich zu Beginn der Boomphase vor 1999 in einem Wachstumsfonds engagiert haben und noch im Jahr 2000 wieder ausgestiegen sind. Einige Fonds, wie etwa der DIT Spezial (Wertpapier-Kennnummer 847 517) oder der Julius Bär Special German B (WKN 986 012) des inzwischen geschassten Fonds-Managers Kurt Ochner, haben sich zwar in der Flaute besser entwickelt als der Markt. Frühere Hochflieger wie der Uni Neue Märkte (WKN 988 567) von Union Invest oder der Postbank Dynamik Neuer Markt (WKN 937 474) wurden aber empfindlich abgestraft.

Wassili Papas, Manager des einst gefeierten Uni Neue Märkte, hält die Bereinigung des Marktes noch nicht für abgeschlossen: "Ich gehe davon aus, dass in den nächsten zwölf Monaten noch eine ganze Reihe von Unternehmen gerade im Internet-Bereich verschwinden werden." So ist bei vielen "Stock-Picking" angesagt. "Wir schauen auf die fundamentalen Unternehmensdaten", sagt Sascha Hirsch von der Dresdner-Bank-Tochter Deutscher Investment-Trust (Dit). Die Dit-Strategie: Aktives Fondsmanagement soll helfen, die Risiken in Grenzen zu halten. Und da kommt es wieder auf alte Tugenden an. Geachtet wird auf die Marktstellung des Unternehmens, die Qualität und Erfahrung des Managements sowie Gewinndynamik und das Einhalten von Prognosen. Zur Zeit behalten die Dit-Manager 70 Titel am Neuen Markt im Auge, in 40 davon sind die Fonds investiert. "Und da sind nicht nur Nemax-50-Titel dabei", sagt Hirsch.

Ob die Kursgewinne am Neuen Markt tatsächlich schon eine echte Trendumkehr bedeuten, werden die Neun-Monatszahlen zeigen. "Die Erholung fängt bei den großen Firmen an", betont Hisch. "Erst wenn es Nokia und anderen Unternehmen wieder besser geht, dann ziehen auch die kleineren Wachstumsfirmen nach."

Michael Fraikin, Fondsmanager für die Wachstumsfonds von SEB Invest und Invesco, hält den Markt für unterbewertet. Die Fonds, so meint er lapidar, seien auch nicht besser als der Markt. Dennoch: Fonds, die nicht nur in Deutschland investieren, sondern auch Wachstumswerte anderer Länder kaufen, stehen nicht ganz so schlecht da. In Zahlen: Ein Fonds, dessen Schwerpunkt auf deutschen Wachstumswerten liegt, hat seit Jahresbeginn im Schnitt zwischen 50 und 60 Prozent verloren, europäische Wachstumsfonds zwischen 30 und 40 Prozent.

So hat sich auch der SEB Invest Neue Märkte (WKN 989 941), dessen Anlageschwerpunkt internationale Aktien sind, besser entwickelt als das Pendant von Invesco, der in Europa mit Schwerpunkt Deutschland investiert. Fraikin hält derzeit keine Aktien von Internetfirmen oder Finanzdienstleistern wie etwa Online-Brokern und bevorzugt Industriedienstleister wie Teleplan, D.Logistics oder Grenke Leasing sowie Firmen aus dem Bereich High-Tech-Maschinenbau. Die guten Unternehmen am Neuen Markt hält Wassili Papas von Union für fair bewertet. "Steigende Gewinne werden hier nicht zu steigenden Kursen führen." Er würde jetzt seinen Bestand von Aktien wie Aixtron oder Medion nicht aufstocken.

Fraikin betont, dass seine Fonds nahezu voll investiert sind. "Wenn der Anleger Anteile kauft, dann möchte er die auch am Markt investiert sehen." Er weist den Vorwurf zurück, ein Rückzug der Fonds habe zu den Kursstürzen geführt. Dennoch werden neue Wachstumsfonds kaum noch aufgelegt, und die bestehenden sammeln weniger Kapital ein. Im Gegenteil: Viele Anleger haben nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres ihr Geld aus den Neue-Markt-Fonds abgezogen.

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